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Straffer Zeitplan für die Stellenrettung

Rhön-Klinikum Straffer Zeitplan für die Stellenrettung

Standortübergreifend wollen die Betriebsräte der Universitätskliniken Marburg und Gießen gegen die geplanten Stellenkürzungen in diesem und im nächsten Jahr zusammenarbeiten.

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Die Diskussion um den geplanten Stellenabbau am Marburger Universitätsklinikum geht weiter. Der Betriebsrat will standortübergreifend um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen.

Quelle: Archivfoto

Marburg. „Es ist ein harter Schlag, wenn ein Konzern rund 160 Millionen Euro Gewinn macht, dennoch die einzelnen Unternehmen die Zinsen und Abschläge für Bauarbeiten selbst tragen müssen und die Gewinnmaximierung damit im Grunde auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird“ – mit diesen klaren Worten äußern sich die beiden Betriebsratsvorsitzenden der Universitätskliniken Marburg und Gießen, Bettina Böttcher und Klaus Hanschur, über die geplanten Stellenkürzungen an den beiden Standorten.

Am Freitag war bekannt geworden, dass die Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) GmbH in diesem und im nächsten Jahr jeweils 250 Stellen abbauen will (die OP berichtete).

Standortübergreifend wollen die Betriebsräte jetzt zusammenarbeiten und gegen die Pläne vorgehen. Das Programm dafür ist straff: Am 1. März haben Böttcher und Hanschur einen Termin in der hessischen Staatskanzlei bei deren Chef Axel Wintermeyer. „Dort wollen wir über die Sparpläne sprechen und die Politik in die Verantwortung nehmen“, erklärt Böttcher.

Am Freitag, 2. März, steht dann eine Versammlung der Betriebsräte an, an die sich ein Treffen mit den Gewerkschaften anschließt. Am 6. März wird eine Betriebsversammlung im Uniklinikum in Marburg stattfinden, am 12. März folgt eine in Gießen. Dazwischen, am 7. März, tagt der Aufsichtsrat des UKGM. „Auch dieser soll sich mit der Thematik auseinandersetzen“, fordert Hanschur. Am 13. März fahren die beiden Betriebsratsvorsitzenden zu einer Versammlung des Konzern-Betriebsrates nach Bad Neustadt/Saale. „Dazu ist auch der Vorstand der Rhön-Klinikum AG eingeladen, angeblich sollen nämlich im gesamten Klinikkonzern rund 8.000 Stellen abgebaut werden“, weiß Hanschur.

Eine Stellungnahme der UKGM-Geschäftsleitung zu den Sparzielen und den geplanten Stellenkürzungen war auch am Montag auf Nachfrage der OP nicht zu erhalten.

Der Marburger Betriebsrat ist über die Pläne der Geschäftsführung, die diese damit begründet, dass sich die Erlös-Situation der beiden Unikliniken in diesem Jahr durch mangelnde Refinanzierung der Krankenkassen deutlich verschlechtern werde, am 3. Februar informiert worden. Seitdem arbeite man mit Hochdruck. „500 Stellen abzubauen ist einfach unvorstellbar. Damit fährt man ein Klinikum vor die Wand“, sagt Hanschur. Den Angaben des Betriebsrates zufolge arbeiten derzeit rund 9.000 Beschäftigte beim UKGM.
Was die Betriebsratsvorsitzenden schon jetzt festgestellt haben: „Es wird bereits an uns vorbei mit dem Stellenabbau begonnen.“ Befristete Stellen würden aktuell nicht mehr besetzt. „Die Personalmaßnahmen, die uns jede Woche vorgelegt werden, werden immer weniger“, erläutert Hanschur.

Und Dr. Franz-Josef Schmitz, Mitglied im Personalrat des Marburger Uniklinikums, berichtet, dass sowohl die Leitung der Abteilung Geburtshilfe als auch die Leitung der Kinderchirurgie in Marburg wohl nicht neu besetzt werden sollen. „Zwangsläufig wird die Geburtshilfe also von der Abteilung Gynäkologie übernommen“, so Schmitz, der weiterhin kritisiert, dass auf diesem Niveau kaum noch Forschung und Lehre betrieben werden könne. „Allein im ärztlichen Bereich haben sich bis heute gut 25.000 Überstunden angehäuft“, sagt er, die Arbeitsbelastung sei auch so schon hoch, die Zahl der Arbeitsausfälle wegen psychischer Erkrankungen auch: „Die Mitarbeiter werden ausgepresst wie Zitronen.“

von Katharina Kaufmann

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