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Stadtwerke legen Investitionen auf Eis

Gabriels Energiewende-Pläne führen Unsicherheit Stadtwerke legen Investitionen auf Eis

Infolge der neuen EEG-Pläne der Bundesregierung überprüfen die Stadtwerke bereits geplante Energie-Projekte im Landkreis.

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Geplante Windkraft-Anlagen im Landkreis unterliegen nun einer neuen Überprüfung.Foto: Jan Woitas

Quelle: Jan Woitas

Marburg. Jüngst hatte der Bundeswirtschaft- und Energieminister, Sigmar Gabriel (SPD), seine Vorschläge zur Energiewende verkündet. Demnach soll unter anderem die Einspeisevergütung für erneuerbare Energien auf etwa 12 Cent pro Kilowattstunde beschränkt werden. Bisher wird für Energie aus Windrädern, Solaranlagen, Biomasse oder Geothermie eine feste Vergütung von durchschnittlich 17 Cent pro Kilowattstunde über einen Zeitraum von 20 Jahren bezahlt.

„Dass eine Reform erfolgt, schien allen Fachleuten seit einigen Jahren geboten“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren. Insofern sieht er es positiv, dass „an das Problem herangegangen wird“. Seit Jahren gebe es sinkende Preise an der Strombörse, der Verbraucher-Preis sei jedoch weiterhin gestiegen. „Der Druck, etwas zu ändern, ist daher groß“, so Schüren. Mit den neuen Plänen solle nun schließlich „die Marktintegration der Preisentwicklung erreicht werden“.

Problematisch wird es aus Sicht der Stadtwerke jedoch aus betriebswirtschaftlicher Perspektive heraus. Unter anderem durch die festen Vergütungssätze habe es in der Vergangenheit eine Planbarkeit gegeben, die durch die nun angedachten Regelungen zur Einspeisevergütung nicht mehr gegeben wären, erläutert Dipl.-Ing. Rainer Kühne, ebenfalls Geschäftsführer bei den Stadtwerken.

So könne etwa der geplante Windpark am Wollenberg frühestens im Jahr 2015 in Betrieb gehen und fiele dementsprechend unter die neue Regelung. Erneuerbare Energieträger müssten sich dann, „in Konkurrenz zu Kohle oder anderen klassischen Erzeugern, parallel etablieren“.

„Null Planungssicherheit“

Unter diesem Wettbewerb leide jedoch die Wirtschaftlichkeit, denn „wir müssen unsere Leistung dann an die Strompreisbörse stellen“, so Kühne. Der dortige Preis sei aber kaum langfristig zu prognostizieren, sodass ein Investor „null Planungssicherheit“ habe.

Die Geschwindigkeit bei der Energiewende werde somit möglicherweise „eingebremst“ und eine Konzentration auf weniger Anbieter sei zu befürchten, da kleinere Investoren ohne feste Bedingungen kein Risiko eingehen könnten. Auch bei den Stadtwerken stehen bis zum endgültigen Beschluss eines neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) keine Investitionen an. Kleinere Projekte würden zwar weiter vorangetrieben, „Millioneninvestitionen wird es aber ohne Kenntnis über die endgültigen Bestimmungen nicht geben“, sagt Schüren.

So planen die Stadtwerke neben dem Windpark am Wollenberg vier weitere Windkraft-Anlagen am Lichten Küppel, zwei Wasserkraft-Anlagen in der Marburger Kernstadt und in Wehrda, ein Bioerdgas-Blockheizkraftwerk am Ortenberg sowie kleinere Photovoltaik-Anlagen. Diese stünden nun alle vorerst auf dem Prüfstand.

„An dem Strompreis für die Kunden muss etwas reguliert werden“, findet Schüren. „Und wir sprechen uns auch nicht gegen mehr Wirtschaftlichkeit aus, auch wenn es dann für uns schwieriger wird.“ Dennoch stelle sich die Frage, warum „ausgerechnet die zukunftsträchtigste Energie, also die Onshore-Windkraft, so stark belastet wird“. Der maximale Zubau von Windenergie wird zudem bei 2,5 Gigawatt pro Jahr gedeckelt.

Insgesamt, so Schüren, sei man „weiterhin überzeugt von dezentraler Energieproduktion“ und führe daher kostentechnisch günstigere Dinge wie Planung und rechtliche Fragen für die Projekte weiter. Nach der guten Entwicklung des Energiemarktes in den letzten Jahren müsse man nun aber zusehen, „dass man sich nicht zu Tode siegt“. Es gelte nun abzuwarten, was bei den Verhandlungen im Bundestag und Bundesrat letztendlich herauskomme.

Positiver sehen die Stadtwerke hingegen die Pläne zum sogenannten „Energie-Soli“, nachdem Firmen, die ihren Strom selbst produzieren mit einem Cent pro Kilowattstunde an der EEG-Umlage beteiligt werden sollen. Laut Schüren sei es „schon diskussionswürdig, wenn bisher alles auf kleine Betriebe und Privatkunden umgelegt wird“. Die Umfänge der Befreiung von der Umlage seien „nicht mehr nachvollziehbar“.Infolge der neuen EEG-Pläne der Bundesregierung überprüfen die Stadtwerke bereits geplante Energie-Projekte im Landkreis.

von Peter Gassner

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