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„Spielt mit den Männer-Regeln“

Unternehmerinnen-Netzwerk „Spielt mit den Männer-Regeln“

Unter dem Titel „Neues wagen!“ stand eine ­Netzwerkveranstaltung für Frauen in Führungspositionen.

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Trugen zum Programm bei: Thomas Marterer von Unternehmenswert Mensch, Martina Wagner von Zahntechnik Wagner, Gerhard Wenz von der Arbeitsagentur, Jana Kohlmetz vom Unternehmerinnen-Netzwerk, Uni-Vizepräsidentin Professorin Evelyn Korn, Tiefbau-Chefin Irmgard Grebing, Christina Scholz von der Sparkasse, Christa Rhiel, Unternehmer-Frauen im Handwerk, und Heike ­Hämer, die moderierte.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Rund 80 Frauen und drei Männer kamen am Dienstagabend zur gemeinsamen Veranstaltung des Unternehmerinnen-Netzwerks und der Unternehmer-Frauen im Handwerk. Einer von ihnen, Gastgeber und Sparkassenvorstandsmitglied Jochen Schönleber, erklärte, dass er sich mehr Frauen in Führungspositionen des Kreditinstituts wünsche.

Im Zuge der Neustrukturierung der Sparkasse wolle der Vorstand neue Führungsstellen besetzen. Doch jetzt stelle man fest, dass die Sparkasse in den vergangenen fünf bis zehn Jahren zu wenige Mitarbeiterinnen gefördert habe, um die neuen Stellen mit genügend Frauen zu besetzen. „Und Kolleginnen, die wir angesprochen haben, fühlten sich für die Funktion noch nicht ausreichend reif oder sie erklärten, es noch nicht bewiesen zu haben“, so Schönleber.

Sind Frauen weniger oder anders mutig als Männer? Dieser Frage ging die Hauptrednerin des Abends, Professorin Evelyn Korn, nach. Korn ist Vize-Präsidentin der Philipps-Universität und beschäftigt sich als Wirtschaftswissenschaftlerin mit Karrieren und Rollenverhalten von Frauen. Sie hat den Begriff Risikomeisterin geprägt: Frauen meistern Risiken. Zu den Risiken, die Frauen bewusst eingehen und meistern, gehöre zum Beispiel auch das Kinderkriegen.

„Frauen, seid etwas mutiger“

Weiter erklärte Korn: „Frauen haben eine Präferenz für Verlässlichkeit von Regeln, die Versicherung gegen Unsicherheit – und nicht Risiko – bieten“. Das erlernte Verhalten sei dann: Verletze nicht die Regel und achte darauf, dass andere die Regeln einhalten.

Daher schmerze es berufstätigen Frauen, wenn ihnen vorgeworfen werde, dass sie zu wenig ihre Kinder sehen – sie denken, sie haben die Regeln verletzt, so Korn, die Statistiken und Ergebnisse aus Experimenten vorzeigte, aber auch über eigene Erfahrungen als berufstätige Mutter sprach und damit ihren Vortrag lebendiger machte.

„Die Regeln der Wirtschaft wurden von Männern gemacht – es waren ja vorher keine Frauen da“, erklärte die Ökonomin. Je mehr Frauen in die Wirtschaft kommen desto mehr werde sich diese Situation ändern. „Sucht Verbündete, die bei Regelverstößen helfen, hinterfragt, welche Regeln für Euch gelten und spielt mit den Männer-Regeln“, forderte sie Frauen auf. Allerdings räumte sie ein: „Die fiesesten Tritte gegen das Schienbein habe ich von Frauen bekommen.“ Daher sollten sich Frauen gegenseitig ermutigen. „Seid etwas mutiger“, forderte sie die Zuhörerinnen auf.

„Frauen bewerben sich, wenn sie 100 Prozent der Kriterien erfüllen. Männer bei 60 Prozent“, sagte sie. Frauen verhandeln in Bewerbungs- und Mitarbeitergesprächen weniger hart als Männer. „Die wichtigste Entscheidung für meine Karriere war die Partnerwahl“, bekannte sie. Ihr Ehemann unterstütze und ermutige sie, sich durchzusetzen. Die jüngere Generation würde eine solche Aussage heute nicht mehr tätigen.

Weitere Themen der Veranstaltung waren Mitarbeiterfindung und finanzielle Fördermittel. Irmgard Grebing, Geschäftsführerin der Firma Wolf Tiefbau aus Rauschenberg, berichtete kurz über ihre Erfahrungen aus der Praxis. Im Anschluss an die Kurz­vorträge gab es Zeit zum Austausch. Das Netzwerken sei eines der Anliegen dieser Veranstaltung, die zum ersten Mal stattfand, erklärte Jana Kohlmetz vom Unternehmerinnen-Netzwerk.

von Anna Ntemiris

 
 
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