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Spannender Job für starke Nerven

Ausbildungsserie: Hotelfachkraft Spannender Job für starke Nerven

Zwischen Rezeption, Küche, Service und Management – Hotelfachkräfte jonglieren nicht nur mit Tabletts, sondern auch zwischen den Abteilungen hin und her. Der dritte Teil der OP-Ausbildungsserie zeigt einen Einblick ins Gastgewerbe.

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Wolfshausen. Noch rund 500 freie Ausbildungsstellen stehen zurzeit im Landkreis zur Verfügung und warten auf interessierte Bewerber, teilte die Marburger Agentur für Arbeit mit. Freie Stellen gibt es vor allem im Gesundheitswesen, im Lebensmittel- und Pflegebereich und der Gastronomie. Platz gibt es bei letzterem unter anderem im Ausbildungsberuf Hotelfachmann/-frau.

Das umfangreiche Berufsbild im Hotelgewerbe wird durch eine große Vielfalt geprägt und bietet in verschiedenen gastronomischen Bereichen wie auch auf internationaler Ebene berufliche Chancen. Bekannter Branchenvertreter der Region ist das First-Class-Hotel Bellevue in Wolfshausen. Der in romantischer Grünlage zwischen Marburg und Gießen gelegene Familienbetrieb samt Restaurant bildet in verschiedenen Gastronomiebereichen aus.

Die richtige Einstellung ist entscheidend

Rund 20 Mitarbeiter arbeiten im Bellevue eng zusammen, darunter zahlreiche Hotelfachkräfte. Bei diesem anspruchsvollen Ausbildungsberuf kommt es sehr auf die richtige Einstellung an, weiß Hotelinhaberin Marion Horn. Hotelfachleute sind nicht nur für die Bedienung der Gäste, sondern auch für die betriebliche Organisation und einen reibungslosen Ablauf aller Branchenteile verantwortlich.

In wenigen Wochen wird die aktuelle Auszubildende und künftige Hotelfachfrau Sarah Reinsch ihr zweites Lehrjahr beginnen. In der turbulenten Branche fühlt sie sich mehr als wohl, erzählt sie im Interview. Und die gestaltet sich äußerst umfang- und abwechslungsreich, verlangt Flexibilität und gute Nerven von den Mitarbeitern.

Hotelfachkräfte sind in Hotels, Gasthöfen und Pensionen in verschiedenen Abteilungen tätig. Sie planen betriebliche Arbeitsabläufe, betreuen und beraten die Gäste und sorgen für deren Wohlergehen. Sie sind für Kontrolle und Buchungen der Zimmer zuständig, arbeiten im Restaurant oder in der Küche mit.

Daneben organisieren sie Veranstaltungen wie Tagungen, Konferenzen und Feste, planen den Personaleinsatz, verhandeln mit Reiseveranstaltern und sind am Marketing des Betriebes beteiligt. Auch in internationalen Bereichen, wie etwa im Tourismus oder Vertrieb, sind Hotelfachkräfte tätig. Dafür benötigen sie umfangreiche Kompetenzen wie Serviceorientierung, Team- und Kommunikationsfähigkeit, körperliche Belastbarkeit, ein ausgereiftes Organisationstalent und nicht zuletzt ein gutes mathematisches Verständnis.

Basiskompetenzen im ersten Jahr erlernt

Die nötigen Fachkompetenzen für diesen variablen Beruf erhalten sie in einer dreijährigen Ausbildung.

So hat Auszubildende Sarah Reinsch in ihrem ersten Jahr eine breite Palette an fachübergreifenden Basiskompetenzen erlernt. Neben theoretischen Grundlagen stehen ebenso praktische Übungen, wie etwa die Auswahl des richtigen Bestecks oder der geschickte Transport mehrerer Teller mit einer Hand, ein korrekter Umgang mit Gästen, Grundkenntnisse über verschiedene Getränke, Hygienevorschriften sowie die Koordination der Serviceabteilung und Organisation der Rezeption auf dem Ausbildungsplan. „Im Hotelbereich gibt es stets Abwechslung, immer etwas Neues, einfach alles in einem“, erzählt die 24-Jährige.

Der wechselhafte Beruf kann jedoch auch sehr anstrengend werden, die Fähigkeiten, über lange Zeit konzentriert und flexibel zu arbeiten sowie körperliche Ausdauer sind wichtig, betont Hotelleiterin Marion Horn. „Man braucht Durchhaltevermögen, ein gutes Selbstvertrauen und manchmal auch ein dickes Fell.“ Die Bewirtung der Gäste, eine fließende Zusammenarbeit mit Kollegen und anderen Servicebereichen erfordert zudem ein ordentliches Maß an gutem Auftreten, Teamwork und Kommunikationsfähigkeit. Die Branche zählt nicht zur Spitze der beliebtesten Berufe, bietet dafür jedoch auch hohe Nachfrage und umfangreiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

„Eine Ausbildung in der Gastronomie öffnet viele Türen“, erklärte die Chefin. In den vergangenen Jahren war es trotzdem immer schwerer, geeigneten Nachwuchs zu finden. Viele Jugendliche scheuen die Verantwortung und Flexibilität, die das Hotelgewerbe von den Mitarbeitern verlangt. Die Arbeitszeit kann stark variieren. Etwa bei großen Veranstaltungen verlängert sich automatisch auch die Arbeitsdauer der Hotelangestellten.
Auch der Freizeitfaktor spielt eine Rolle: Wenn andere Arbeitnehmer frei haben, beginnt die Tätigkeit für Hotelfachkräfte häufig erst. Dafür haben diese wiederum mehr Freizeit, wenn andere Menschen ihrem Beruf nachgehen.

Aufstiegschancen auch durch Nachwuchsmangel

Der ganze Gastronomiebereich hat seit Jahren mit Nachwuchsmangel zu kämpfen, weiß Dr. Mohammad Reza Malmanesh vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Marburg. Den Grund sieht er jedoch nicht nur in den anspruchsvollen Arbeitsbedingungen. Viel eher setzten manche Arbeitgeber an den falschen Stellen zu hohe Ansprüche an ihren Nachwuchs. So würden viele Betriebe ausschließlich auf hohe Schulabschlüsse und hervorragende Noten potenzieller Auszubildender schauen. Aus diesen ließe sich jedoch kein Rückschluss auf die nötige Teamfähigkeit, Belastbarkeit, Flexibilität oder das Auftreten der Bewerber ziehen. Die hohen schulischen Ansprüche schreckten daher manch potenziellen Bewerber ab, obwohl dieser sehr gute Voraussetzungen für den Beruf mitbringen könnte. „Noten sagen nichts über die nötige Persönlichkeits-, Führungs- und Sozialkompetenz aus“, weiß der Fachberater. Die Arbeitgeber sollten daher ihre „Türen weiter öffnen“.

  • Alle Interessenten, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, können sich beim Arbeitgeberservice informieren. Kontakt unter 0 64 21 / 60 52 12. Auch das Hotel Bellevue hat noch je eine freie Ausbildungsstelle als Koch oder Köchin sowie für Hotelfachkräfte.

von Ina Tannert

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