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Statt Mitarbeitern braucht es Mitdenker

Impulsmesse „Nowa Start“ Statt Mitarbeitern braucht es Mitdenker

Mit Veränderung kennt sich Boris Grundl aus – er schaffte es, nach einem Unfall mit Querschnittslähmung aus dem Bezug von Sozialhilfe sich selbst aus dem Sumpf zu ziehen und zum gefeierten Referenten und Autor zu werden.

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Boris Grundl referierte bei der „Nowa Start“ rund um das Thema Wandel.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Rund 500 Besucher waren zur Impulsmesse „Nowa Start“ der Wirtschaftsförderung des Landkreises ins Cineplex gekommen, um sich vom Vortrag „Magie des Wandels – wie Veränderungsprozesse erfolgreich werden“ des Führungskräfte-Coachs inspirieren zu lassen.

„Veränderungen finden wir alle als Teil unseres Lebens ebenso wieder, wie auch als einen Aspekt unternehmerischer Herausforderung“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. „Es sind die Unternehmerinnen und Unternehmer in unserem Landkreis, die mit der Gründung von Projekten auch Risiken eingehen und damit ­aktiv Veränderungen angehen“, betonte Zachow den Einsatz insbesondere von Firmengründern und verwies darauf, dass es allein im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 1329 neue Gewerbeanmeldungen gegeben habe.

„Wer bei solch einem Wetter hier reinkommt, dem unterstelle ich eine gewisse Neugierde und einen gewissen Ehrgeiz“, sagte Boris Grundl. Doch die Besucher profitierten auch davon, dass der Kinosaal extrem heruntergekühlt war – denn aufgrund seiner Erkrankung verträgt der Referent keine hohen Temperaturen.

Anderes Denken führt 
zu anderem Handeln

Es war im Sommer 1990, als der 25 Jahre alte Sportstudent und Spitzensportler – immerhin unter den Top-100-Tennisspielern Deutschlands – auf einer Klippe in Mexiko stand und 13 Meter tief ins Wasser sprang. Grundl hatte keine Körperspannung, deshalb verschob sich sein siebter Halswirbel – mit der Folge, dass er seither zu 90 Prozent querschnittsgelähmt ist.

Drei Jahre lang war er Sozial­hilfeempfänger, heute hat er sechs Bücher geschrieben, ist gefragter Redner und ist Inhaber einer Führungskräfte-Akademie. Er entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum Marketing- und Vertriebs­direktor in einem europäischen Groß­konzern und trainiert heute Führungskräfte. Auch sportlich war Grundl wieder erfolgreich – bereits sieben Jahre nach dem Unfall wurde er Deutscher Meister im Rollstuhltennis und nahm als Rollstuhlrugby-Spieler an den Paralympics in Sydney teil.

Wie Wandel funktioniert, weiß er also. Er hat ihn „durch ein anderes Denken“ geschafft, wie er verdeutlicht. „Aus anderem Denken entsteht eine andere Handlung – so erzielt man Ergebnisse“, sagt er. Und diese entstünden, wenn man sich auf die eigenen Stärken konzentriere. „Man muss sich auch seiner Schwäche bewusst sein – und für diese Lösungen haben, zum Beispiel andere Menschen, die dort ihre Stärke besitzen. Das ist clever.“

Die Zukunft liege in flacheren Hierarchien. Doch dazu müssten die Chefs Macht abgeben – das wolle niemand. Doch aufgrund von zunehmendem Tempo, Transparenz und Komplexität sei es nötig, Macht abzugeben.

Zeiten des hierarchischen Denkens sind vorbei

„Früher brauchten wir Mitarbeiter, heute brauchen wir Mitdenker“, bekräftigte Boris Grundl. Immanent sei es, nicht mehr zu arbeiten, um mehr zu erreichen – sondern die Wirkung zu erhöhen.

Dazu brauche es eine solide Personalentwicklung. „Denn das Gleiche zu tun und bessere Ergebnisse zu erwarten, ist eine Definition von Dummheit“, ist sich Grundl sicher. Er mahnte, dass auch Chefs durchaus offen für Führung durch die Mitarbeiter sein sollten, denn so könnten sie auch selbst besser werden. „Das Denken von oben nach unten in der Hierarchie ist vorbei. Sie müssen nur mutig sein.“
Führungskräfte müssten ihr Handeln bis hin zur „unbewussten Kompetenz“ üben, Ereignisse selbst interpretieren lernen und weniger kennen und dafür mehr können.

„Ich bin zu 90 Prozent gelähmt, was glauben Sie habe ich im Fokus – den Teil, der nicht mehr funktioniert oder die Möglichkeiten der restlichen zehn Prozent?“, ermahnte Grundl das Publikum, den Blick auf das Wesentliche und Verfügbare zu lenken und so die Veränderung anzugehen, die man für sich selbst wünscht.

von Andreas Schmidt

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