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„Smartphone ist Grundausstattung“

Breitband-Camp „Smartphone ist Grundausstattung“

„Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“, sagte der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset beim Breitband-Camp des Regionalmanagements Mittelhessen in Marburg.

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Der Wirtschaftsphilosoph Anders Indset bei seiner Rede.

Quelle: Nico Arnold

Marburg. Herkömmliche Arbeitsweisen, aber auch klassische Unternehmensstrukturen profitieren vom Hochgeschwindigkeits-Internet.

Das Breitband-Camp sollte die Perspektiven aufzeigen, die durch den Breitbandausbau im Landkreis Marburg-Biedenkopf, aber auch in der Region Mittelhessen entstehen. Zielgruppe sei neben den ansässigen Unternehmen auch der „normale“ Bürger, wie Manuel Heinrich von der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH berichtete.

„Das Highspeed-Internet eröffnet uns völlig neue Möglichkeiten“, so Heinrich. „Teilweise sind diese jetzt schon nutzbar, andere werden zukünftig in den Fokus rücken.“

„Faktor Mensch“ muss in Wirtschaft verankert sein

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag des Wirtschaftsphilosophen Anders Indset. Der gebürtige Norweger bot einen breiten Überblick über aktuelle Entwicklungen in der digitalen Wirtschaft und Gesellschaft. Er betonte den hohen Stellenwert, den das Internet in weiten Teilen der Weltbevölkerung einnimmt.

„In Indien gehören Internet und Smart-
phone zur Grundausstattung der Menschen. Gleichzeitig gibt es in den armen Privathaushalten kaum Toiletten“, erklärte Indset. Durch weltweite Vernetzung und Urbanisierung prognostizierte er auch für Europa langfristig einen starken Bevölkerungszuwachs – entgegen dem wissenschaftlichen Konsens, der aufgrund des demographischen Wandels ein Schrumpfen der westlichen Gesellschaften sieht.

Ziel müsse es sein, neben der Digitalisierung den „Faktor Mensch“ in der Wirtschaft fest zu verankern. Empathie und Vertrauen seien für moderne Kommunikation unerlässlich. Dies ist laut Indset auch ein Grund, mehr Frauen für wichtige Positionen zu gewinnen. „Männer reden zu anderen Menschen. Frauen reden mit ihnen“, so der Wirtschaftsphilosoph.

Tobias Walter betonte Wichtigkeit des schnellen Netzes

Eine ähnliche Thematik behandelte der Vortrag von Wolfram Sauer vom Business-Netzwerk XING. Er gab einen Ausblick auf die Veränderung gängiger Unternehmensstrukturen und Arbeitswelten. Diese bestünden für Unternehmen im Wesentlichen im Abbau klassischer Hierarchien und einer Aufwertung der individuellen Arbeitskraft. Digitalisierung, Fachkräftemangel und die spezifischen Bedürfnisse der „Generation Y“ seien die Triebkräfte dieser Entwicklung.

„Die Angestellten fordern von ihren Arbeitgebern zunehmend Partizipationsmöglichkeiten und haben höhere Ansprüche als früher“, erzählte Sauer. „Durch den Fachkräftemangel müssen wir uns als Unternehmen inzwischen bei potenziellen Mitarbeitern bewerben, nicht mehr andersherum.“

Den direkten Bezug zum Thema Breitbandausbau stellte Tobias Walter vom Unternehmen C+P Möbelsysteme her. Er betonte besonders die Wichtigkeit des schnellen Netzes für die Wirtschaft. „Der Breitbandausbau ist unerlässlich für die moderne Unternehmenskommunikation“, betonte der Marketingleiter des Breidenbacher Unternehmens. Die Kommunikation mit anderen C+P-Niederlassungen – auch im Ausland – benötige ebenso ein gut ausgebautes Netz wie die Kommunikation mit Kunden.

Wissen soll im Hörsaal 
nur noch gefestigt werden

Für Professor Jürgen Handke, erst kürzlich vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit dem „Ars-legendi-Preis für exzellente Hochschullehre“ für seine innovativen Leistungen im Bereich des Digitalen Lehrens und Lernens ausgezeichnet, sind zum Beispiel Smartphones in seinen Veranstaltungen eher Herausforderung als Ärgernis. Er stellte den Zuschauern sein Unterrichts- und Lehrmodell des „inverted classroom“ vor.

Dieses sieht vor, Internet und Online-Angebote zur Grundlage des Studiums zu machen. Dort solle der Wissenserwerb der Studenten stattfinden, während es im Hörsaal durch Diskussionen und interaktive Lehrformen nur noch gefestigt werde.

„Die Hochschulen hängen in alten Strukturen. Professoren sind heutzutage nicht mehr Gralshüter des Wissens“, begründete Handke sein Modell. „Indem wir das Lernen außerhalb des Hörsaals legen, respektieren wir die Alltagswirklichkeit der jungen Studierenden.“ Bei der Realisierung dieses Lehrmodells brauche es selbstverständlich eine schnelle Internetanbindung für größere Datenvolumen – an der Hochschule wie auch in den Studentenhaushalten.

von Nico Arnold

Professor Jürgen Handke stellte beim Breitband-Camp in Marburg sein jüngst ausgezeichnetes Lehrmodell „Inverted Classroom“ vor. Foto: Tilman Lochmüller / Regionalmanagement Mittelhessen
 
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