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Statt Schadenersatz gibt‘s den „Monaco-Vergleich“

Gericht Statt Schadenersatz gibt‘s den „Monaco-Vergleich“

„Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ lautet ein Sprichwort. Das ist auch der Grundsatz des „Monaco-Vergleichs“, den eine Arbeitgeberin vor Gericht erzielte.

Anzefahr. Auf Schadenersatz hat eine Markthändlerin aus Anzefahr eine ehemalige Angestellte verklagt. Die Händlerin beschickt mehrere Märkte hessenweit, auf denen sie südländische Spezialitäten verkauft. Die Beklagte war von Oktober 2005 bis Februar 2013 bei der Frau beschäftigt - zunächst als Küchenhilfe, dann im Innendienst.

Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Geldkassetten der einzelnen Marktverkäufer bei deren Rückkehr entgegenzunehmen. Doch laut Klägerin kam es immer wieder zu Unregelmäßigkeiten: Es fehlte Geld, die Schadenssumme belief sich auf rund 5000 Euro. Also nahm die Klägerin Rücksprache mit der Polizei und präparierte Geldkassetten, um festzustellen, wohin das Geld verschwand.

Der Verdacht der Klägerin erhärtete sich: Bei der ersten präparierten Kassette fehlten 70 Euro, eine Woche später waren gleich 200 Euro weg. In der Folge stellte die Klägerin ihre Angestellte zur Rede. Diese gab nach einiger Zeit zu, dass sie immer wieder Geld unterschlagen habe. Sie unterschrieb ein Schuldanerkenntnis und vereinbarte eine Ratenzahlung in Höhe von 100 Euro monatlich.

Sie zahlte jedoch nur eine Rate und hat dann das Schuldanerkenntnis wegen arglistiger Täuschung angefochten. Die Begründung: Die Klägerin habe ihr versprochen, die Polizei nicht einzuschalten, nur deshalb habe sie überhaupt unterschrieben. Dieses Versprechen habe ihre ehemalige Chefin jedoch gebrochen.

Dagegen verwehrte die Markthändlerin sich: „Ich bin bereits im Vorfeld zur Polizei gegangen, denn ich wollte nichts falsch machen“, sagte sie. Mehrfach habe sie sich von den Beamten beraten lassen, auch über Videoaufnahmen sei gesprochen worden. Geeinigt hätte man sich auf die markierten Geldkassetten mit anschließendem Gespräch unter Zeugen. Sollte sie in dem Gespräch abstreiten, das Geld genommen zu haben, solle die Klägerin die Polizei anrufen, um eine Leibesvisitation vorzunehmen. „Und das habe ich der Mitarbeiterin auch gesagt“, so die Klägerin. Denn erst aufgrund der Polizei-Drohung habe sie das Geld herausgegeben. Die Polizei habe also von sich aus ermittelt.

Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle verdeutlichte: „Wir haben das Schuldanerkenntnis, das die Beklagte unterzeichnet hat. Das ist in der Welt und an dem geht kein Weg vorbei.“ Dann zu sagen, man habe „nur so unterschrieben ist doch ein wenig dürftig“, sagte Rühle. Die Erfolgsaussichten seien also recht gering.

Rühle schlug vor, die Klägerin könne einem so genannten „Monaco-Vergleich“ zustimmen: Die Beklagte verpflichte sich, die Gesamtsumme monatlich in Raten zu zahlen. Und wenn sie 2500 Euro abbezahlt habe, werde ihr der Rest erlassen. Er begründete den Vorschlag gegenüber der Klägerin: „Seien Sie froh, wenn Sie überhaupt Geld bekommen.“ Denn ansonsten habe die Frau zwar einen vollstreckbaren Titel, den sie aber gegebenenfalls nicht einlösen könne.

Diesem Vorschlag stimmten beide Seiten zu.

von Andreas Schmidt

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