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Statt erhofftem Geldregen droht ein Verfahren

Betrugsmasche Statt erhofftem Geldregen droht ein Verfahren

Eigentlich hörte sich alles so leicht an: Pakete bekommen, umetikettieren, weiterversenden. Und dafür 1800 Euro im Monat kassieren. Doch der lukrative Nebenverdienst führt direkt in eine Anzeige wegen Geldwäsche.

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Für das Umetikettieren und Weiterschicken von Paketen wurden einer Frau aus dem Nordkreis gut 1800 Euro versprochen – dadurch hätte sie allerdings Betrügern geholfen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Eine Frau aus dem Nordkreis, die wegen der aufgenommenen Ermittlungen der Polizei anonym bleiben möchte (Name ist der Redaktion bekannt), hatte im Kleinanzeigenteil eine Stellenanzeige gefunden: Dort suchte eine „Speditionsfirma“ neue Mitarbeiter für „leichte, hochbezahlte Heimarbeit“. Man benötige lediglich einen Computer, Scanner, Drucker und Internetzugang - alles war bei unserer Leserin vorhanden. Also nahm die 61-Jährige Kontakt per angegebener E-Mail-Adresse auf.

Kurz darauf meldete sich die Firma: Eine Spedition aus Luxemburg. Die recht professionelle Webseite machte einen seriösen Eindruck. Und auch das Anschreiben der Firma - selbst, wenn es nicht in bestem Deutsch formuliert war. Die Spedition suche „Mitarbeiter als Lageristen in Teilzeit“. Es gehe um eine Heimarbeit für 1886,67 Euro Brutto pro Monat - bei flexiblen Arbeitszeiten, die mit zwei bis drei Stunden pro Tag auch nebenbei möglich seien.

Die Aufgabe: Pakete, die zugesendet werden, mit neuen „Frachtpapieren“ ausstatten. Also die Pakete umetikettieren. Die Begründung der angeblichen Spedition: Man kaufe Ware billig ein und versende sie teurer weiter - „wir möchten nicht, dass die Lieferanten unsere Großkunden kennenlernen, in dem Fall können sie sich ohne uns verabreden und wir verlieren das Geld“.

Erstes Paket enthält Fahrrad-Ersatzteile

Die Frau aus dem Nordkreis war von der Möglichkeit, für 10 bis 20 Pakete im ersten Monat so viel Geld zu erhalten, begeistert, ließ sich den Arbeitsvertrag zusenden, schickte ihn mitsamt einer Personalausweis-Kopie zurück. Schon kurze Zeit später erhielt sie das erste Paket - von einem Fahrrad-Shop, gefüllt mit Ersatzteilen.

Mittlerweile war die Frau jedoch misstrauisch geworden: In Absprache mit ihrem Mann wandte sie sich an die Polizei. „Und die warnte uns sofort davor, das Paket wegzuschicken, sondern nach Marburg zu bringen und Anzeige zu erstatten“, so die Frau. Der große Schock: Würde sie das Paket verschicken, käme ein Verfahren wegen Geldwäsche auf sie zu.

Warum das so ist, erläutert Polizeisprecher Martin Ahlich: „Die Waren werden in der Regel mit rechtswidrig erworbenen Kreditkartendaten bestellt.“ Die so genannten „Paketagenten“ oder „Logistikmanager“ seien „damit die erste Anlaufadresse eventueller polizeilicher Ermittlungen“, so Ahlich. Würden diese die Ware mit den vom Arbeitgeber zugestellten Paketscheinen weiterleiten, „ist die Ware weg und bleibt unbezahlt. Damit verwirklicht der Paketagent den Tatbestand der Geldwäsche“, erläutert der Polizeisprecher. Bedeutet: Statt des versprochenen Lohns „gibt es unter Umständen drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe“, denn das ist der Strafrahmen der Geldwäsche.

Der Polizeisprecher weist darauf hin, dass bei Anzeigen - egal, ob gedruckt im Kleinanzeigenteil oder im Internet - immer Vorsicht gelten müsse. „Die Veröffentlichung über das Internet ist grundsätzlich jedem möglich, sodass selbst in renommierten Internet-Jobbörsen nicht immer von der Echtheit eines Angebotes ausgegangen werden kann“, sagt er. Die vorgegebenen Unternehmen seien meist nicht einmal Briefkastenadressen.

„Geschenkt gibt es heutzutage nichts“

Die Frau aus dem Nordkreis wähnte sich jedoch auf der sicheren Seite, sagt: „Auf eine Internet-Anzeige hätte ich gar nicht geantwortet.“ Jedoch habe die Internet-Seite der Spedition seriös gewirkt. Schließlich sei sie allerdings misstrauisch geworden, weil sie weiß: „Das Angebot war eigentlich ein Geschenk. Aber geschenkt gibt es heutzutage nichts.“

Damit hat sie genau richtig gehandelt. Denn laut Polizeisprecher Martin Ahlich gilt: „Unglaubwürdige Angebote mit hohen Renditen bei geringem Aufwand sind fast immer unseriös. Sie bergen die hohe Gefahr der eigenen straf- und vor allem zivilrechtlichen Verfolgung.“

Grundsätzlich könnten die Paketagenten für die entstandenen Schäden haftbar gemacht und zum Schadenersatz verpflichtet werden - und da häufig Elektronik-Artikel mit den gestohlenen Kreditkarten bestellt würden, könne der Schaden schnell in die Tausende gehen. Größte Vorsicht sei zudem bei fremdsprachigen oder in schlechtem Deutsch geschriebenen Angeboten per E-Mail geboten. Wer einen Job suche, solle sich laut Ahlich an das Arbeitsamt oder an bekannte inländische und ortsansässige Arbeitgeber wenden „und gleichzeitig Abstand von ausschließlichem Kontakt über das Internet nehmen“.

Der beste Schutz, nicht Opfer eines solchen Betruges zu werden, sei „ein gesundes Maß an Misstrauen und Vorsicht und das Sammeln von Informationen“, etwa über Internet-Suchmaschinen.

Beispiel soll als Warnung für andere dienen

Wer Daten online angebe, solle sich überlegen, wie viele Daten er angebe, wofür diese benötigt würden und „wie viel man dadurch von seinen persönlichen Verhältnissen preis gibt. Weiterhin ist zu bedenken, dass mittlerweile fast alle Wirtschaftsunternehmen europaweit soweit vernetzt sind, dass sie Niederlassungen in Deutschland haben und nicht auf Einzelpersonen als Logistik- oder Paketmanager zurückgreifen müssen“, gibt Ahlich zu bedenken.

Die 61-Jährige hat immer noch ein mulmiges Gefühl: Schließlich habe sie eine Kopie des Personalausweises an den mutmaßlichen Arbeitgeber geschickt. „Es ist doch wirklich sehr erschreckend, dass Arbeitssuche so ausgenutzt wird. Aber ich würde mich freuen, wenn durch meine Informationen andere Arbeitssuchende gewarnt werden“, sagt sie.

von Andreas Schmidt

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