Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeschauer

Navigation:
Betrüger wollen an Überweisungsträger

Sparkassenbriefkästen Betrüger wollen an Überweisungsträger

Kunden der Sparkasse, 
die mal eben eine Überweisung einwerfen 
wollen, erleben derzeit in fünf Geschäftsstellen eine Überraschung: Die Briefkästen sind zugeklebt.

Voriger Artikel
Dessous im Wandel der Zeit
Nächster Artikel
„Machen weiter, bis es ein Ergebnis gibt“

Der Briefkasten der Sparkasse in Niederweimar ist derzeit mit Klebeband verschlossen – Kunden werden aufgefordert, ihre Überweisungen am Schalter abzugeben, denn es hat einen Betrugsversuch gegeben.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Die erste Meldung kam aus Niederweimar: Eine OP-Leserin meldete, dass der dortige Briefkasten am Nachttresor zugeklebt sei, „und zwar einfach mit Paketklebeband“, erzählt die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte. Per Filzstift stehe auf dem Klebeband, dass keine Überweisungen eingeworfen werden sollen – „da bleibt ein mulmiges Gefühl. Das riecht schon nach Betrug“, so die Frau.

Michael Frantz, Leiter der Marketing-Abteilung der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, ­bestätigt auf OP-Anfrage: „Nach einem Betrugsversuch wurde der Überweisungsbriefkasten der Filiale Niederweimar aus Sicherheitsgründen außer Betrieb genommen.“ Frantz betont, dass es bei dem Vorfall jedoch zu keinem Schaden gekommen sei, da die „internen Sicherheitsmaßnahmen“ gegriffen hätten. Vom Betrugsversuch betroffene Kunden habe man informiert. Details zu den internen ­Sicherheitsmechanismen wollte Frantz nicht geben – „um potenziellen Betrügern keine Hinweise zu geben“, wie er mitteilt.

„Derartige Betrugsversuche kommen bei uns selten vor“, so Frantz. Gleichwohl habe die Sparkasse auf den Versuch reagiert und sämtliche Briefkästen der Filialen untersucht. Diese entsprächen alle dem jetzigen Stand der Sicherheitsanforderungen. Doch durch technische Nachrüstung wolle man die Überweisungsbriefkästen nicht nur in Niederweimar, sondern auch in Amöneburg, Großseelheim, Mardorf und am Richtsberg noch sicherer machen.

Verbraucherzentrale: Banken sind in der Pflicht

„Diese Nachrüstung wird bald abgeschlossen sein“, so Frantz. Bis dahin könne es in verschiedenen Filialen dazu kommen, dass ein Überweisungsbriefkasten zeitweilig außer Betrieb genommen werde – „auch ohne, dass ein aktueller Betrugsversuch vorliegt“, wie Frantz verdeutlicht. Die Kunden sollten ihre Überweisungen persönlich am Schalter abgeben.

Bei Betrugsfällen mit Überweisungsträgern geht es nicht immer darum, die Belege zu fälschen: Die Betrüger wollen an Kontodaten und Unterschriften kommen. Denn, wie die Verbraucherzentrale sagt: Obwohl die Banken in der Pflicht seien, würde nicht jeder Überweisungsträger gewissenhaft überprüft, ob die Unterschrift auf dem Beleg mit der des Konto-Inhabers übereinstimme.

Es gibt verschiedene Varianten, wie Betrüger Kontodaten in Erfahrung bringen: Zum Beispiel, indem sie ausgefüllte Überweisungen aus den Briefkästen der Banken fischen. So erhalten sie sowohl die Kontodaten des Opfers, als auch deren Unterschrift, die sie dann fälschen. Möglich ist es aber auch, über Online-Auktionen an Kontodaten zu gelangen. Noch einfacher haben es die Abzocker, wenn Personen ihre Kontodaten öffentlich machen – beispielsweise mit einer Bankverbindung auf einem Briefbogen.

Verbraucherzentrale rät zum „sparsamen Umgang“

Weiterhin sehr beliebt ist auch das Ausspähen von Bankdaten per Phishing – also gefälschter E-Mails. Auch, wenn sowohl Banken als auch Polizei immer wieder davor warnen, auf die häufig täuschend echt aussehenden Mails von Banken und Sparkassen zu antworten und Kontodaten mitzuteilen: Immer wieder sind die Betrüger erfolgreich.

„Wir raten immer, Kontodaten so sparsam wie möglich herauszugeben. Dazu gehört auch, lesbare Kartenabrechnungen oder Kontoauszüge nicht einfach in den Papierkorb zu werfen“, empfiehlt die Verbraucherzentrale. Egal, wie Betrüger letztlich an Kontodaten gekommen sind: Meist werden auf frei zugänglichen Original-Überweisungsträgern die Daten eingetragen und die Unterschrift gefälscht. Häufig wird dann eine Überweisung auf ein Konto getätigt, das extra für diesen Zweck eröffnet wurde.

Für die Verbraucher entsteht aus den Betrügereien meist kein Schaden – jedenfalls, solange ihnen die abgezweigten Gelder rechtzeitig auffallen. Die Banken sind gegen solche Fälle versichert. Der Kunde muss aber selbst bei der Bank auf die unrechtmäßige Überweisung aufmerksam machen. Außerdem muss sie die Unterschrift prüfen, entschied der Bundesgerichtshof. Die Prüfung der Unterschrift stelle einen Teil der Sorgfaltspflicht der Bank im Geschäftsverkehr mit ihren Kunden dar – daher trage die Bank das Fälschungsrisiko und habe den Schaden zu tragen, den der Kunde durch Ausführung der gefälschten Überweisung erleide (BGH Az.: XI ZR 325/00).

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr