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„Spreu wird sich vom Weizen trennen“

Finanzdienstleister MLP „Spreu wird sich vom Weizen trennen“

Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender des Finanzdienstleisters MLP, besuchte die MLP-Geschäftsstelle in Wehrda. Mit der OP sprach er über die Entwicklung des Unternehmens und die Besonderheiten des Markts.

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Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP, im Gespräch mit der OP.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Entscheidend für MLP sind die Hochschulstandorte. Denn die Akademiker stehen bei dem Finanzdienstleister im Mittelpunkt. „Die Idee ist so angelegt, sich auf bestimmte Berufsgruppen zu konzentrieren. Denn das entspricht unserem Grundverständnis, dass Beratung nur dann wirklich gut gemacht werden kann, wenn man die Kunden sehr gut versteht“, sagt Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP.

Man benötige ein entsprechendes Wissen, um die Situation des Kunden richtig einschätzen und ihn umfassend beraten zu können. Das sehe man in Marburg etwa sehr deutlich am Beispiel der Mediziner: Das berufliche Umfeld und die private Sphäre würden bei Beratungen ebenso einbezogen wie auch die Strategien: „Was ist richtig? Gehe ich in die Anstellung? Wähle ich eine Niederlassung? Und welche Form einer Niederlassung ist heute noch zeitgemäß? Das sind alles große Fragen, die zu unserem Beratungs- und Gesprächsangebot dazugehören“, so Schroeder-Wildberg.

Mit diesem Konzept fährt MLP offenbar gut: Laut den Geschäftszahlen, die das Unternehmen bekanntgab, konnte MLP die Gesamterlöse im vergangenen Jahr von 499 Millionen Euro auf 531,1 Millionen Euro steigern, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg auf 39 Millionen Euro – im Vorjahr hatte es noch bei 30,7 Millionen Euro gelegen.

Ursprünglich „andere Zielsetzungen“

„Das letzte Jahr lief versöhnlich – weil wir die Umsätze gesteigert haben. Auch haben wir Marktanteile gewonnen, unter anderem im Bereich der Altersvorsorge. Das sind alles wichtige Signale in die richtige Richtung“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende.

Das avisierte Ziel von mindestens 50 Millionen Euro hat MLP allerdings verpasst. Man habe ursprünglich „andere Zielsetzungen“ gehabt, gibt Schroeder-Wildberg zu. Man habe mit Ergebnisbandbreiten operiert, die ursprünglich auf bestimmte Umfeldbedingungen zugeschnitten gewesen seien – „etwa darauf, wie schnell sich das Marktumfeld erholt.

Vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Euro oder um die Lebensversicherung, die auf dem Markt lasten, war dieses Ziel nicht zu erreichen. Aber ,versöhnlich‘ bringt es zum Ausdruck. In diesen Zeiten zu wachsen ist ja erst Mal ein starkes Zeichen“, konstatiert der Vorstandsvorsitzende.

So habe sich der Mix der Erlöse deutlich verändert: 2005 seien noch rund 80 Prozent im Bereich Altersvorsorge entstanden – heute lägen diese bei 50 Prozent, 30 Prozent stammten indes aus dem Vermögensmanagement. „Hier hat eine deutliche Verbreiterung stattgefunden, was bedeutet, dass sich die Erlösqualität weiterentwickelt hat und das Unternehmen damit noch fester steht.“

Lebensstandard langfristig absichern

Das Umfeld im Zeichen von schwachem Euro und Niedrigzins-Politik rufe geradezu nach der Dienstleistung von MLP. „Zunächst einmal gibt es bei unseren Kunden viele Fragen. Wir verstehen uns als Gesprächspartner für alle Fragen rund um Vermögen, Altersvorsorge und Absicherung – das ist ein anderer Ansatz als beispielsweise bei einem Banker, der nur die Geldanlage oder eine Finanzierung im Blick hat“, verdeutlicht Schroeder-Wildberg.

Man schaue daher anders auf die Märkte – etwa auch bei der Absicherung von lebenslangem Konsumbedarf bei einer älter werdenden Bevölkerung, die mittlerweile ein entscheidendes Thema sei. „Wie kann ich zum Beispiel langfristig meinen Lebensstandard absichern.“ Aktuelle Studien würden zeigen, dass die meisten Deutschen ihre Lebenserwartung deutlich unterschätzten – um bis zu acht Jahre.

