Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Solarthermie führt ein Schattendasein

Firmen Wagner Solar und Awasol Solarthermie führt ein Schattendasein

Um die Solarthermie – also das Erhitzen von ­Wasser mittels Sonnenenergie – ist es in den ­vergangenen Jahren ruhig geworden. Zu Unrecht, wie auch heimische ­Politiker finden.

Voriger Artikel
Debelius ehrt „Vorzeige-Mitarbeiter“
Nächster Artikel
Ehrung für „erfahrene Spieler“

Michael Fina (von links), Sören Bartol und Andreas Knoch in der Produktionshalle bei Wagner Solar mit einem Solarthermie-Kollektor.

Quelle: Andreas Schmidt

Kirchhain. Bei seiner „Sommertour“ informierte sich der heimische Bundestagsabgeordnete Sören Bartol (SPD) kürzlich bei der Firma Wagner Solar über den Stand der Dinge. Denn nach der Insolvenz des heimischen Solarpioniers ist das Unternehmen nach der Übernahme durch einen holländischen Investor (die OP berichtete) mittlerweile wieder in ruhigeren Fahrwassern angekommen.

Zwei Jahre zuvor war Bartol bereits mit Sigmar Gabriel zu Gast im Unternehmen – „damals hat sich schon angedeutet, was in Sachen EEG passieren wird“, sagt Andreas Knoch, Leiter Vertrieb und Technik bei Wagner Solar. Kurze Zeit später waren neue Regelungen für Solarstrom beschlossen worden: Weniger Einspeisevergütung, das Erheben der EEG-Umlage auch auf selbstgenutzten Solarstrom. „Es gab eine Überförderung“, sagt Sören Bartol.

Von der anschließenden „Solarkrise“ war auch Wagner betroffen, es folgte – auch aus anderen Gründen – die Insolvenz. „Wir haben einen drastischen Marktrückgang erlebt“, bringt es Knoch auf den Punkt.

Markt für Solarthermie entwickelt sich rückläufig

Mittlerweile liegt der Schwerpunkt bei Wagner Solar wieder auf der Solarthermie – im Werk in Kirchhain stellt das Unternehmen Kollektoren her. „Aber auch der Markt entwickelt sich immer weiter zurück – obwohl es sich bei der Solarthermie um eine etablierte Technologie handelt, die mit allen Wärmeerzeugern kombiniert werden kann“, sagt Knoch.

Die Ursachen sieht Knoch darin, dass die Solarthermie „medial und in der Wahrnehmung der Menschen immer noch im Schatten der Photovoltaik steht. Viele Menschen sehen, dass die Förderungen bei der Photovoltaik gekürzt wurden und übertragen das auf die Solarwärme, was aber totaler Quatsch ist“.

Denn im Frühjahr sei die Förderung für solarthermische Anlagen sogar angehoben worden. „In bestimmten Fällen gibt es sogar eine ertragsabhängige Förderung – das kommt unseren Kunden besonders zugute, weil unsere Kollektoren besonders effizient sind und sie daher mehr Fördergeld bekommen“, sagt Knoch. „Die Förderlage ist also gut – nur weiß es keiner“, fasst er zusammen.

Bis vor wenigen Jahren undenkbar

Die Solar-Industrie alleine sei allerdings nicht in der Lage, dies zu drehen. Daher gab er Bartol mit auf den Weg, die Politik möge „das Wärmethema wieder mehr in den Vordergrund stellen“. Einen neuen Weg zur Erwärmung von warmem Wasser geht das Cölber Unternehmen „Awasol“. Das Unternehmen wurde von drei ehemaligen Eignern der „Wagner & Co. Solartechnik“ gegründet – Geschäftsführer ist Namensgeber Andreas Wagner.

Das Unternehmen hat ein System der solar-elektrischen Warmwasserbereitung entwickelt. Anders, als bei der herkömmlichen Solarthermie, bei der der Kollektor das Sonnenlicht direkt in Wärme umwandelt und über ein Rohrsystem eine Pumpe die Wärme zum Speicher bewegt, wird das Sonnenlicht in Strom umgewandelt – und damit der Warmwasserspeicher aufgeheizt.

„Das war bis vor wenigen Jahren noch undenkbar, denn es wäre viel zu teuer geworden“, erläutert Andreas Wagner. Doch da die Kosten für Solarmodule stark gesunken seien, sei diese Technik nun interessant. „Wir öffnen wieder einen Markt, der ein bisschen aus dem Fokus gefallen ist“, so Wagner.

Vom Dach führt nur ein Stromkabel weg

Der Vorteil laut Wagner: Es könne auf viele Bauteile, die bei der Solarthermie nötig seien, verzichtet werden – wie etwa Umwälzpumpe, Solarflüssigkeit, Rohrleitungen zum Dach und mehr. Dadurch entstünde eine vereinfachte Installation, da vom Kollektor nur ein Stromkabel zum Wasserspeicher im Keller oder Abstellraum geführt werden müsse.

„Das System ist für den kleinen bis mittleren Warmwasserbedarf konzipiert – von etwa 50 bis 150 Liter pro Tag“, so Wagner. Das sei für Einfamilienhäuser oder Appartements interessant – „aber auch für Mehrgeschosswohnungsbauten, die jetzt noch auf Etagenheizungen setzen“. Das mache das System gerade für Marburg interessant.

Davon ist auch Marburgs Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) überzeugt. Daher war er bei der Vorstellung des Systems dabei, um zu erläutern, dass das System, das zu Preisen ab knapp 2000 Euro erhältlich ist, durch das Förderprogramm der Stadt Marburg mit 500 Euro bezuschusst wird – so wie andere solarthermische Anlagen, die zur Warmwasserbereitung dienen.

von Andreas Schmidt

Marion Kühn (von links), Jan Stasik, Andreas Wagner, Franz Kahle und Theo Pauly mit einem Photovoltaik-Kollektor der Firma Awasol, dessen Strom Wasser aufheizt. Foto: Andreas Schmidt
 
Förderung
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst thermische Solarkollektoranlagen – sowohl im Gebäudebestand als auch im Neubau, und das von 500 Euro fix bis hin zu 200 Euro je Quadratmeter Kollektorfläche. Weitere Infos unter www.bafa.de.
Auch die Stadt Marburg fördert den Einsatz regenerativer Energien: Solarthermische Anlagen für die Warmwasserbereitung werden mit 500 Euro bezuschusst, für Anlagen, die auch die Heizung unterstützen, gibt es 1000 Euro. Mehr im Internet unter
www.klimaschutz-marburg.de.
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr