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Sprachkurs für Flüchtlinge trägt Früchte

Förderung von Arbeitsagentur und Landkreis Sprachkurs für Flüchtlinge trägt Früchte

Seit vergangenem Herbst laufen Sprachkurse für Flüchtlinge, die von 
 Bildungsträgern im 
Auftrag der Arbeitsagentur angeboten werden. 
Im Landkreis wurde das 
Projekt noch erweitert.

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Gemeinsam mit 14 weiteren Schülern büffelt Mustafa Sido (rechts) aus Syrien im Sprachkurs des Zib erste deutsche Vokabeln. Kreisbeigeordneter Marian Zachow (stehend, von links) und Arbeitsagenturleiter Volker Breustedt informierten sich gemeinsam über den Sprachkurs.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Motiviert und konzentriert sitzen 15 junge Frauen und Männer um das Tischrund, büffeln Vokabeln, bestimmen Bilder, formulieren erste Sätze, eine bunte Vielfalt verschiedener Sprachfetzen schwirrt durch den Unterrichtsraum. Sie alle nehmen am Deutsch-Grundkurs des Zentrums für Integration und Bildung (Zib) teil.

Die Wände sind noch etwas karg, Tafel und Tische dafür umso voller: Lernbücher in verschiedenen Sprachen nebst Übungszetteln stehen zur Verfügung. Auf der Tafel wird die aktuelle Lektion „das Brötchen, der Bäcker oder das Müsli“ mit Fotos unterstützt.

Die Schüler lernen, sich im Supermarkt zurechtzufinden, sich vorzustellen, nach dem Weg zu fragen oder was ein Mietvertrag ist. Die Teilnehmer stammen aus Syrien, Irak oder aus dem arabischen Raum. Eines haben sie alle gemeinsam – sie wollen so schnell und so gut wie möglich Deutsch sprechen lernen und eine Arbeit finden.

„Schnell, unbürokratisch und erfolgreich“

Einstiegskurse wie im Zib sollen als erste Sofort-Hilfestellung die Grundlage hierfür schaffen. Ermöglicht wird das flächendeckende Programm durch ein Kooperationsprojekt zwischen der Bundesagentur für Arbeit, dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und verschiedenen Bildungsträgern.

Ziel ist es, sämtlichen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive Zugang zu einem ersten Sprachkurs zu verschaffen, nicht nur jenen Betroffenen aus bestimmten Herkunftsländern, die staatlich gefördert werden. Und das ging „schnell, unbürokratisch und erfolgreich“ vonstatten, teilten die Projektbeteiligten mit. „Es wird nicht nach Herkunftsland unterschieden, wir wollen keine Zweiklassengesellschaft der Sprachkurse“, erklärt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

Hintergrund ist die im Oktober vergangenen Jahres beschlossene weitergehende Sprachförderung der Bundesarbeitsagentur, die „als Nothilfe“ aus Beitragsmitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert wird und insbesondere neu eingewanderten Flüchtlingen einen ersten Einstieg in die deutsche Sprache ermöglichen soll.

Rund 700 Flüchtlinge absolvieren derzeit Kurse

Von der Förderung profitieren können Flüchtlinge aus den vier großen Herkunftsländern Syrien, Iran, Irak und Eritrea. Damit auch Betroffene aus anderen Staaten die Sprachkurse nutzen können und „nicht untergehen“, beteiligt sich der Landkreis als Kooperationspartner an der „Mischfinanzierung“.

Neben den rund 500 von der Agentur geförderten Teilnehmern finanziert der Kreis derzeit weitere 200 Sprachschüler. „Auf diese Weise wird eine gesunde Grundlage geschaffen und keiner muss in der Unterkunft sitzenbleiben“, lobte Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur, die Beteiligung.

Insgesamt investierte die Bundesarbeitsagentur im Landkreis eine Million Euro in Sprachkurse für Flüchtlinge. Der Kreis ergänzt das Angebot mit etwa 300.000 Euro.

Großer Zuspruch für Sprachkurse

Der Grundsprachkurs in den Räumen der Bürgerinitiative für soziale Fragen am Richtsberg ist einer von mehreren Einstiegskursen, den das Zib seit Ende vergangenen Jahres anbietet und umfasst insgesamt 320 Stunden. Im Anschluss an das flächendeckende erste Deutschtraining finden staatlich finanzierte Sprach- und Integrationskurse sowie spätere Arbeits- und Ausbildungshilfen statt.

Nach dem dezentralen Marburger Modell seien alle 23 im vergangenen Quartal gestarteten neuen Sprachkurse im gesamten Landkreis verstreut und erhielten großen Zuspruch. Vier Mal pro Woche büffeln die Teilnehmer deutsche Vokabeln und Begriffe „als erste Alltagshilfe“.

Unter den Schülern finden sich viele Frauen mit kleinen Kindern, die im parallel laufenden Kinderhort betreut werden. „So können die Mütter in Ruhe den Sprachkurs besuchen, sind motiviert und mit Ausdauer bei der Sache“, lobte Zib-Leiterin Rita Neidhardt.

Die Sprachkurse hält eine pensionierte Deutschlehrerin. Der unterschiedliche Bildungsstand der bunt gemischten Teilnehmer, verschiedene Lernstandards und Sprachkenntnisse machten das Ganze zu einer pädagogischen Herausforderung. Die Sprachschüler helfen sich dabei gegenseitig, übersetzen, erklären und büffeln engagiert. „Ich mag es hier, das ist eine sehr gute Sache“, findet unter anderem Mustafa Sido aus Syrien.

von Ina Tannert

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