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Sepa verändert den Zahlungsverkehr

Bankgeschäfte Sepa verändert den Zahlungsverkehr

Das Bankgeschäft wird europäischer: Für 32 Länder gelten künftig einheitliche Zahlungsregeln. Experten von Sparkasse und Volksbank erklären, was Kontoinhaber jetzt schon wissen sollten.

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Marburg. Das kleine Malta hat 21. Norwegen nur 15. Deutschland liegt mit 22 im Mittelfeld: Auch wenn sich 32 Staaten Europas zu einem einheitlichen Zahlungsverkehr verpflichtet haben, haben die einzelnen Länder weiterhin unterschiedliche Kontonummernlängen. Ab dem 1. Februar 2014 gilt Sepa verbindlich: Alle Zahlungen werden in den 32 Ländern nach den gleichen Regeln behandelt. „Viele Kunden sagen, ich habe doch nichts mit dem Ausland zu tun. Aber Sepa gilt auch für den nationalen Zahlungsverkehr. Das Thema betrifft jeden“, sagt Marcus Sann, Sepa-Experte bei der Volksbank Mittelhessen. Das bestätigt Heinrich Aillaud von der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Der durchschnittliche Bankkunde muss nichts veranlassen, sondern zunächst die neue Kontokennung IBAN beachten: In Deutschland sind es die besagten 22 Ziffern. Die IBAN besteht aus dem Länderkennzeichen (DE), den zwei Prüfziffern (wird zugewiesen), der achtstelligen Bankleitzahl (je nach Bank) und der zehnstelligen Kontonummer (siehe Grafik). Diejenigen, die bisher eine Kontonummer mit weniger als zehn Ziffern hatten, fügen eine oder mehrere Nullen hinzu, um auf zehn zu kommen. Eigentlich ganz einfach – wenn man sich daran gewöhnt hat, sagen die Banken.

IBAN existiert bereits seit 2008. „Doch die Deutschen nutzen bisher lieber noch das bisherige System. Doch ab Februar muss jeder seine IBAN-Nummer verwenden“, betont Aillaud. Kunden finden ihre IBAN auf den Kontoauszügen, im Online-Banking oder auf neuen Geldkarten. Der Austausch der Karten erfolge nach und nach, erklären Volksbank und Sparkasse. Bis zur Umstellung im Februar 2014 gibt es derzeit neben IBAN auch die BIC-Nummer als die internationale Bankleitzahl. Die „provisorische“ BIC wird in anderen EU-Ländern spätestens Februar 2016 eingestellt.

Jeder Lastschrifteinreicher braucht Gläubiger-Nummer

Wer mit Kredit- oder EC-Karte zahlt, bewegt sich nicht im Sepa-Raum – noch nicht. „Die Handels-Lobby hat eine Fristverlängerung bis zum 1. Februar 2016 erreicht“, erklärt Aillaud. Kaum noch Zeit haben dagegen all diejenigen, die Lastschriften einreichen. Ob Energieversorger, Telefongesellschaft, Sportverein oder Vermieter: Wer regelmäßig Geld von anderen Kontoinhabern einzieht, muss sich „ab jetzt“, so Sann, mit Sepa befassen, um für den Stichtag 1. Februar 2014 gerüstet zu sein.

Denn Lastschriftvordrucke werden künftig nicht mehr gelten. Jeder, der eine Lastschrift einreicht, muss sich – und das ist wichtig – zunächst eine Gläubiger-Identifikationsnummer besorgen. Dies geht nur über einen Online-Antrag bei der Deutschen Bundesbank unter http://glaeubiger-id.bundesbank.de. „Derzeit dauert die Bearbeitung maximal 48 Stunden, der Antrag ist wirklich einfach“, sagt Sann. Im Prinzip könne auch jede Privatperson eine solche Identifikationsnummer erhalten.

Neben der Gläubiger-ID benötigt ein Lastschrifteinreicher künftig auch ein Sepa-Mandat. Was sich für den Laien wie eine anwaltliche Tätigkeit anhört, ist aber nichts weiter als ein „Auftrag“: Das Mandat ersetzt die bisherige Einzugsermächtigung und berechtigt den Zahlungsempfänger den fälligen Betrag vom Kunden oder Mieter einzuziehen. Derzeit müssen Lastschrifteinreicher, ob große Firmen oder kleine Vereine, sich also darum kümmern, Mandate einzuholen. Die Banken raten den Kassierern und Buchhaltern folgenden Weg: Jeder Kunde oder Mitglied sollte in einem Schreiben darauf hingewiesen werden, dass die bisherige Einzugsermächtigung in ein Mandat umgewandelt und künftig an einem bestimmten Tag die Summe X abgebucht wird. Kurzum: Es muss sauber erklärt werden, dass die Einzugsermächtigung nun als Sepa-Mandat gilt.

Schulungen von Vereinskassierern

Viele Kreditinstitute haben für Vereine – als Serviceleistung für Kunden – entsprechende Vordrucke vorbereitet. Ein Verein informiert darin unter anderem über seine Gläubiger-ID, die Mandatsreferenz (bekommt jedes Mitglied) und das Umstellungsdatum. Jede Sepa-Lastschrift hat ein Umstellungsdatum. Neu ist auch, dass der Lastschrifteinreicher den Zahlungspflichtigen vorab über den Einzug informieren muss. „Der Zahlungspflichtige soll Zeit haben, für die Deckung seines Kontos zu sorgen“, erklärt Aillaud den Hintergrund dieser Neuregelung. Bei wiederkehrenden Lastschriften mit gleichen Beträgen, wie etwa Miete oder Mitgliedsbeitrag, reicht eine einmalige Aufstellung. Was ist aber mit denjenigen, die regelmäßig unterschiedliche Beträge einziehen? „Der ein oder andere hat kreative Lösungen gefunden, ansonsten müsste er jedes Mal eine neue Vorabankündigung über die Lastschrift schreiben“, weiß Sann.

Ihm ist ein Fall außerhalb des Landkreises bekannt, in dem ein Kindergarten-Träger ein EC-Terminal aufgestellt hat. Denn die Eltern haben – je nach Essensversorgung und Betreuungszeit ihrer Kinder – monatlich unterschiedliche Beträge zu zahlen.

Sparkasse und Volksbank haben in den vergangenen Wochen Vereinsmitglieder und Unternehmer in Workshops bereits über Sepa informiert. Zu den Sparkassen-Veranstaltungen kamen mehr als 600 Vereinskassierer, die Volksbank informierte 1300 Personen. Weitere Veranstaltungen stehen an.

Die wichtigsten Begriffe

Die Bank-Sprache wird englischer, die Überweisungsträger ändern sich ab Februar 2014. Schon jetzt kann man Sepa-Formulare finden. Viele Kreditinstitute, so auch die Sparkasse Marburg-Biedenkopf, werden aber auch nach Februar 2014 weiterhin alte Überweisungsformulare akzeptieren.

  • SEPA ( Single Euro Payments Area) ist der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum
  • IBAN (International Bank Account Number): Internationale Bankkontonnummer:
  • BIC (Business Identifier Code): Internationale Bankleitzahl
  • Sepa-Mandat: Das ist die Ermächtigung zum Lastschrifteinzug.
  • Gläubiger-Identifikationsnummer: Diese dient der Identifikation eines Lastschrifteinreichers unabhängig von seiner Bankverbindung. Die Länge beträgt in Deutschland immer 18 Stellen. Sie kann ausschließlich bei der Deutschen Bundesbank im Internet beantragt werden unter http://glaeubiger-id.bundesbank.de.

von Anna Ntemiris

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