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Zeiss streicht und verlagert 220 Stellen

Sport Optics GmbH Zeiss streicht und verlagert 220 Stellen

Schock für die gut 
300 Beschäftigten von Zeiss Sports Optics in ­Wetzlar: Der Standort 
soll um gut zwei Drittel verkleinert werden.

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Die Zeiss-Gruppe will ihren Geschäftsbereich Sports Optics in Wetzlar um gut zwei Drittel verkleinern und verlagern.

Quelle: Steffen Gross

Wetzlar. In einer Betriebsversammlung am Mittwoch verkündete die Geschäftsleitung, dass 140 Arbeitsplätze in der Fertigung abgebaut und 80 weitere Stellen nach Oberkochen (Baden-Württemberg) verlagert werden sollen. Als Grund für den massiven Einschnitt nannte ein Sprecher der Zeiss-Gruppe auf Nachfrage, dass „wirtschaftlich Handlungsbedarf besteht“. Von einem 15-Millionen-Euro-Defizit in den vergangenen zehn Jahren hat die Geschäftsleitung nach IG-Metall-Angaben in der Versammlung am Mittwochmorgen in der Rittal-Arena berichtet.

Die Leitung der Zeiss Consumer Products spricht von einer „notwendigen Neuausrichtung“ des Bereichs, um den wirtschaftlichen Erfolg langfristig sichern zu können und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Konkret sollen kundennahe Funktionen wie Produktmanagement, Entwicklung, Marketing und Vertrieb von Consumer Optics am Standort Oberkochen östlich von Stuttgart zusammengeführt werden. Den von der Verlagerung betroffenen 80 Mitarbeitern in Wetzlar würden faire und individuelle Angebote für einen Wechsel nach Baden-Württemberg gemacht, teilte die Geschäftsleitung mit. Mit dem Umzug würden die bislang voneinander getrennten Bereiche Sports Optics (Wetzlar) und Foto- und Kameraobjektive (Oberkochen) verschmelzen.

Betriebsbedingte 
Kündigungen möglich

Darüber hinaus sollen in der Fertigung in Wetzlar 140 Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Produktion werde künftig mit rund 110 verbleibenden Beschäftigten allein auf Endmontage, Service und Reparatur konzentriert, hieß es. „Made in Germany“ sei der Zeiss-Gruppe weiter wichtig, sagte Zeiss-Sprecher Joachim Kuss. Laut dem zuständigen IG-Metall-Sekretär Stephan Maier, der ebenfalls an der Betriebsversammlung teilnahm, gibt es Pläne, Teile der Produktion nach Ungarn zu verlagern.

Auf welchem Wege die 140 Stellen abgebaut werden sollen, werde nun mit der Arbeitnehmervertretung verhandelt, sagte Joachim Kuss. Die Gespräche mit dem Betriebsrat zur Umsetzung und sozialverträglichen Ausgestaltungen würden unmittelbar aufgenommen. Betriebsbedingte Kündigungen könnten zumindest nicht ausgeschlossen werden. „Zeiss wird das Mögliche tun, um für die betroffenen Mitarbeiter neue berufliche Perspektiven, natürlich auch innerhalb der Zeiss-Gruppe, zu eröffnen“, hieß es parallel in einer Mitteilung.

Die Betroffenheit in der Belegschaft sei enorm, berichtete Gewerkschaftssekretär Maier. Der Abbau in dieser Größenordnung sei völlig überraschend gekommen. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liege bei 48 Jahren, ein Großteil werde anschließend keinen neuen Arbeitsplatz mehr finden. „Daran hängen etliche Schicksale“, sagte der Gewerkschafter.

IG-Metall kündigt Widerstand

Die Beschäftigten könnten sich nicht erklären, woher das angebliche Millionen-Defizit plötzlich kommen soll. Dazu sei noch vor sechs Wochen mit der Geschäftsleitung eine Betriebsvereinbarung über den Standorterhalt unterzeichnet worden, sagte Maier. Wenn es dem Standort schlecht gehe, wären die Mitarbeiter zu Verhandlungen über Urlaubs- und Weihnachtsgeld bereit gewesen. Er vermute Wettbewerbsprobleme als Grund für diesen Einschnitt. „Carl Zeiss würde sich im Grabe umdrehen“, sagte Maier und kündigte Widerstand gegen die Pläne an. Man werde um den Standort und die Arbeitsplätze kämpfen. Denn andernfalls ginge es jetzt nur noch um Interessensausgleich, Sozialplan und Abfindungen.

Die Sport Optics GmbH ist mit mehr als 300 Mitarbeitern die größte Zeiss-Sparte in der Moritz-Hensoldt-Straße. In dem Firmengebäude sind außerdem das Halbleitergeschäft der Zeiss SMT mit 200 Beschäftigten und die nicht zur Zeiss-Gruppe gehörende Hensoldt Optronics mit knapp 80 Mitarbeitern untergebracht. Zeiss SMT sei nicht von der Neustrukturierung betroffen, versicherte der Zeiss-Sprecher.

von Steffen Gross

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