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Stadtwerke testen Mieterstromprojekt

Photovoltaik Stadtwerke testen Mieterstromprojekt

Die Stadtwerke Marburg bieten nun ein „Mieterstromprojekt“ an: Sie pachten Dachflächen, um darauf Photovoltaik-Anlagen zu errichten - und die Bewohner können vom Strom profitieren.

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Symbolischer Handschlag für das Pilotprojekt: Heiko Hampl, Vorsitzender des TV Marburg (links) und Stadtwerke-Vertriebsleiter Holger Armbrüster vor der Halle des Vereins.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren spricht von einer „Win-win-Situation: Unsere Kunden können den vor Ort erzeugten Strom zu günstigen Konditionen beziehen, wir zahlen ihnen eine Pacht dafür, dass wir die Anlage auf ihrem Dach errichten dürfen und gemeinsam senken wir den CO2-Verbrauch in Marburg weiter“. Dies sei ein weiteres Projekt, die Energiewende vor Ort zu verwirklichen.

Um das Projekt voranzutreiben und erste Erfahrungen zu sammeln, haben die Stadtwerke Marburg mit dem Tennisverein 1965 Marburg einen Partner gefunden: Im Juli haben die Stadtwerke auf dem Dach der Tennishalle des Vereins Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von rund 60 Kilowatt peak installiert. Die Kosten für die Anlage haben die Stadtwerke übernommen, zudem zahlen sie dem Verein noch eine Pacht für die Nutzung der Dachfläche.

„Für uns ist das ein ganz wichtiges Pilotprojekt und der Einstieg in ein neues Geschäftsfeld“, erläutert Stadtwerke-Vertriebsleiter Holger Armbrüster. Man habe natürlich schon vorher Photovoltaik-Anlagen aufgebaut. „Doch durch die neuen Regulierungen im EEG wird es attraktiv, dass wir die PV-Anlagen dafür nutzen, dass der Kunde auch den Strom abnehmen kann“, sagt er.

Anlage spart pro Jahr rund 30.000 Kilogramm CO2 ein

Die Photovoltaik-Anlage soll im Jahr einen Ertrag von rund 51.000 Kilowattstunden Strom produzieren, „der Verbrauch des Vereins liegt in etwa der gleichen Größenordnung“, sagt Armbrüster. Allerdings werde der TV Marburg nur etwa 50 Prozent des produzierten Stroms selbst nutzen können - denn nicht immer, wenn die Sonne scheint, ist auch Strombedarf vorhanden.

„Die Intelligenz steckt in der Messtechnik“, sagt der Vertriebsleiter. Denn zum einen müsse der Verbrauch zwischen PV-Anlage und Verein gemessen werden, zum anderen muss auch der Verbrauch gemessen werden, den der TV aus dem Stromnetz bezieht. „Und zum Dritten speist die Anlage in Zeiten, in denen der Verein keinen Verbrauch hat, Strom ins Netz ein - auch das muss erfasst und verrechnet werden“. Durch die Anlage werde der TV Marburg pro Jahr rund 30.000 Kilogramm CO2 einsparen.

Von den Erfahrungen, die die Stadtwerke mit dem Projekt sammeln, wollen sie Erkenntnisse gewinnen, um dann den nächsten Schritt zu tun: „Wir möchten diese Idee zukünftig gerne als Mieterstrommodell auf Mehrparteienhäuser anwenden“. Dort würde dann jede einzelne Wohnung gemessen und könne vom vergünstigten, auf dem eigenen Dach erzeugten Strom profitieren. „Aber auch weitere Vereine oder Unternehmen können von diesem Angebot profitieren“, führt Armbrüster aus. Vor allem Wohnungsbaugesellschaften wären interessant, „es laufen auch schon Gespräche“, sagt der Vertriebsleiter.

Pacht soll in moderne Hallenbeleuchtung fließen

Bei den Verantwortlichen des Tennisvereins kommt das Mieterstromprojekt sehr gut an. „Wir haben die passende Fläche auf unserer Tennishalle. Mit dem neuen Projekt der Stadtwerke können wir das Dach nun endlich nutzen, ohne Geld investieren zu müssen oder gar ein Risiko einzugehen“, sagt der Vorsitzende Heiko Hampl.

Mit dem Gedanken, ein solches Projekt umzusetzen, habe man sich im Verein schon länger beschäftigt, es habe auch bereits eine Anfrage eines Dienstleisters von außerhalb gegeben. Doch für den TV Marburg sei es wichtig gewesen, eine Lösung vor Ort zu finden. „Die jetzige Lösung ist für uns als Verein gut und auch für die Gastronomie im Vereinsheim, die einen großen Zulauf hat“, so Hampl.

Die Pacht für die 20-jährige Nutzung der Dachfläche haben die Stadtwerke dem Sportverein als Einmalzahlung ausgezahlt. Hampl erläutert: „Damit werden wir entweder unsere ­Heizungsanlage modernisieren oder die Hallenbeleuchtung gegen LED-Strahler austauschen. Denn so lässt sich noch einiges an Strom sparen - das Potenzial wäre besonders hoch.“

von Andreas Schmidt

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