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Spatenstich für größte CSL-Investition

Gebäude 245 kostet 245 Millionen Spatenstich für größte CSL-Investition

Für 245 Millionen Euro baut CSL Behring in 
Marburg-Michelbach 
ein neues Gebäude für 
die Basisfraktionierung von Humanplasma. Reiner Zufall, dass die neue Anlage im Wert von 245 Millionen Euro auch noch die Hausnummer 245 hat, erklärte CSL-Projektleiter Dr. Johann Hock. Er stellte am Donnerstag anlässlich des offiziellen Spatenstichs den rund 100 geladenen Gästen die geplante Investition vor.

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Die für den Bau verantwortlichen Führungskräfte Michael Schröder (von links), Dr. Johannes Kraemer, Dr. Johann Hock, Axel Lehfeld, Geschäftsführer Craig Shelanskey aus Marburg und Val Romberg aus Bern, Marburgs OB Dr. Thomas Spies und Landrätin Kirsten Fründt beim Spatenstich.

Quelle: Thorsten Richter

Michelbach. In der Basisfraktionierung von CSL Behring auf dem Görzhäuser Hof finden die ersten grundlegenden physikalisch-biochemischen Prozesse statt, mit denen aus tiefgefrorenem Humanplasma über weitere aufwändige Produktionsschritte lebensrettende Medikamente herstellt werden. Sie werden weltweit eingesetzt bei Patienten mit schweren, seltenen und meist erblichen Erkrankungen wie schweren Gerinnungsstörungen 
oder Defekten des Immun­systems.

Der Bau soll 2019 fertig sein, die Produktion für die Zulassung der Medikamente könne dann 2021 beginnen, erklärte 
Hock. Es handelt sich um die größte Investition des Unternehmens am Standort Marburg. Craig Shelanskey, Geschäftsführer von CSL Behring, erklärte, die Investition in Marburg mache das Unternehmen nachhaltig zukunftsfähiger. Das Unternehmen gehört zur australischen CSL-Gruppe.

Für 245 Millionen Euro baut CSL Behring in Marburg-Michelbach ein neues Gebäude für die Basisfraktionierung von Humanplasma. Dass das Bauwerk auch noch die Hausnummer 245 hat, sei reiner Zufall, erklärte CSL-Projektleiter Dr. Johann Hock beim ersten Spatenstich.

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Für den US-Amerikaner Craig Shelanskey war am Donnerstag ein ganz 
besonderer Thanksgiving-Tag: Gemeinsam mit rund hundert geladenen Gästen feierte der Geschäftsführer des Unternehmens CSL Behring den Bau der Erdarbeiten für die neue Anlage zur Basisfraktionierung von Humanplasma.

Das Projekt ist die größte Investition in der Firmengeschichte des Unternehmens ( die OP berichtete). Ehrengast war Shelanskeys „Boss“ aus Bern, Val Romberg. Auch am CSL-Standort Bern werden aus Humanplasma Arzneimittel hergestellt. Dr. Johann Hock, Projektleiter der neuen Anlage in Michelbach, zeigte den Besuchern mithilfe eines Videofilms aus Bern, wie Human­plasma verarbeitet wird.

In der Basisfraktionierung werden aus tiefgefrorenem menschlichem Blutplasma lebenser­haltende Medikamente in aufwändigen Produktionsschritten 
hergestellt, die bei schweren und seltenen Erkrankungen wie Gerinnungsstörungen sowie in der Notfallmedizin eingesetzt werden. Dass die neue Anlage 245 Millionen Euro koste, liegt unter anderem an den speziellen Verarbeitungsprozessen, die eine einzigartige Ausstattung benötigen. So benötigt CSL beispielsweise 155 Edelstahltanks, um unter anderem Plasma, aber auch 100.000 Liter reinen Alkohol – als Lösungsmittel – vorrätig zu haben.

Mit der neuen Anlage soll die Kapazität um das 2,6-Fache gesteigert werden. Die Kapazität solle dann 4,2 Millionen Liter Plasma im Jahr betragen. Zum Hintergrund: Eine Plasmaspende beträgt 800 Milliliter. Das sechsstöckige Gebäude werde ein Volumen von 125.000 Kubikmeter umfassen. „Das entspricht einem Volumen von 150 Einfamilienhäusern“, so Hock. 65.000 Kubikmeter Erde seien bald abzutransportieren.

Arbeitsprozesse werden beschleunigt

Der Rohbau werde 2018 fertig sein, die Innenausstattung werde angesichts langer Liefer­zeiten im nächsten Jahr bestellt. Auch wenn das Gebäude 
nach den jetzigen Planungen 2019 fertig sei, „liegt noch ein gutes Stück vor uns“, so Hock. Denn auch wenn künftig die gleichen Pharmaka in Marburg hergestellt werden, muss für alle neuen Produktionsschritte bei den verschiedenen Arzneimittel-Zulassungsbehörden weltweit eine neue Genehmigung eingeholt werden. Hock erklärte, dass 2021 die Produktion mit Versuchschargen starten kann und ein, zwei Jahre später die ersten Medikamente aus der neuen Anlage in den weltweiten Vertrieb – und damit an Patienten – gehen können.

Insgesamt 110 Beschäftigte 
arbeiten bisher im Sieben-Tage-
Schichtdienst in der jetzigen Anlage auf dem Görzhäuser Hof. Mit der geplanten Kapazitätserhöhung werden weitere Arbeitsplätze entstehen, allerdings nicht in doppelter Anzahl, konkrete Angaben gibt es noch nicht. Die Arbeitsprozesse werden in der hochmodernen Anlage teilweise erhöht automatisiert und beschleunigt, heißt es.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) dankte dem Unternehmen für die „Festigung des Standorts“ und für „die mehr als beachtlichen Steuern, die Sie zum Wohl der Region zahlen.“ CSL Behring, Tochterunternehmen des australischen CSL-Konzerns, gehört zu den größten Arbeitgebern im Landkreis.

von Anna Ntemiris

Basisfraktionierung

In der neuen Basisfraktionierung werden unterschiedliche biotechnische Prozesse zur Auftrennung des biologischen Rohstoffs Plasma eingesetzt werden können. Insgesamt sieben verschiedene Zwischenprodukte können nach der Auftrennung des Plasmas entstehen. Ein Zwischenprodukt wird an den Standort Bern verschickt, die Firma stellt dort Immunglobin-Medikamente her.

Die anderen sechs Zwischenprodukte werden in Marburg weiterverarbeitet – 20 verschiedene Arzneimittel können daraus hergestellt werden. Zwar besteht Plasma – der flüssige Anteil des Blutes – zu mehr als 90 Prozent aus Wasser, doch ist der Rest höchst wertvoll. Er enthält Gerinnungsfaktoren, Immunglobuline, Albumin und viele andere Proteine.

Die künftigen Arbeitsschritte und damit Arbeitsplätze seien anspruchsvoller, aber auch effizienter, so das Unternehmen. Vereinfacht ausgedrückt: Aus dem Plasma wird viel mehr als bisher für die Medikamentenherstellung geholt – und das in kürzerer Zeit als bisher.

 
 
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