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Stadtwerke drehen an Preisschraube

Strom teurer, Gas günstiger Stadtwerke drehen an Preisschraube

Während – wie im Bundestrend – die Gaspreise bei den Stadtwerken Marburg sinken, steigt der Strompreis: Vor allem bei den Grundgebühren gibt es Erhöhungen von bis zu 60 Prozent.

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Das Entgelt für Strom steigt moderat, der Grundpreis erhöht sich jedoch deutlich. Gaskunden müssen weniger zahlen.

Quelle: Gabi Schoenemann, Claudia Hautumm (beide: pixelio)

Marburg. In den vergangenen Tagen bekamen die Kunden der Marburger Stadtwerke Post: Darin weist der kommunale Versorger auf aktuelle Preisanpassungen hin. Demnach steigen die Strompreise ab dem kommenden Jahr moderat zwischen 0,08 und 4,51 Prozent an.

Die Gaskunden der Stadtwerke können sich sogar über sinkende Gaspreise freuen: Der Arbeitspreis für einen Kubikmeter Gas sinkt – je nach Tarif – zwischen 3,26 und 4,06 Prozent. Damit folgt auch der kommunale Versorger dem Bundestrend. Denn wie die Presseagentur dpa Anfang der Woche berichtete, sind die Gaspreise in Deutschland derzeit so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr – und sinken weiter.

Das hat eine Auswertung des Internet-Portals Verivox ergeben. Danach muss ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden gegenwärtig im bundesweiten Durchschnitt 1180 Euro pro Jahr für seine Gasversorgung bezahlen. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Dezember 2005 erreicht mit durchschnittlichen jährlichen Kosten von 1156 Euro. Danach kletterten die Gaspreise bis auf ein Rekordhoch von 1619 Euro im Dezember 2008.

Stadtwerke konnten 
Gas günstiger einkaufen

Auch im kommenden Jahr würden die Gaspreise weiter sinken, denn die Versorger hätten mehr Spielraum, sinkende Beschaffungskosten an die Kunden weiterzugeben. An den Spotmärkten auf dem europäischen Festland hätten sich die Preise in den vergangenen beiden Jahren fast halbiert. So werden Kunden der Stadtwerke im kommenden Jahr beispielsweise im Tarif „Erdgas Premium maxi“ bei 20.000 Kilowattstunden 1086 Euro zahlen, derzeit werden dafür noch 1132 Euro fällig – eine Ersparnis von 46 Euro im Jahr.

„Beim Gas gehen wir mit der Marktentwicklung und geben das, was wir besser eingekauft haben, an die Kunden weiter“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren. „Es handelt sich zwar nur um rund 0,2 Prozent je Kilowattstunde. Aber aufs Jahr gerechnet ist das doch schon eine deutliche Ersparnis“, betont er. „Die Ersparnis beim Gas ist also leicht größer als die Verteuerung beim Strom“, so der Stadtwerke-Chef.

Der Strompreis wird dementsprechend nur leicht angehoben – zumindest, was den Preis je Kilowattstunde, also den Arbeitspreis, betrifft. Beim Grundpreis drehen die Stadtwerke jedoch recht deutlich an der Preisschraube – und zwar unterschiedlich stark. So steigt dieser beispielsweise in der Grundversorgung und dem Tarif „Premium mini“ jeweils von 6,19 Euro auf 8,15 Euro – ein Plus von 1,96 Euro oder 31,66 Prozent. Das macht im Jahr 23,52 Euro aus.

Energieversorger hat auf Gebühren keinen Einfluss

Gravierender fällt die Erhöhung jedoch im Tarif „Premium Naspo“ aus, der für die Nutzer von Heizenergie gedacht ist: Dort steigt die Grundgebühr von 5,08 Euro auf 8,15 Euro – ein sattes Plus von 60,43 Prozent oder 36,84 Euro im Jahr.

Schüren erläutert: „Wir erhöhen bei den Strompreisen vor allem in den Gruppen mit großem Verbrauch, und das recht moderat. Und mit der Erhöhung der Grundgebühr geben wir vor allem gestiegene Umlagen weiter.“ Man liege mit den Gebühren jedoch weiterhin „deutlich unter den Vergleichsgrößen um uns herum. Wir sind, was die Grundpreise angeht, traditionell sehr tief – deswegen haben wir dort allenfalls einen höheren Nachholbedarf“, sagt er.

In dem Schreiben der Stadtwerke an die Kunden heißt es, dass die Stadtwerke mit der Erhöhung des Grundpreises gezwungenermaßen der Tatsache Rechnung tragen, „dass sich mehrere Preisbestandteile wie etwa der Grundpreis für das Netz deutlich erhöhen“.

Schüren erläutert, dass sich sowohl EEG-Umlage als auch die Umlage für Kraft-Wärme-Kopplung ebenso erhöht hätten wie weitere Preise, „auf die die Stadtwerke keinen Einfluss haben“. Man gebe „im Wesentlichen nur das weiter, was uns von außen aufgezwungen wird“, verdeutlicht Norbert Schüren. Er wolle nicht ausschließen, „dass es vielleicht eine Rundungsdifferenz gibt, aber es ist nicht so, dass wir uns an der Grundgebühr bereichern wollen“.

von Andreas Schmidt

 
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