Und: Viele Bundesbürger wüssten gar nicht, wie viel Rente sie später bekämen. „Gleichzeitig haben sie aber Erwartungen, wie der Ruhestand später ausschauen soll – mit mindestens 70 Prozent des heutigen Einkommens. Oder gar 100 Prozent, um den Ruhestand zu genießen, der ja dann auch nochmal 30 Jahre dauert“, verdeutlicht der Vorstandsvorsitzende.

Daher spielten die Vorstellungen des Kunden eine entscheidende Rolle – „um ihm seine Optionen darzustellen, sodass er die jeweils passende Lösung selbst auswählen kann“. Dieser differenzierte Blick zahle sich aus. Denn der Vorsorgemarkt sei im vergangenen Jahr um 5 Prozent gewachsen, MLP in diesem Bereich jedoch um 14 Prozent.

Nähe zum Kunden mit entscheidend

Die Neuregelung des Lebensversicherungsgesetzes zum 1. Januar (siehe Hintergrund) bewertet Schroeder-Wildberg „als wichtigen Schritt: Beispielsweise werden mit Blick auf die Neuregelung der Bewertungsreserven Auszahlungen gerechter auf das Versicherungskollektiv verteilt“. Vor dem Hintergrund der Neuregelung ist er auch überzeugt, dass sich die Beratungsqualität „auf lange Sicht auszahlen wird.

Wer nicht in der Lage ist, Qualität durch die Nähe zum Kunden zu leisten, die zu geringen Storno-Quoten führt, der wird sich in diesem Markt zukünftig extrem schwer tun. Deshalb wird sich auch bei den Vermittlern die Spreu vom Weizen trennen“, ist er sich sicher.

Das Umfeld erfordere ein noch höheres Maß an Professionalität und Qualität. Der gefallene Garantiezins dürfe für den Kunden nicht die ausschlaggebende Rolle spielen. „Wer Bedarf hat, für den ist es nachlässig, zu warten“, verdeutlicht Schroeder-Wildberg.

Denn es gebe in Deutschland eine „riesige Deckungslücke“ bei der Altersvorsorge – „der Bedarf der Kunden ist da. Wir wissen, was der durchschnittliche Rentner in 20 Jahren vom Staat zu erwarten hat – nämlich ungefähr 44 Prozent seines gewohnten EInkommens. Wir reden also über weitere 56 Prozent, die irgendwie gedeckt werden müssen – sowohl über private als auch über betriebliche Altersvorsorge.“

von Andreas Schmidt

 
Lebensversicherungsgesetz

Die Lebensversicherer leiden unter den niedrigen Zinsen. Die Politik greift der Branche mit dem neuen Lebensversicherungsgesetz unter die Arme – auch, um langfristige Ansprüche aller Versicherungsnehmer zu sichern.

Versicherer haben Kundengelder insbesondere in Staatsanleihen angelegt. 2013 sank die Rendite öffentlicher Anleihen des Bundes auf im Schnitt 1,6 Prozent. Gleichzeitig bleiben aber die Verpflichtungen der Versicherer zur Bedienung der Alt-Verträge hoch, denn der Garantiezins betrug im Schnitt 3,2 Prozent.

Kunden, deren Vertrag regulär ausläuft oder die ihre Police vorzeitig kündigen, erhielten bisher die Hälfte der Bewertungsreserven, die auf ihre Lebensversicherung entfallen. Die Versicherer mussten daher immer mehr der hochprozentigen Papiere verkaufen, um diese Kunden an den Reserven zu beteiligen – zum Schaden der großen Mehrheit der anderen Versicherten, deren Verträge weiterlaufen.

Die Reform soll für eine „gerechtere Beteiligung der Gesamtheit der Versicherten“ an den Bewertungsreserven festverzinslicher Wertpapiere sorgen. Hier kommt der „Sicherungsbedarf“ ins Spiel. Den müssen Versicherer vorhalten, um alle Garantien erfüllen zu können.

Das Gesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, begrenzt die Beteiligung an den entsprechenden Bewertungsreserven auf den Teil, der den „Sicherungsbedarf“ übersteigt.

Zudem wurde in der Neuregelung der Garantiezins von 1,75 auf 1,25 Prozent für neue Verträge gedrückt. Das ist die Obergrenze dessen, was Unternehmen den Kunden maximal zusagen können. Der Garantiezins bestimmt allerdings nur einen Teil der Leistungen. Hinzu kommt noch die Überschussbeteiligung.

von unserer Agentur

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