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Projekt will „stille Reserve“ aktivieren

„Service Center Migration Marburg“ Projekt will „stille Reserve“ aktivieren

Mit dem „Service Center Migration Marburg“ will der Verein „Arbeit und Bildung“ nicht nur Chancen für Migranten bieten, sondern gleichzeitig auch Potenzial für den Arbeitsmarkt erschließen.

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Heiderose Knapp (von links), Rainer Dolle, Volker Breustedt, Steffen Rink, Elena Gavrilova und Melanie Weiß-Böcher stellten das Projekt „Service Center Migration Marburg“ vor.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, für das „Arbeit und Bildung“ nun von der Arbeitsagentur gefördert wird: Mit dem „Service Center Migration Marburg“ (SCMM) will der Verein gezielt Migranten, die weder von der Arbeitsagentur noch vom Kreisjobcenter Leistungen erhalten, wieder in Arbeit bringen.

Der Fachkräftemangel sei hoch – und biete somit Chancen für Migranten, wieder oder erstmals in der Arbeit Fuß zu fassen. Denn sie seien eine ­
„stille Reserve“, die jede Menge Potenzial für den Arbeitsmarkt hätten – gleichzeitig verbessere sich auch die Situation der ­Migranten.

Laut Rainer Dolle, dem Geschäftsführer von „Arbeit und Bildung“, war es ein langer Weg, bis das SCMM auf den Weg gebracht war. „Die Idee hatten wir schon vor dreieinhalb Jahren“, erläutert Dolle. Damals habe der damalige Leiter der Migrationsabteilung, Christian Hendrichs, die Idee gehabt, bei der Debatte um Fachkräftemangel auch auf Migranten zu setzen.

Analyse stand am Beginn der Bemühungen

„Wir sind zwar nicht der Problem­löser für den Fachkräftemangel der Wirtschaft“, so Dolle. „Doch Hendrichs hat damals schon erkannt, dass sich der Fachkräftemangel gut mit der Idee von Arbeit und Bildung verknüpfen lässt, Menschen, die zu den Randgruppen gehören, in Lohn und Brot zu bringen“, erläutert Dolle.

Da man auf Förderung vonseiten der Arbeitsagentur hoffte, mussten zahlreiche Details erörtert werden. „Als ich Agenturleiter Volker Breustedt die Idee vorgestellt habe, habe ich in ihm einen interessierten, aufgeschlossenen Partner gefunden“, erläutert Dolle. Es folgte­ eine detaillierte Analyse: Wie viele Migranten gibt es im Landkreis? Wer ist in Arbeit, wer im arbeitsfähigen Alter?

Das waren nur einige der Fragen, die vorab erörtert wurden, gestützt durch eine Dokumentation des Projekts. „Zugleich wurde festgelegt, wie viele Migranten aufgesucht und letztendlich auch in sozialversicherungspflichtige­ Arbeit vermittelt werden“, so der Geschäftsführer.

Weg in die Arbeit 
fördert die Integration

Innerhalb des auf zwei Jahre­ festgelegten Projekts werde man mit 300 Menschen arbeiten, erläutert Projektleiter Steffen Rink, „aber wir werden mit wesentlich mehr Menschen Kontakt haben“, ist er sich sicher. Denn theoretisch liege das Potenzial bei bis zu 3000 Personen. Agenturleiter Volker Breustedt verdeutlicht: „Unsere Intention ist es, Menschen, die bisher nicht in Beschäftigung waren, in Arbeit zu bringen.“

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liege derzeit im Landkreis bei 88 390 – „vor allem bei Frauen mit Migrationshintergrund gibt es aber noch Potenzial“, weiß Heiderose Knapp, Wiedereinstiegsberaterin bei der Arbeitsagentur. „Diese kann man mit dem Programm sehr gut erreichen“, glaubt sie.

Volker Breustedt sieht noch weitere Punkte: So fördere das Programm die Integration, „eine bessere Integration als den Weg in Arbeit gibt es eigentlich nicht“, sagt er. Wenn es dann gelinge, „Menschen, die etwas können, nicht daheim sitzen zu lassen, dann haben wir unser Ziel erreicht“.

Dabei gehe es nur am Rande­ um Flüchtlinge, „sondern um Migranten – durchaus auch mit deutschem Pass, die sonst den Weg in Arbeit aus verschiedenen Gründen nicht finden“. Die Zielvereinbarung sieht vor, mindestens 30 Menschen 
in ­sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bringen.

Weitere 60 müssen qualifiziert oder weitergebildet werden, 30 Praktika mit dem Ziel der Arbeitsaufnahme sind festgeschrieben, 30 weitere Menschen müssen in eine schulische Höherbildung vermittelt werden.

Unterstützung soll 
Hürden beseitigen

Und wie sollen die Ziele erreicht werden? Man wolle den Migranten ein „niedrigschwelliges Angebot“ machen. „Dazu gehört es auch, dass wir die Personen gezielt aufsuchen und den Kontakt beispielsweise über Beratungsstellen oder Treffpunkte herstellen – genauso, wie in Kirchen und Moscheen“, erläutert Elena Gavrilova. Die „Aufsuchende Arbeit“ spiele also eine wichtige Rolle – die Menschen vor Ort aufzusuchen und nicht zu warten, dass sie von alleine kommen.

Die Teilnehmer erhalten Unterstützung bei allen auftretenden Fragen von Arbeitsaufnahme, Qualifizierung, Praktikum oder bei der Beseitigung anderer Hürden für den Eintritt in den Arbeitsmarkt. Auch gibt es eine Begleitung, wenn andere­ Stellen eingebunden werden müssen. Flankiert wird das Projekt mit einer Beratung zur beruflichen Orientierung und einer Stärkung der Selbstkompetenz ebenso, wie von Sprachkursen.

Hinzu kommen Hilfen in puncto EDV und Bewerbung ebenso, wie bei Fragen nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen und Abschlüssen. Zudem soll es auch eine nachhaltige Begleitung nach erfolgreicher Beschäftigungsaufnahme erfolgen.

von Andreas Schmidt

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