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Sommerflaute bremst Markt leicht aus

Arbeitslosenzahlen Sommerflaute bremst Markt leicht aus

Die Sommerflaute macht sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: In vielen Unternehmen läuft der Betrieb auf Sparflamme, und viele Schulabgänger melden sich arbeitslos.

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Die Agentur für Arbeit verzeichnet auch Nachfrage nach Flüchtlingen – doch die Politik hat „die Weichen noch nicht gestellt“.

Quelle: Felix Kästle / dpa

Marburg. 2,796 Millionen Menschen waren in Deutschland ohne Job, wie die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mitteilte. Das waren 23.000 mehr als im Juli – der Anstieg fiel aber verhaltener aus als sonst im Sommer üblich. Behördenchef Frank-Jürgen Weise sagte daher: „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin günstig: Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind im August saisonbereinigt gesunken, das Beschäftigungswachstum hält an.“

Die späten Schulferien haben auch den hessischen Arbeitsmarkt im August belastet. 181.106 Personen waren arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Dienstag berichtete. Das waren knapp 3200 mehr als im Juli, aber auch 9000 weniger als vor einem Jahr.

Im Landkreis hat die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat leicht zugelegt: 5133 Menschen waren im August ohne Job, das sind 202 Personen oder 4,1 Prozent mehr als im Juli. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen jedoch auch im Landkreis: Um 241 Personen oder 4,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,9 Prozent und damit um 0,3 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Zeitarbeit für Flüchtlingen nicht erlaubt

Zuwächse gab es beispielsweise in der Gruppe der Schwerbehinderten mit einem Plus von 1,6 Prozent. „Das ist noch nicht so gewaltig“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Marburger Agentur für Arbeit. Gravierender sei indes die Zunahme bei den Ausländern mit einem Plus von 10,3 Prozent. „Allerdings gibt es bei dieser Personengruppe auch bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Anstieg um 3,9 Prozent“, so Breustedt.

„Wenn man beides zusammennimmt, dann sieht man: Das hat was mit Zuwanderung zu tun“, ordnet Breustedt ein – „und auch mit Prozessen, die lange dauern. Denn wer glaubt, er geht mal eben durch die Erstaufnahmeeinrichtung und stolpert ständig über Atomphysiker, der ist schlecht beraten“, sagt er.

Denn es seien auch viele Helfer dabei – „und da macht uns die Vorrangprüfung die Arbeit nicht einfacher“. Die Agentur müsse zunächst prüfen, ob nicht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job vorhanden sei – erst danach dürfen Flüchtlinge eingestellt werden.

„Und wir dürfen überhaupt nicht in die Zeitarbeit vermitteln – das sind Beschränkungen, die so ein Stück weit der Realität hinterherhinken“, sagt Breustedt. Es gebe sowohl Zeitarbeitsfirmen als auch Betriebe, die Helfer einstellen würden, „aber sie dürfen nicht, weil politisch die Weichen noch nicht in diese Richtung gestellt sind“.

Biedenkopf setzt auf Qualifizierung

„Spitzenreiter“ bei der Arbeitslosigkeit ist weiterhin der Geschäftsstellenbezirk Biedenkopf: Dort liegt die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent, 1074 Personen suchen dort einen Job, „da suchen wir die Arbeitslosen schon fast mit der Lupe“, so Breustedt. In Stadtallendorf liegt die Quote bei 4,0 Prozent, was 1274 Arbeitslosen entspricht, und in Marburg suchen 2785 Menschen Arbeit – eine Quote von 4,2 Prozent.

„Damit liegen wir gemeinsam mit der Agentur Bad Hersfeld-Rotenburg auf Platz eins in Hessen“, sagt der Agentur-Chef. „Das ist zwar ein toller Erfolg – macht unsere Arbeit aber nicht leichter, denn die Arbeitslosen sind schwerer zu vermitteln.“ Daher setze man auch weiterhin verstärkt auf Qualifizierung.

Neu arbeitslos meldeten sich 1603 Personen, das waren 129 oder 8,8 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Nach vorheriger Erwerbstätigkeit meldeten sich 644 Personen arbeitslos, 37 oder 6,1 Prozent mehr als im August 2014, 139 Personen oder 27,5 Prozent mehr als im vergangenen Juli. Gleichzeitig konnten sich 1389 Personen aus der Arbeitslosigkeit abmelden. Das waren 84 oder 5,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Durch Aufnahme einer Erwerbstätigkeit konnten in diesem Monat 548 Personen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 45 oder 7,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Erstmals seit Jahresbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II des Kreisjobcenters wieder angestiegen – auf 2959, im Vergleich zum Juli ein Plus von 92 Personen oder 3,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat sank die Zahl indes um 91 Personen oder 3,0 Prozent.

Fründt: Junge Leute werden bald Arbeit finden

„Wie zu dieser Jahreszeit durchaus üblich, ist die Arbeitslosigkeit im August angestiegen. Blickt man auf die August-Werte der Vorjahre, zeigt sich aber insgesamt weiterhin eine positive Entwicklung. Auch die Arbeitslosenquote im SGB II ist so niedrig wie noch nie in einem August. Und das, obwohl es, insbesondere bei den Jugendlichen, die die Schule oder Ausbildung beendet haben, deutliche Zugänge gab“, sagte Landrätin Kirsten Fründt.

„Junge Leute, die nach ihrer Ausbildung zunächst nicht übernommen wurden, werden bald eine neue Stelle finden. Als Fachkräfte haben sie die besten Chancen. Andere müssen die Zeit bis zum Start des Studiums oder der weiterführenden Schule überbrücken. In dieser Gruppe dürfte die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden Monaten dann auch zurückgehen“, so die Landrätin. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist in diesem Monat zurückgegangen.

Im Vergleich zum Vormonat reduzierte sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 73 oder 1,2 Prozent auf 6263. Verglichen mit dem Vorjahresmonat bedeutet dies aber einen Anstieg um 20 oder 0,3 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten ist im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang um 101 oder 1,2 Prozent auf 8147 Personen zu registrieren. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 0,4 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Anstieg um 36 Personen.

von Andreas Schmidt

 

 
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