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Studenten entwickeln Öko-App

Informatiker Studenten entwickeln Öko-App

Es begann als Praktikum. Und es endete in der eigenen Firma. Vier Marburger Informatikstudenten entwickeln eine App, die den Ablauf von Ökö-Lieferdiensten erleichtern soll.

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Professorin Gabriele Taentzer (von links), Ökokisten-Geschäftsführer Charly Firsching und die beiden Entwickler Sebastian Egli und René Sitt vor einem der Lieferfahrzeuge. Foto: Gassner

Marburg. „Es ist schon komisch, dass ausgerechnet ich eine App entwickle“, sagt Rene Sitt. „Dabei besitze ich nicht einmal ein Smartphone oder ein Tablet.“ Gemeinsam mit seinen drei Partnern entschloss er sich vergangenes Jahr zur Selbstständigkeit.

Dazu gekommen ist es durch eine Praktikums-Lehrveranstaltung, die im vierten Semester des Informatik-Bachelorstudienganges stattfindet. 60 Studenten sollten in Gruppen nach einer Lösung für eine vorgegebene Software-Idee suchen. Damit es sich nicht nur um ein fiktives Problem handelte, dessen Lösungen im Nachhinein unbrauchbar gewesen wären, suchte Dozentin Gabriele Taentzer nach einer „richtigen Praktikumsaufgabe“. Über einen befreundeten Informatik-Professor entstand so der Kontakt zu Charly Firsching.

Der Geschäftsführer der „Ökokiste Boßhammersch Hof“ in Großseelheim kam in die erste Sitzung der Lehrveranstaltung und stellte den Studenten vor, was er sich vorstellte. Für seinen Lieferdienst, der Bio-Lebensmittel vom Hof nach Internet-Bestellung zu den Kunden bringt, sollte eine Fahrer-App entwickelt werden, mit der die Auslieferer der Lebensmittel-Kisten tagesaktuelle Änderungen und Kundenwünsche nachverfolgen können. Die beste Lösung präsentierten schließlich Rene Sitt, Sebastian Egli, Leon Kläffmann und Andreas Voeth.

„Sie waren die einzige Gruppe, die sich auch vor Ort ein Bild gemacht hat“, berichtet Firsching von dem Engagement der jungen Entwickler. Dies habe sich schließlich im Ergebnis ausgezahlt. „Bei der Benutzer-Oberfläche hat man sofort durchgeblickt und außerdem haben die Jungs zusätzliche Ideen gehabt, die gar nicht gefragt waren“. Zudem seien sie die Gruppe gewesen, die am besten aufeinander abgestimmt gewesen sei.

„Teamarbeit ist sehr wichtig in der Informatik“, weiß auch Gabriele Taentzer. Normalerweise seien bei den Prüfungen im Studium nur Einzelleistungen gefragt, daher sei das gemeinsame Arbeiten im Praktikum besonders wichtig. Dass dabei noch während des Bachelorstudienganges eine Firma entstünde, passiere sehr selten. „Im Team zu arbeiten, war auch für uns ein Lernprozess während der Arbeit“, gesteht Sebastian Egli. Auch sein Kollege Sitt erinnert sich, dass „die Zeit zwischendurch auch mal sehr knapp wurde. Inzwischen stimmt aber die Kommunikation“.

Noch zirka ein Jahr soll es dauern, bis die App komplett ausgereift ist. In dieser Zeit arbeitet das Entwickler-Team neben Studium und Beruf an der Fertigstellung und hat zu diesem Zweck eine GbR gegründet. Bei erfolgreicher Beendigung des Projekts, soll sich die unentgeltliche Arbeit im Nachhinein durch den Verkauf der App an den Boßhammersch Hof und weitere Ökokisten-Unternehmen rentieren.

Studierende haben weitere Ideen

„Wie es danach weitergeht bleibt erstmal offen“, erklärt Egli, doch weitere Projekte - auch in Zusammenarbeit mit Charly Firsching - erscheinen nicht unwahrscheinlich. Der zumindest hat schon weitere Visionen. „Wir stehen in Konkurrenz zu Supermärkten, die zwar nicht die gleiche Qualität anbieten können, aber günstiger sind“, so Firsching.

Daher schwebt ihm vor allem eine Verbesserung des Kundenservices vor. Beispielsweise sei es denkbar, dass Kunden bei verspäteter Lieferung automatisch eine SMS erhielten. Auch ein Barcode an den Kisten, mit dem eine Reihe von Rezepttipps für die gelieferten Waren abrufbar wären, wäre eine spannende Vorstellung. So kann auch Rene Sitt vielleicht noch weitere Apps programmieren - auch ohne den Besitz eines Smartphones.

von Peter Gassner

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