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Siemens kündigt Mietvertrag für PTZ

Rhön Siemens kündigt Mietvertrag für PTZ

Die Sorge um die Zukunft des Partikeltherapiezentrum auf den Lahnbergen wächst.

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Das Partikeltherapiezentrum auf den Lahnbergen: Bald braucht es einen Plan B für die ausgezeichneten Räumlichkeiten des PTZ.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Nach gesicherten Informationen der OP hat Siemens zum 30. September diesen Jahres den Mietvertrag für das Partikeltherapiezentrum in Marburg gekündigt. Dann wären nicht nur keine Patienten und Mediziner dort mehr vorzufinden, sondern auch keine Physiker oder Ingenieure, die bislang an der Anlage geforscht haben.

Der Rückzug von Siemens ist allerdings keine wirkliche Überraschung, denn bekannt war, dass das Unternehmen bis zum Ende diesen Jahres seine Forschungstätigkeiten dort abschließen wollte - Siemens will eine ähnliche Anlage in Shanghai verkaufen. Siemens-Sprecher Dr. Matthias Krämer wollte auf Anfrage der OP keine Stellungnahme zu dem Thema abgeben.

Auch der standortübergreifende Geschäftsführer am UKGM, Dr. Gunther K. Weiß, wollte weder bestätigen noch dementieren, dass der Klinik-Betreiber Rhön als Besitzer des Gebäudes bald keine Mieter mehr hat.

Offen bleibt nun die Frage, ob das Partikeltherapiezentrum in Marburg ab Januar - in welchem Modell auch immer, etwa durch eine Kooperation mit Heidelberg - in Patientenbetrieb genommen werden kann. Die hessische Landesregierung hat Rhön noch bis Januar Zeit gegeben, um die Anlage zu eröffnen. Weiß erklärte: „Wir setzen alles daran, die Verpflichtungen einzuhalten“. Der Klinik-Betreiber bemühe sich weiterhin, die Anlage ab Januar 2014 in Betrieb zu nehmen und stehe in dieser Frage in regelmäßigem Austausch mit der Landesregierung.

Antrag auf Abbau der Anlage bisher nicht gestellt

Der Sprecher des Hessischen Wissenschaftsministeriums, Dr. Günther Adolphs, erklärte auf Anfrage der OP, ein Antrag von Siemens auf atomrechtliche Genehmigung für den Abbau der Anlage liege in Wiesbaden nicht vor. „Und das heißt im Moment: Die Anlage kann nicht abgebaut werden“, sagte Adolphs.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Thomas Spies hat von der Kündigung des Mietvertrags gehört, wollte die Nachricht aber noch nicht endgültig einordnen.

Beschäftigte des Universitätsklinikums Gießen und Marburg dagegen sind in heller Aufregung. Sie befürchten, dass die Aufkündigung des Mietvertrags der Startschuss für den Abbau der Anlage bedeutet.

Zum Hintergrund: Zwischen 2006 und 2011 errichtete die Firma Siemens die Anlage für rund 120 Millionen Euro, die die Rhön-Klinikum AG als Betreiber des privatisierten Uni-Klinikums kaufte. Im Juli 2011 erklärten Rhön und Siemens, dass sich eine Partikeltherapie nicht rechne. Siemens nahm die Anlage zurück und erstattete den Kaufpreis. Seitdem arbeiteten dort vorwiegend Physiker und Ingenieure von Siemens an der technischen Weiterentwicklung. Landesregierung und UKGM-Besitzer Rhön-AG hatten in einem „letter of Intend“ (gemeinsame Absichtserklärung) im Januar neben anderen Vorhaben erklärt, man halte an dem Ziel fest, dass spätestens zum Jahreswechsel Patienten in dem Partikeltherpaiezentrum behandelt werden. Einziger Haken an dieser Vereinbarung: Siemens müsste die Anlage zurückgeben. Und der Siemens-Konzern, siehe oben, äußert sich nun einmal nicht zu seinen geschäftglichen Vorhaben. Die Landesregierung bot mehrfach eine „Moderation“ in Gespräch zwischen Rhön und Siemens an, hat aber ansonsten in der Frage des Patientenbetriebs keinen Einfluss. Experten des Heidelberger Ionenstrahl-Therapierzentrums hatten im März von einem „Zeitfenster“ für die Abwendung des Abbaus bis zum Sommer gesprochen.Die Sorge um die Zukunft des Partikeltherapiezentrum auf den Lahnbergen wächst.

von Anna Ntemiris und Till Conrad

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Rhön-Klinikum AG
Ein Mann liegt am GSI Helmholtz-Zentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt auf einer Liege, auf der Tumorpatienten mit der Partikeltherapie behandelt wurden. Am GSI wurde das Verfahren wissenschaftlich entwickelt. Die technische Anlage kam von der Firma Siemens. Foto: dpa

Nachdem die OP über eine mögliche Einigung über das Partikeltherapiezentrum zwischen den Konzernen Rhön und Siemens berichtete, erklärte Oberbürgermeister Egon Vaupel, dass er nun von mehreren Seiten „positive Signale“ vernehme.

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