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Sonder-Dividende im Jubiläumsjahr

Raiffeisenbank zieht Bilanz Sonder-Dividende im Jubiläumsjahr

Die Raiffeisenbank 
Ebsdorfergrund – einzige selbstständige Kreditgenossenschaft im Altkreis Marburg – konnte ihre ­Bilanzsumme im Vergleich zum Vorjahr um 12,2 Millionen Euro steigern.

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Die Mitglieder bei der Abstimmung auf der Generalversammlung der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund.

Quelle: privat

Dreihausen. „Glückwunsch zu 125 Jahren Erfolgsgeschichte und Hochachtung für die Arbeit der letzten fünf Jahre“, sagte Bürgermeister Andreas Schulz bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund im Bürgerzentrum Dreihausen.

Für die heutige Raiffeisenbank eG wurde der Grundstein am 27. Januar 1891 in Dreihausen gelegt. Der Genossenschaftsgedanke von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch wurde dann Schlag auf Schlag in fast allen Dörfern des heutigen Geschäftsgebietes realisiert, wie Aufsichtsratsvorsitzender Walter Horn in seinem historischen Abriss zusammenfasste. Von insgesamt neun Genossenschaftsbanken blieben später zwei übrig, die 1997 zur heutigen Raiffeisenbank eG fusionierten.

Um die Bank über all die Jahrzehnte stets auf der Erfolgsspur zu halten, mussten viele wichtige Entscheidungen, strategische Ausrichtungen und Modernisierungen umgesetzt werden, so Horn. Immer seien die genossenschaftlichen Prinzipien – „die Genossenschaft ist nur ihren Mitgliedern verpflichtet und jedes stimmt mit“ – die Leitschnur gewesen.

„Wenn wir wollen, dass alles so bleibt wie es ist, dann müssen wir ziemlich viel verändern“ – mit diesen Worten beschloss Friedhelm Kemper seinen Bericht zum Geschäftsjahr 2015. Zuvor hatte er über ein „ordentlich“ gelaufenes Geschäftsjahr berichtet.

Bilanzsumme steigt 
auf 219 Millionen Euro

Angestiegen war das Kundengesamtvolumen. „Der Beratungsansatz und das Produktangebot wurden gut angenommen“, so Kemper. Sorge bereiteten ihm „schwierige Umfeldfaktoren“, so etwa, dass die Konjunktur mit einem Tempomat unterwegs sei. Auch die historisch niedrigen Zinsen, die Glaubwürdigkeitskrise der Europäischen Union sowie die unverhältnismäßige Zunahme der Regulierungsaufgaben benannte Kemper.

Eine kleine Genossenschaftsbank mit risikoarmem Geschäftsmodell habe die gleichen Auflagen wie eine Großbank, bemängelte er. Damit werde das Bankgeschäft stark belastet, denn die Mitarbeiter müssten mehr Zeit für Regulierungsaufgaben als für die eigentliche Beratung aufwenden.

Dennoch schaffte es die Raiffeisenbank, ihr Ergebnis mit ­einer schlanken Verwaltung, sprich mit seit Jahren konstanten 42 Mitarbeitern, zu erwirtschaften. Die Raiffeisenbank wendet 57 Cent auf, um einen Euro zu erwirtschaften, auch in diesen Zahlen drücke sich die Effizienz aus, wie Bankvorstand Harald Emmerich bei der Vorstellung des Jahresabschlusses erklärte. Wie gut die Bank gewirtschaftet hatte, verdeutlichte die Bilanzsumme. Sie stieg zum Geschäftsende 2015 durch die positive Entwicklung bei den Kundengeldern und Kundenforderungen überdurchschnittlich um 12,2 Millionen Euro oder 5,9Prozent auf 219 Millionen Euro.

580 Kredite wurden neu bewilligt. Der Mitgliederbestand konnte um 76 auf 4 290 Mitglieder erhöht werden. Der Zinsüberschuss lag bei 5,8 Millionen Euro. Die Gewinn- und Verlustrechnung wies einen Bilanzgewinn von 300 368 Euro aus. Davon erfolgt eine Dividendenausschüttung an die Mitglieder von 6,25 Prozent, die sich aus 5-prozentiger Dividende und einer Jubiläumsdividende von 1,25 Prozent zusammensetzt.

Werner Bückendorf scheidet nach 21 Jahren aus

Für das Geschäftsjahr 2016 und 2017 erwartet die Bank einen unverändert harten Wettbewerb im Kundengeschäft. Wenn Finanzinstitute Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, kostet das mittlerweile 0,4 Prozent Strafzins. Das Geld im Tresor zu horten, könne ein neues Geschäftsmodell sein, mutmaßte Kemper. Trotz der Einflussfaktoren erwartet die Raiffeisenbank eine weiterhin positive regionale Wirtschaftsentwicklung und ein moderates Wachstum des Geschäftsvolumens.

Um dies zu erreichen, konzentriere man sich darauf, dem veränderten Kundenverhalten gerecht zu werden. „Immer und überall“ sei das Schlagwort. Hilfe solle jederzeit möglich sein, denn Internetfilialen hätten längst mehr Kunden als die Filialen vor Ort. „Wir werden alle Mitarbeiter weiterhin brauchen, aber an veränderten Orten mit anderen Aufgaben“, so Kemper.

Glückwünsche zum Jubiläum überbrachte auch Henner Geil im Namen der IHK Marburg-Kassel. „Die Raiffeisenbank eG hat die Menschen auf dem Weg zum Wohlstand begleitet“, lobte er die 125-jährige Tradition und überreichte die IHK-Ehrenurkunde.

Norbert Kempf, Abteilungsleiter des Genossenschaftsverbandes, überbrachte nicht nur Glückwünsche. Er verabschiedete auch das Aufsichtsratsmitglied Werner Bückendorf, der nach 21 Jahren aus Altersgründen nicht wiedergewählt werden konnte. Für ihn wurde der ebenfalls aus Ebsdorf stammende Fuhrunternehmer Markus Cloos gewählt. „Aufsichtsratsmitglieder sind das Bindeglied zwischen der Bank und den Bürgern, gesunder Menschenverstand, Verankerung in der Region, Rat- und Impulsgabe sowie strategisches Mit- und Weiterdenken sollten sie auszeichnen“, betonte Kempf. Als Aufsichtsrat bestätigt wurden Walter Lemmer und Heinz-Hermann Nau-Bingel.

von unseren Redakteuren

Der Aufsichtsrat und Vorstand der Raiffeisenbank: Harald Emmerich (von links), Heinz-Hermann Nau-Bingel, Walter Lemmer, Friedhelm Kemper, der scheidende Werner Bückendorf, Walter Horn und Markus Cloos. Privatfoto
 
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