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Stellenabbau bei Johnson Controls

Protest mit Trillerpfeifen Stellenabbau bei Johnson Controls

Vorerst nur mit einer Kundgebung reagierte die Belegschaft von Johnson Controls gestern auf den geplanten Stellenabbau in dem Friedensdorfer Unternehmen.

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250 Beschäftigte von Johnson Controls protestierten gestern vor den Werkstoren.

Quelle: Andreas Schmidt

Friedensdorf. „Es geht um unsere Zukunft - und die sieht nicht sehr rosig aus“, sagte André Bentz vom Betriebsrat der „Lahnwerke“, wie Johnson Controls landläufig heißt. Eigentlich sollte die Protestkundgebung, an der sich etwa 250 Kollegen beteiligten, parallel zu den Verhandlungen zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Geschäftsführung stattfinden, „damit wir Gehör finden“, so Bentz. Doch daraus wurde nichts: Die Verhandlungen waren zu diesem Zeitpunkt bereits abgebrochen worden, „nach nur einer Stunde“, wie Harald Serth, Generalsekretär von IG Metall, erläuterte.

Der Automobilzulieferbetrieb Johnson Controls ist mit 880 Arbeitsplätzen der größte Arbeitgeber im Hinterland. Doch geht es nach dem Willen der Geschäftsführung, bleibt dies nicht mehr lange so: Das Unternehmen will 480 Arbeitsplätze abbauen, die Belegschaft also auf weniger als die Hälfte zurückfahren.





                   

"Heute erst der Anfang"

André Bentz fasste die bisherigen Verhandlungen zusammen: Seit 2013 verhandele man bereits über die Zukunft des Standorts Friedensdorf. „2013 hat man uns gesagt, wir seien schlecht, weil die Zahlen nicht stimmen“, so Bentz. Man habe aber immer gesagt: „Wenn ihr euch verbessert gibt es eine Zukunft. Und das haben wir getan“, so Bentz. Mittlerweile erwirtschafte man 60000 Euro mehr Umsatz pro Kopf als vor zwei Jahren. Daher machte er klar: „Dass wir hier heute stehen, das ist erst der Anfang.“ Harald Serth betonte, einen Standort „mit dieser Qualität zu halbieren, das ist eine Frechheit“.

Die Betriebsratsvorsitzende Carmen Thomä berichtete von den Verhandlungen mit der Geschäftsleitung. Man habe angeboten, den Betrieb mit 500 Mitarbeitern bis 2018 fortzuführen. „Das würde bedeuten, 385 Menschen in diesem Betrieb wären flüssiger als Wasser - nämlich überflüssig.“ Sozialverträglich ließen sich diese Kollegen sowieso nicht abbauen. Freiwillig würden das Unternehmen auch nicht so viele Kollegen verlassen - es blieben also nur betriebsbedingte Kündigungen. „Und die stehen mit unserem Vertrag bis Ende 2015 garantiert nicht an“, so Thomä. Denn es gibt eine Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, nach der die Untergrenze der Beschäftigten bei 800 Mitarbeitern liegt.

Hans-Peter Wieth, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, verdeutlichte: „Die Probleme haben nichts mit eurer Leistung zu tun, sondern sind die Folgen eines Missmanagements.“ Die Manager würden nur einen „einfachen Dreisatz“ beherrschen: „Wenn es weniger von euch gibt, stimmt bei uns die Kasse.“ Das sei aber kein Zukunftskonzept. Das bestehe wohl nur aus drei Punkten: „Erstens: Wir haben heute Verluste. Zweitens: Wir reduzieren diese auf die Hälfte, indem wir die Belegschaft auf die Hälfte reduzieren. Drittens: Der Umsatz reduziert sich auch.“ Wieth wies darauf hin, dass eine Halbierung der Belegschaft spätestens nach einem Jahr auch das Aus für den Rest des Betriebes bedeute, der sich aufgrund der Größe nicht mit weniger Personal fahren ließe. „Deshalb erwarten wir endlich ein Konzept, das Zukunft zum Inhalt und Sinn und Verstand hat.“ Das liege nicht vor. Daher werde man bestimmt bald „wieder hier stehen.“

von Andreas Schmidt

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