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Stadtallendorfer vermisst seine Briefe

Kritik an Aushilfs-Zusteller Stadtallendorfer vermisst seine Briefe

Der Stadtallendorfer 
Peter Wawerek ist sauer: 
Obwohl er weiß, dass Post an ihn unterwegs ist, bleibt sein Briefkasten häufig leer. Die Post arbeite mit zu vielen Aushilfen, vermutet der Rentner.

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Peter Wawerek kontrolliert seinen Briefkasten in Stadtallendorf – der bleibt laut seinen Angaben häufig leer. Die Post stelle ihm Briefe nur sehr unregelmäßig oder gar nicht zu.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. Angefangen hat alles mit einer zweiten Mahnung – durch sie wurde bei Peter Wawerek der Verdacht erweckt, „dass hier irgendwas nicht stimmt“, wie der 69-Jährige im Gespräch mit der OP erzählt. Er habe von einer heimischen Firma Fenster austauschen lassen, „und als die Rechnung über gut 11 000 Euro kam, habe ich sie direkt bezahlt“.

Doch dann kam es zu einem Missgeschick, eine Scheibe ging zu Bruch. Die Firma rückte wieder an, tauschte die Scheibe für rund 140 Euro. „Eine Rechnung kam jedoch nicht“, sagt der Rentner. Gedacht habe er sich dabei zunächst nichts, „denn die hatten viel zu tun“, weiß er.

Wochen später dann das böse Erwachen: „Ich bekam am 3. Juni die zweite Mahnung – dabei hatte ich vorher weder Rechnung noch erste Mahnung erhalten“, sagt Wawerek. Er forschte nach, wie das sein könnte, rief auch bei dem Unternehmen an. „Bei denen war der Ausgang der Schreiben dokumentiert. Zum Glück haben sie mir aufgrund des vorherigen Großauftrags geglaubt, dass die 140 Euro kein Problem sind, sonst hätte ich blöd dagestanden.“ Wawerek bezahlte die Rechnung, die Mahngebühren blieben ihm durch seine Erklärungen erspart. Doch dass die Post nicht ankam, das wunderte ihn schon.

Rentner fährt 
dem Zusteller nach

Vor einigen Wochen ein weiteres Malheur: Im Hause Wawerek riss ein Rollladengurt – also beauftragte der Stadtallendorfer erneut das heimische Unternehmen. „Diesmal habe ich direkt nachgefragt, wann sie die Rechnung schicken“, sagt er. Am 2. Oktober war die Rechnung losgeschickt worden – ein Freitag. Wawerek wartete zunächst einige Tage – die Rechnung blieb jedoch aus.

„Also habe ich bei der Firma nachgefragt – die versicherten mir, die Rechnung losgeschickt zu haben.“ Doch sein Briefkasten blieb leer. Also fuhr Peter Wawerek dem Austräger hinterher, „der war nämlich kurz vorher in unserer Straße gewesen“. Doch der Zusteller verneinte, einen Brief für ihn zu haben. Der Rentner blieb jedoch hartnäckig. „Da hat er gesagt, er schaue nochmal im Auto nach. Und als er es geöffnet hat, dachte ich, mich trifft der Schlag. Die Pakete lagen kreuz und quer, und darunter waren noch vier große Postkisten, in denen der Austräger nach meinem Brief gesucht hat“, sagt Wawerek.

von Andreas Schmidt

In der ersten Kiste war noch nichts – allerdings sei der Zusteller in der zweiten Kiste fündig geworden. Die Post stamme noch „von den vorherigen Tagen“, er habe die Anweisung bekommen, „zunächst die Pakete und die neueste Post zuzustellen, den Rest dann abzuarbeiten“, erzählt Wawerek. Insgesamt drei Briefe und einen Katalog für den Stadtallendorfer seien in der Kiste aufgetaucht – darunter ein wichtiger Brief von der Bank, der auf den 1. Oktober datiert war. Und die vermisste Rechnung.

Doch Wawerek vermisst noch mehr Post: So zum Beispiel die letzten beiden Gehaltsabrechnungen seiner Frau. „Auch dort hat der Arbeitgeber gesagt, dass die Post rausgegangen ist.“ Peter Wawerek wollte sich beschweren, ging zur Filiale in der Bahnhofstraße. Dort erhielt er allerdings nur die Auskunft, „dass man das Problem im Auge behalten“ wolle – das stellt ihn jedoch nicht zufrieden.

Und er befürchtet auch Nachteile. „Wenn ich die zweite Mahnung auch nicht bekommen hätte und es zur Zwangsvollstreckung gekommen wäre, hätte ich einen negativen Eintrag bei der Schufa bekommen – der wäre mir erhalten geblieben“, sagt er.

Post entschuldigt 
sich für den Fehler

Post-Pressesprecher Thomas Kutsch stellt auf Anfrage der OP zunächst klar, dass es eine solche Order, zunächst die tagesaktuelle Post sowie Pakete auszuliefern, definitiv nicht gebe. „Das, was an Post da ist, wird zugestellt – außer, wenn der Zusteller nach 10 Stunden und 45 Minuten nicht fertig geworden ist.“ Dann müsse er – nach dem Arbeitsschutzgesetz – abbrechen. „Aber in der Zeit gab es in dem Gebiet keine Abbrüche“, so Kutsch.

In dem Zustellgebiet in Stadtallendorf seien vermehrt Aushilfskräfte eingesetzt worden, da „ein Stammzusteller krankheitsbedingt für eine längere Zeit ausgefallen ist“. Aus diesem Grund sei es offenbar zu den Fehlern gekommen, für die er sich bei dem Kunden entschuldige. „Allerdings ist es während dieser Zeit zu keinen weiteren großen Beschwerden gekommen, aufgrund derer wir sagen müssten, die Aushilfen hätten ihre Arbeit nicht vernünftig gemacht“, sagt Kutsch.

Würden mehrere Reklamationen in einem Zustellbezirk zusammenkommen, steuere das Unternehmen nach, indem man den Kollegen zu einer qualitativ noch besseren Arbeit anhalte. Und auch die Qualitätskontrolle würde dann eingreifen. „Aber es gilt die Binsenweisheit: Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wenn einer sein Metier noch nicht so gut beherrscht, wie der Stammzusteller, der erkrankt ist, muss man eingestehen, dass bei einer Sendungsmenge von 1000 bis 1500 Sendungen auch einmal Fehler geschehen“, sagt Kutsch.

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