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Sportwagen-Legende kehrt zurück

Wahl-Gruppe investierte in Autohaus Gnau Sportwagen-Legende kehrt zurück

Die Wahl-Gruppe ist inzwischen der zweitgrößte Renault-Händler in Deutschland. Im OP-Gespräch erklären Thomas Wahl und Stefan Gnau, Leiter in Marburg, welche Folgen die Investitionen in Marburg haben.

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Die Händler Stefan Gnau und Thomas Wahl wollen in Marburg auch das Alpine-Comeback feiern.

Quelle: Thomas Geiger

Marburg. Kein alltäglicher Besuch im Autohaus Gnau: Eine Delegation aus Paris ist zu Gast beim Renault-Händler in Marburg. Unter ihnen auch die Vertreter 
der Marke Alpine. Alpine? Der Sportwagen der 60er und 70er ist eine Legende. Die Franzosen planen das Comeback: Sie wollen den Wagen wieder produzieren. Das hatte das Unternehmen Renault in Paris im Frühjahr bekannt gegeben – die Nachricht ist bisher aber nur in der Branche verbreitet worden. Ende des Jahres soll die Produktversion in Paris gezeigt werden.

In Marburg werden im nächsten Jahr die ersten Wagen stehen: Stefan Gnau und Thomas Wahl waren nach dem Verhandlungsgespräch mit den Gästen aus Paris zuversichtlich, dass das Autohaus Gnau das Alpine-­Comeback feiern wird. „Details können wir noch nicht verraten“, sagt Gnau. Er selbst hat eine persönliche Verbindung zu Alpine. Das Foto in seinem Büro neben der Eingangstür erklärt es: Sein inzwischen verstorbener Vater, der frühere Gründer und Inhaber des Unternehmens, Horst Gnau, fuhr eine Alpine.

„Ich bin mit dem Wagen aufgewachsen“, so Gnau ( links). Er werde daher den Alpine-Handel mit Herzblut machen, sagt Gnau. Die persönliche Beziehung und Leidenschaft für die Arbeit – das sei genau das, was Stefan Gnau auszeichnet, sagt Thomas Wahl ( rechts), geschäftsführender Gesellschafter der Wahl-Group. Das Unternehmen aus Siegen hatte vor zwei Jahren das Autohaus Gnau mit den Standorten Marburg und Gießen übernommen.

Seitdem arbeitet der einstige Inhaber nun als Geschäftsführer in der Wahl-Filiale Marburg – die den Namen Gnau behalten hat. In den vergangenen Jahren stand für Wahl fast jährlich eine Übernahme an. Die Übernahme von Gnau war in der Renault-Sparte jedoch ein „Quantensprung“, sagt Wahl. 100 neue Mitarbeiter seien durch die Fusion hinzugekommen – die Strukturen und organisatorischen Einheiten wurden neu gebildet.

Die Wahl-Gruppe hat nun insgesamt fast 800 Beschäftigte in 23 Autohäusern. Durch die 
Fusion entstand Deutschlands zweitgrößter Renault-Händler mit einem Absatzvolumen von jährlich mehr als 5000 neuen Renault und Dacia. Damit verkaufte das Unternehmen etwa jedes 40. Auto, das von Renault und Dacia im vergangenen Jahr auf den deutschen Markt gebracht wurde. „Der größte 
Renault-Händler ist in der Hauptstadt, damit können wir gut Leben“, scherzt Wahl.

„Automobil-Markt ist irre“

Seit der Übernahme hat Thomas Wahl rund eine Million Euro in den Umbau in Marburg investiert, sagt er im OP-Gespräch. Die neueste Investition: Der Anbau für die Marke Skoda. Eigentlich benötige Gnau noch weitere Ausstellungsfläche, aber das Grundstück sei eben begrenzt.

Wenn die Autohersteller neue Designs verlangen, dann sind die Vertragspartner verpflichtet, diese zu übernehmen: Das bedeutete in dem Fall von Gnau, dass der so gut wie neue Fliesenboden im Autohaus wieder neu ausgelegt werden musste. „Da blutete einem das Herz“, so Gnau. Aber der Druck in der Branche wächst, die Vorgaben der Autohersteller zählen. „Der Automobilmarkt ist irre“, so Gnau.

In den vergangenen 20 Jahren hat die Hälfte der Autohäuser ihr Geschäft aufgegeben, erklärt Wahl. Vor allem hat sich aber auch das Käuferverhalten verändert, sagt Gnau. „Früher kamen die Leute fünf Mal ins Haus, bevor sie einen Wagen kauften. Heute kommt der Kunde im Schnitt einmal. Dafür ist das Gespräch viel intensiver. Der Kunde kommt vorbereitet“, so Gnau. Das Internet spiele da eine große Rolle sowie der digitale Show-Room im Geschäft. Der Händler kann am Computer Angaben bis ins Detail sichtbar machen.

Die für ihn persönlich größte 
 Veränderung – den Verkauf seines Autohauses – hat Stefan Gnau „emotional gut verarbeitet“, wie er sagt. „Ich habe jetzt nicht weniger zu tun als vorher, aber die mentale Belastung ist nicht mehr so stark. Ich habe deutlich weniger Verantwortung“, sagt der gelernte Bankkaufmann, der den Betrieb seines Vaters übernommen hatte. 
„Ich profitiere vom Management der Wahl-Group“.

Ein Beispiel: Die große Gruppe hat einen eigenen Juristen beschäftigt – Gnau muss Rechnungen nicht mehr persönlich hinterherlaufen oder Tag und Nacht erreichbar sein. Ihm sei wichtig gewesen, das Autohaus, das nun seit 60 Jahren besteht, zukunftsfähig zu machen. Heute sind in Marburg 48 Mitarbeiter beschäftigt, fast die Hälfte sind Frauen. Und noch etwas hat sich für Gnau mit dem Verkauf geändert: „Ich kann jetzt auch mal selbst Autos verkaufen. Dafür hatte ich nie Zeit. Das macht mir einen Riesenspaß.“

von Anna Ntemiris

Die Brüder Peter und Stefan Gnau 1971 vor der Alpine ihres Vaters Horst Gnau. Stefan Gnau freut sich, dass er nun bald als einer der ersten Händler die neue Alpine bewundern wird. Fotos: Anna Ntemiris, privat
 
Hintergrund
Mit der Alpine haben die etablierten Sportwagenhersteller buchstäblich ihr blaues Wunder erlebt. Denn als der französische Renault-Händler und Rennstallbesitzer Jean Rédélé im Jahr 1962 die Alpine 110 vom Stapel ließ, wurde das Leben für Porsche & Co. plötzlich ein bisschen schwerer. 62 Jahre nachdem Rédélé in Dieppe die ersten Renaults zu Rennwagen umgebaut hat, soll ab 2017 eine neue Alpine entstehen. Das laut Alpine-Chef Bernard Ollivier bereits sehr seriennahe Showcar, das Ende Februar in Monaco enthüllt wurde, weist tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit der A110 auf. Und genau wie damals wird der Motor – angeblich ein von Nissan gelieferter Vierzylinder-Turbo mit bis zu 221 kW/300 PS – im Heck sitzen und die Hinterräder antreiben. Der Vierzylinder werde den Wagen in weniger als 4,5 
Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, heißt es. Zu Preisen ist derzeit noch nichts bekannt. (dpa)
 
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