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Stromrechnungen landen beim Falschen

Irrtum von Eon Stromrechnungen landen beim Falschen

Walter M. streitet mit dem Stromversorger Eon über den Umgang mit dessen Kunden. Als Betreuer vertritt er ein psychisch Kranken aus dem Ostkreis, dem die Einstellung der Stromversorgung angedroht wurde.

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Der Betreuer eines psychisch Kranken aus dem Ostkreis klagt über den Kundenservice des Unternehmens Eon.

Quelle: Nico Kurth

Marburg. „Schallplattenartig immer dieselben Auskünfte“ statt Beratung und Kundenservice. Walter M. (Name von der Redaktion geändert) ärgert sich seit Monaten mit dem Energiekonzern Eon herum. Nun möchte er den Vertrag kündigen, doch das Unternehmen will weiterhin bis zum Ende der Vertragslaufzeit Geld sehen.

Ein Gericht bestimmte ihn im vergangenen Jahr zum Betreuer eines psychisch Kranken aus dem Ostkreis. Eine Übersicht über die Konten und Verträge seines Schutzbefohlenen hatte er aber nicht. Der vorherige Betreuer habe „sich um nichts gekümmert“, sagt Walter M.

Bei Eon, dem Stromversorger des Mannes, bat Walter M. daher am 16. Dezember 2014 schriftlich um die Zusendung wichtiger Unterlagen und offenstehender Rechnungen. Erst am 31. März 2015 ging ihm ein Abschlagsplan zu, nach dem monatlich 32 Euro zu zahlen seien. Von offenen Beträgen ist in diesem Brief keine Rede (der gesamte Schriftverkehr liegt der OP vor).

Betreuer klagt über schlechten Telefonservice

Zur Überraschung von Walter M. erreichte ihn eine solche Forderung dann aber am 18. Mai. In einem Mahnbescheid wurde er aufgefordert innerhalb von neun Tagen 846,16 Euro auf das Konto des Stromversorgers zu überweisen. Andernfalls werde Eon nach Ablauf von vier Wochen die Stromversorgung unterbrechen.

Ohne eine detaillierte Auflistung der Leistungen wollte Walter M. dieser Aufforderung jedoch nicht nachkommen. „Das verlangt meine Sorgfaltspflicht als gesetzlicher Betreuer“, sagt er. Bei zahlreichen Versuchen zur Kontaktaufnahme am Telefon habe er „anonymes Automatengeplapper“ von verschiedenen Mitarbeitern gehört.

Immer wieder dieselben Antworten, in denen auf seine Schilderungen nicht eingegangen worden sei. „Da wird man dann fünfmal weiterverbunden und niemand nimmt sich der Sache an“, klagt er. Als er auf das Ausbleiben vorheriger Rechnungsschreiben hingewiesen habe, sei ihm lediglich mitgeteilt worden, „dass ich mich darum hätte kümmern müssen“.

Auf OP-Nachfrage erklärt ein Eon-Sprecher, dass dem Energieversorger ein Versehen unterlaufen sei, das man bedauere. Die Post sei weiterhin an die Adresse des Kranken statt an Walter M. geschickt worden. Der Betreute habe „unser Gesprächsangebot nicht genutzt“, viele Schreiben seien „ungeöffnet als Rückläufer zurückgekommen“ heißt es in der Stellungnahme. Dementsprechend sei man „bei ausbleibenden Reaktionen seitens des Kunden gezwungen, die Beträge im ­weiteren Schriftverkehr anzumahnen“. Den Strom abzudrehen sei „stets unsere letzte Option“.

Eon lehnt Ratenzahlung ab

Am 10. Juni ging die geforderte Rechnung schließlich bei Walter M. ein. Ratenzahlung sei aber nicht möglich, sondern erst dann, wenn ausstehende Zahlungen geleistet seien, hatte ihm das Unternehmen schon zuvor auf eine entsprechende Anfrage mitgeteilt. Ratenzahlung könne nur gewährt werden, „wenn für uns hinreichend gute Aussichten bestehen, dass der Kunde die offenen Beträge vollständig bedienen kann“, bestätigt der Unternehmenssprecher gegenüber der OP.

Einen Tag nach Eingang der vollständigen Rechnung überwies Walter M. neben den monatlich laufenden Zahlungen eigenmächtig einen Betrag von 70 Euro als „erste Rate“. Mehr sei auf einen Schlag nicht möglich, da der von ihm betreute Mann ein sehr geringes Einkommen habe. Eine Ratenzahlung sei von allen Kontakten am Telefon weiterhin rigoros abgelehnt worden.

In der Reaktion auf die OP-Anfrage erklärt der Unternehmenssprecher, Walter M. und seinem Anvertrauten entgegenkommen zu wollen. Eon werde sich in Kürze bei Walter M. melden, „um über Lösungen zu sprechen, die offenen Forderungen auszugleichen“.

Doch weiterer Ärger steht an. Walter M. hat den Vertrag bei Eon gekündigt und möchte den Anbieter wechseln. Eon pocht aber auf Einhaltung der vereinbarten Laufzeit bis Ende März 2016. Unabhängig davon, ob Strom geliefert wird oder nicht.

von Peter Gassner

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