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Siemens spielt Ball an Zulassungsbehörde weiter

Partikeltherapie-Zentrum Siemens spielt Ball an Zulassungsbehörde weiter

Die moderne Partikeltherapieanlage ist weiterhin ein „Siemens-Labor“ auf den Lahnbergen, das nur spezialisierte Techniker betreten dürfen. Das Unternehmen will die Anlage abbauen lassen.

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In welche Richtung geht es mit der Partikeltherapie in Marburg? Das Partikeltherapiezentrum ist weiterhin für die Öffentlichkeit geschlossen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Streit um die neuartige Krebsbehandlung an der Uniklinik in Marburg verlangen die Grünen von der hessischen Landesregierung, den Abbau der Anlage nicht zu genehmigen. Die Marburger Grünen kritisieren, dass der Abbauantrag nach der Wahl kam. Dies sei „entweder eine indirekte Wahlhilfe des Konzerns für die CDU, oder das CDU-Ministerium hat diese Information bereits vor der Wahl gehabt, sie aber nicht weitergegeben, um die Wahlchancen nicht zu beeinträchtigen“. Der Hersteller Siemens, der den Mietvertrag bereits vor einigen Wochen bei Rhön gekündigt hatte, reichte am Mittwoch den Antrag zum Abbau der Anlage beim hessischen Umweltministerium ein (die OP berichtete).

Als Betreiberin des privatisierten Uniklinikums Gießen-Marburg hatte sich das Rhön-Klinikum verpflichtet, die Anlage bis Ende 2013 in Betrieb zu nehmen. Land und Rhön erklären weiterhin, man wolle ab 2014 Patienten in der Anlage behandeln lassen. Dazu gebe es Gespräche, unter anderem mit dem Heidelberger Uni-Klinikum, das eine ähnliche Anlage für Patientenbehandlung betreibt. Siemens hatte bereits 2011 den Ausstieg aus dem Projekt beschlossen und die Anlage von Rhön zurückgekauft. Seitdem wurde dort, im Siemens-Labor, geforscht, wie Dr. Matthias Krämer, Sprecher des Unternehmens, im OP-Gespräch erklärte.

Nachdem der Mietvertrag gekündigt worden sei, war es logisch, dass auch ein Antrag auf Abbau gestellt werde, betonte der Sprecher. Das Land habe dem Unternehmen signalisiert, dass es etwa sechs Monate dauern könnte, bis über die Genehmigung entschieden werde. In der Zwischenzeit werde die Anlage im „Erhaltungsbetrieb“ weiterlaufen. Im PTZ werden also weiterhin Siemens-Mitarbeiter im Einsatz sein, auch wenn das Unternehmen kein Mieter mehr ist.

Siemens-Sprecher Krämer dementierte Gerüchte, wonach die Anlage in Marburg abgebaut werden soll, um sie nach Shanghai zu bringen. In Shanghai sei derzeit eine ähnliche Anlage derzeit im Aufbau, erklärte Krämer. Keine Angaben machte der Sprecher zur Frage, was Siemens mit der Marburger Partikeltherapieanlage vor hat, sollte der Abbau genehmigt werden.

Das Uni-Klinikum in Heidelberg bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der OP, dass derzeit Gespräche mit dem Rhön-Klinikum zur Bildung einer möglichen gemeinsamen Betriebsgesellschaft für das PTZ laufen. Nähere Angaben zum Stand der Gespräche wollte Sprecherin Dr. Annette Tuffs aber nicht machen.

Nach Informationen der OP hängt die Zukunft der Anlage derzeit von mehreren Faktoren ab. Wer wird in Hessen die Regierung stellen? Wird die verkleinerte Rhön AG ein betriebswirtschaftliches Konzept für die Anlage vorlegen wollen oder können? Fakt ist, Siemens darf die Anlage nur als Forschungsanlage betreiben, für den Patientenbetrieb müsste eine Klinik die Verantwortung übernehmen.

von Anna Ntemiris

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