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Stifter gegen den „Brain-Drain“

Regionalmanagement Mittelhessen Stifter gegen den „Brain-Drain“

Jeden Monat 300 Euro bekommen, statt zu jobben – diese Chance bietet das Deutschland-Stipendium Studierenden. Dafür werden in der Region noch Stifter gesucht.

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Rainer Staffa (von links, Volksbank Mittelhessen) mit dem Stipendiaten Maik Luu und Professor Evelyn Korn von der Philipps-Universität Marburg.

Quelle: privat

Gießen. Maik Luu ist ein begabter Student aus Marburg mit den üblichen Problemen: Bafög reicht in der mittelhessischen Uni-Stadt für Miete und Essen, 
darüber wird es knapp. „Ich 
habe als Sushi-Koch gearbeitet, das hat Spaß gemacht, war aber stressig“, sagt der 22-jährige angehende Humanbiologe.

Seit gut einem halben Jahr ist Luu nun Deutschland-Stipendiat und konnte sich so von der Produktion japanischer Fisch-Spezialitäten zugunsten seines Studiums verabschieden. Das ist auch ein Erfolg für das Regionalmanagement Mittelhessen, das mit den mittelhessischen Hochschulen um Stifter für das Programm wirbt, das sich zur Hälfte über Beiträgen aus der Wirtschaft finanziert.

„Ich kann mich jetzt besser 
fokussieren“, sagte Luu kürzlich während einer Veranstaltung, bei der das Regionalmanagement gemeinsam mit den drei mittelhessischen Hochschulen auf das Deutschland-Stipendium und seine Bedeutung aufmerksam machte.

Stipendium soll Empfänger in der Region halten

Insgesamt erhalten Stipendiaten für ein Jahr monatlich 300 Euro. „Das sind 20 Stunden, in denen ich jetzt nicht mehr jobben muss“, betont der hochbegabte Student aus Eschweiler, der im Rahmen eines Sonderprogramms bereits nach acht Semestern statt dem Master seine Promotion angehen möchte.

Es sei nach wie vor „eine 
besondere Herausforderung, die besten Köpfe in die Region zu holen und hier zu halten“, sagt Professor Verena Dolle, 
Vizepräsidentin für Studium, Lehre, Weiterbildung und Qualitätssicherung an der Gießener Justus-Liebig-Universität (JLU).

Umso wichtiger sei das Deutschland-Stipendium, das nicht nur Studierenden die Möglichkeit gebe, sich besser 
auf ihr Studium zu konzentrieren, sondern auch den Stiftern die Gelegenheit verschaffe, 
„Nachwuchs zu fördern und an die Region und das Unternehmen zu binden“. Das Programm, das vom Bund 2010 geschaffen worden sei, habe erstmals „privates Engagement in die Spitzenförderung einbezogen“, betont Dolle.

Als Privatmann fördert zum Beispiel Dr. Wolfgang Maaß, Ehrenpräsident der IHK Gießen-Friedberg, einen Stipendiaten. „Ich tue das aus privater Überzeugung“, sagt Maaß, denn er stamme selber aus einfachen Verhältnissen und wisse um die finanziellen Probleme, die dem Nachwuchs das Studieren zuweilen schwierig mache.

Korn: Nicht nur bei Forschung und Lehre gut 
vernetzt

Dem Stifter von Maik Luus Stipendium, der Volksbank Mittelhessen, geht es nicht zuletzt um die Unterstützung der Region: „Wir wollen auch helfen, Identität zu stiften“, erläutert Volksbank-Vorstandsmitglied Rainer Staffa. Die Investition in Ausbildung biete hier „den höchsten Ertrag“.

Der Erfolg des Deutschland-Stipendiums in Mittelhessen ist auch ein Erfolg der Kooperation der drei mittelhessischen Hochschulen. Das hob Professor Evelyn Korn, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Marburger Philipps-Universität, hervor. 
„Wir sind eben nicht nur bei Forschung und Lehre gut 
vernetzt“, so Korn.

Die mittelhessischen Hochschulen seien für Arbeitgeber auch deshalb spannend, weil sie in der Region eben nicht konkurrierten, sondern sich vielmehr ergänzten, betont indes Matthias Willems, Präsident der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Und: Die Verbindung von Hochschule und Wirtschaft sei bei der THM mit dem Angebot Studium Plus bereits eine lang geübte Praxis mit mittlerweile rund 600 Unternehmen im Netzwerk.

Studenten ermutigen, zu bleiben

Mehr als 40 Studierende werden jährlich jeweils an der Gießener JLU und der THM mit dem Deutschland-Stipendium 
gefördert, genau 27 sind es im laufenden Jahr an der Marburger Universität. Für Klaus Rohletter, Leiter des Netzwerks Wirtschaft im Regionalmanagement Mittelhessen, ist das 
Engagement für das Programm 
eine Herzensangelegenheit: „Wir werben gerne dafür, sich hier als Stifter zu engagieren.“

Das Regionalmanagement sieht seine Unterstützung auch als Teil der Arbeit für die Sicherung von Fachkräften in der Region. „Wir wollen was tun gegen den ‚Brain-Drain‘“, sagt Jens 
Ihle, Geschäftsführer der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH.

„Gerade die qualifizierten Menschen, die zum Studium zu uns kommen, wollen wir ermutigen, auch hier zu bleiben.“ Aus dem Netzwerk habe es nach dem Treffen bereits erste Zusagen von neuen Stiftern wie auch zur Unterstützung der Hochschulen mit Dienstleistungen bei der Werbung gegeben.

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