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Stadtallendorf an der Schulden-Spitze

Analyse der Creditreform Stadtallendorf an der Schulden-Spitze

In der Gemeinde Weimar leben die wenigsten überschuldeten Personen. In Stadtallendorf und Neustadt sind besonders viele Menschen pleite – so die Statistik für den Kreis.

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Laut des Unternehmens Creditreform sind im Landkreis weniger Menschen überschuldet als im Bundes- und Landesschnitt.

Quelle: Pixabay

Marburg. Die Creditreform Gießen hat die Verschuldungssituation in der Region Marburg sowie den Landkreisen Lahn-Dill und Gießen untersucht. Im Ergebnis liegen alle unterhalb des gesamtdeutschen Durchschnitts. Doch es gibt einige negative Ausreißer im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Im November hat der Verband Creditreform den „SchuldnerAtlas Deutschland 2016“ vorgestellt. Für ganz Deutschland wurde eine Schuldnerquote von 10,06 Prozent gemessen. Damit sind rund 6,8 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet. In Hessen ist die Zahl mit 10,07 Prozent ähnlich. Diese Zahlen nahm die Creditreform Gießen zum Anlass, um die Situation in dem ihr betreuten Gebiet in Mittelhessen, zu dem auch der Kreis Marburg – ohne die Kommunen Biedenkopf, Angelburg, Steffenberg, Breidenbach und Dautphetal – gehört, genauer zu untersuchen, erklärt Jan-Frieder Hain, Geschäftsführer der Creditreform Gießen.

Mit einem Wert von 8,16 Prozent steht der Landkreis Marburg-Biedenkopf (ohne die genannten Kommunen im Hinterland) deutlich besser da als der Landkreis Gießen mit glatt neun und der Lahn-Dill-Kreis mit einer Überschuldungsquote von 9,53 Prozent. Die Situation im Landkreis Marburg-Biedenkopf verschlechterte sich im Vergleich zu 2015 mit einer Zunahme der Schuldnerquote um 0,03 Prozentpunkte dabei nur unwesentlich. „Überschuldung heißt in diesem Zusammenhang, dass eine Person ihre fälligen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhalts weder Vermögen noch Kredite zur Verfügung stehen.

Werte bleiben in der
 Stadt Marburg stabil

Im direkten Vergleich der drei größten Städte im von der Creditreform Gießen betreuten Gebiet Mittelhessen ist die Situation in Marburg mit einer Überschuldungsquote von 7,42 Prozent deutlich besser als in Gießen (10,48 Prozent) und Wetzlar (12,53 Prozent). Auch wenn die Werte innerhalb von Marburg verhältnismäßig gering ausfallen, ragt der „Spitzenreiter“, die Kernstadt Ost (Postleitzahlengebiet 35039), mit einer Überschuldungsquote von 9,03 Prozent ein wenig heraus. Dahinter folgen die Postleitzahlengebiete 35043 (Außenstadtteile Ost und Süd), 35037 (Kernstadt West) und 35041 (Außenstadtteil West) mit verhältnismäßig niedrigen Werten zwischen 6,47 und 6,68 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Daten für die Stadt Marburg nur minimal verändert. Im Zeitraum zwischen 2004 und 2016 sieht es ähnlich aus. So haben sich die Überschuldungsquoten aller vier Postleitzahlengebiete im gleichen Zeitraum nur zwischen 0,23 und 0,68 Prozentpunkte erhöht. In der Gemeinde Weimar leben mit einer Quote von 5,46 Prozent die wenigsten überschuldeten Personen, wie die Zahlen der Creditreform belegen.

Auch in Ebsdorfergrund (6,00 Prozent), Wohratal (6,51 Prozent) und Fronhausen (6,57 Prozent) gibt es verhältnismäßig wenige Schuldner. Unrühmlicher „Spitzenreiter“ mit einer Schuldnerquote von 10,2 Prozent ist auf der anderen Seite Stadtallendorf. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Neustadt mit 9,72 Prozent und Wetter mit 9,55 Prozent.

Größter Schuldenzuwachs in Neustadt

Am deutlichsten zugenommen hat die Verschuldungsquote zwischen 2015 und 2016 mit 0,41 Prozentpunkten in Neustadt. Dort ist seit 2004 sogar ein Anstieg von insgesamt 2,76 Prozentpunkten zu verzeichnen – mit großem Abstand der Spitzenwert. In Biedenkopf beträgt die Schuldnerquote fast zehn Prozent, teilte die Creditreform Siegen mit. Dautphetal liegt bei 8,14 Prozent. Besonders stark nachgelassen hat die Schuldnerquote im Vergleich zum Vorjahr in Ebsdorfergrund – um 0,52 Prozent.

Statistisch gesehen sind überdurchschnittlich häufig Männer im Alter zwischen 30 und 59 Jahren verschuldet. Den Höchstwert erreichen dabei Männer in der Stadt Marburg zwischen 30 und 39 Jahren mit einer Quote von 13,52 Prozent. Bei den Frauen in Marburg befinden sich die meisten Überschuldeten im gleichen Alter. Hier liegt die Quote bei den 30- bis 39-Jährigen bei 7,28 Prozent. Konkret bedeutet das: In dieser Altersgruppe ist mehr als jeder achte Marburger und jede 14. Einwohnerin der Stadt überschuldet.

Einen der Hauptgründe, in eine solche Situation zu kommen, sieht Hain in den sogenannten „prekären Beschäftigungsverhältnissen“. Sie ließen zwar die Arbeitslosenquote sinken, doch reichten die erzielten Einkünfte in der Regel nicht aus, um einer Überschuldungssituation zu entkommen. Besonders im Alter nehme die Überschuldung stark zu. So betrage der Zuwachs bundesweit seit 2013 in der Gruppe der über 70-Jährigen 57,7 Prozent.

von Anna Ntemiris

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