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Steuererklärung - ein paar Mausklicks allein reichen nicht

Steuer Steuererklärung - ein paar Mausklicks allein reichen nicht

Mit der vorausgefüllten Steuererklärung bietet die Finanzverwaltung einen vereinfachten Weg, die für viele lästige Pflicht zu erfüllen. Doch der neue Dienst hat auch seine Tücken.

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Die vorausgefüllte Steuererklärung enthält bereits einige Daten. Doch wichtige Beträge zum Steuern sparen, wie etwa Werbungskosten, muss der Steuerzahler selbst erfassen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Hessische Ministerium für Finanzen spricht von einem „Meilenstein des erfolgreichen eGovernment-Projektes“: Seit Jahresbeginn wird den Bürgern mit der vorausgefüllten Steuererklärung eine kostenlose Ausfüllhilfe zur Verfügung gestellt, mit der die elektronische Abgabe der Einkommensteuererklärung vereinfacht werden soll.

Mit ihr kann man die dem Finanzamt von Arbeitgebern oder Versicherungen zu seiner Person übermittelten Daten abrufen. Neben Name, Adresse und Religionszugehörigkeit werden auch die Lohnsteuerdaten, Bescheinigungen über den Bezug von Rentenleistungen und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zum Abruf bereitgestellt.

So verringere sich das mühsame Suchen der Belege. Zudem würden Eingabefehler vermieden, da die abgerufenen Daten einfach in die Einkommensteuererklärung übernommen werden könnten, teilt das Finanzministerium mit.

In der Theorie hört sich das in der Tat sehr praktisch an. Doch in der Praxis hat das System noch einige Tücken.

Das beginnt schon mit der Registrierung: Diese geschieht zunächst am PC über das Portal www.elster.de. Hinzu kommen einige Tage Wartezeit, da die Finanzbehörden den benötigten Sicherheitscode ganz altmodisch per Post verschicken.

Das sei viel zu kompliziert, kritisiert beispielsweise Hans-Ulrich Liebern vom Bund der Steuerzahler. Die Seite sei nicht besonders logisch aufgebaut, „da müsste man vielleicht noch mal überlegen, ob es nicht ein zügigeres Verfahren geben könnte“, so Liebern.

Jeder ist selbst für die Vollständigkeit verantwortlich

Prinzipiell befürworte der Bund der Steuerzahler jedoch, dass der Bürger die hinterlegten Daten nun einsehen und auch nutzen dürfe. Dies erhöhe die Transparenz. Denn oft wüssten Bürger nicht, welche ihrer persönlichen Daten bei Ämtern vorlägen - und ob diese Daten überhaupt korrekt seien.

Lohnersatzleistungen wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Übergangsgeld, Mutterschaftsgeld oder Elterngeld werden dem Fiskus gemeldet.

Jedoch sind Einkünfte wie Miet- und Pachteinnahmen, Veräußerungsgewinne oder Kapitalerträge noch nicht in der Steuererklärung enthalten, da sie dem Fiskus ja nicht bekannt sind. Diese müssen selbst eingetragen werden - und auch vollständig sein. Der Steuerberater Lothar Hirth aus Lischeid stellt klar: „Auch bei der vorausgefüllten Steuererklärung ist jeder selbst für die Richtigkeit und Vollständigkeit verantwortlich.“ Unvollständige Angaben könnten zu dem Vorwurf führen, man habe bewusst Einkünfte verschwiegen - das kann Bußgelder und Strafen nach sich ziehen.

Auch wer die vorausgefüllten Daten nutzt und diese beim Elster-Programm eintragen lässt, ist noch längst nicht fertig mit der Steuererklärung. „Dann sind beispielsweise noch keine Werbungskosten, wie die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder ähnliches geltend gemacht“, sagt Lothar Hirth. Auch außergewöhnliche Belastungen, etwa Krankheits- und Pflegekosten, fehlen ebenso, wie Pauschbeträge für Behinderung oder Pflege. Wer haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerrechnungen oder die Kosten für eine privat beschäftigte Haushaltshilfe absetzen möchte, muss die Daten ebenfalls selbst eintragen.

Im Zweifel Widerruf einlegen

Der Steuerberater dazu: „Diese Daten sind immens wichtig, um letztendlich auch Steuern zu sparen.“ Wer sie nicht eintrage, verschenke in der Regel bares Geld.

Der Steuerpflichtige sollte auf jeden Fall die Daten kontrollieren, ob Ämter und Versicherungen das abgerufene Material wirklich korrekt weitergeleitet haben. Denn das Finanzamt überprüft die ihm von den zuständigen Stellen übermittelten Daten nicht, sondern erlässt auf Grundlage dieser Daten einen Bescheid. Dieser wird vom Steuerzahler häufig als endgültig angesehen.

Wem sein Steuerbescheid dennoch seltsam vorkomme, der solle im Zweifel Widerruf einlegen, rät Lothar Hirth - dazu genüge schon der Satz „ich lege gegen meinen Steuerbescheid Einspruch ein, Begründung folgt“.

Wichtig dabei sei, dass man die einmonatige Frist nach Zugang des Bescheids einhalte.

von Andreas Schmidt

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