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Seidel geht ins Zeitalter des Lichts

LED-Lampen für Ikea Seidel geht ins Zeitalter des Lichts

Das mittelständische Marburger Familienunternehmen Seidel produziert am Standort Fronhausen jetzt auch LED-Leuchtmittel. Der größte Abnehmer wird die schwedische Möbelkette Ikea sein.

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Fronhausen. Die Firma Seidel, die Verpackungen für hochwertige Kosmetikartikel herstellt, startet in eine neue Ära: Ihr neu gegründetes Tochterunternehmen Carus produziert unter dem Dach der neuen Halle von Seidel in Fronhausen Leuchtmittel mit LED-Technik. Mehr als 20 Millionen Leuchten sollen im Jahr 2015 das Werk verlassen. Ein Großkunde wird die schwedische Möbelkette Ikea sein, die nach Informationen der OP die Leuchten in ganz Europa verkaufen möchte.

Foto: Nadine Weigel

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Dr. Andreas Ritzenhoff, Inhaber des Unternehmens, erklärte am Dienstag Produkte, die zu Energiewende beitrügen, sollten in Deutschland, „im Land der Energiewende hergestellt werden“ und nicht mit Containerschiffen aus Asien hin und her transportiert werden. „Ich glaube, dass Deutschland die Kraft hat, Hightech-Produkte zu verkaufen“, sagte Ritzenhoff. Mit den neuen Lampen könne man im Vergleich zu herkömmlichen Birnen bis zu 85 Prozent Material sparen.
 Das Bundesumweltministerium fördert das Licht-Projekt der Marburger Firma mit fünf Millionen Euro. Der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesumweltministeriums Florian Pronold (SPD) sagte gestern in Fronhausen: „Heute ist ein Tag, an dem echte Innovation stattfindet.“ Seidel schaffe nicht nur neue Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region, sondern trage auch zur Energiewende in Deutschland bei.

 „Licht ist lebensnotwendig und schön“, sagt Dr. Andreas Ritzenhoff, Geschäftsführer und Inhaber des Familienunternehmens Seidel, das seit 184 Jahren in Marburg besteht. Das passe zu den bisherigen Kunststoff- und Aluminium-Produkten, die die Marburger Firma für die Kosmetikbranche herstellt. Ein Besuch der Weltleitmesse für Lichttechnik, der Light and Building in Frankfurt 2012, gab den Anstoß für das neue Geschäftsfeld.

„Die Messe war voller Beleuchtungsprodukte mit LED-Technik und alle boten noch große Reserven in Sachen Material­effizienz auf“, berichtete Ritzenhoff gestern bei der Eröffnung der Produktionsanlage. Eine intelligente Entwicklung könnte höhere Qualität mit weniger Materialeinsatz liefern, dachte sich Ritzenhoff. Seine Mitarbeiter aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bestätigten die These und machten sich ans Werk.   
In der ersten Fertigungslinie werden LED-Lampen in den vier klassischen Glühbirnenformen hergestellt.

Die Lampen sehen also aus wie „alte“ und bieten gewohntes warmes Licht. Bei drei Stunden täglicher Nutzung soll die Birne 25 Jahre lang halten, verspricht der Hersteller. Auf der zweiten Fertigungslinie sollen unterschiedliche Lampentypen in variablen Stückzahlen hergestellt werden. In diesem Jahr sollen eine Million LED-Leuchten pro Monat das Werk in Fronhausen verlassen. Dort war vor einem Jahr ein Produktionsgebäude neu eröffnet worden. Ab 2015 sollen es mehr als 20 Millionen pro Jahr sein. In Fronhausen werden verschiedene Bauteile entwickelt und hergestellt und mit den Chips kombiniert. Das alles machen modernste Robotersysteme. Auch die Verpackung erfolgt in Fronhausen.

„Jemand, der die Chinesen angreift“

Ritzenhoff machte bei der Einweihung vor rund 200 geladenen Gästen aus Politik, Universität und Wirtschaft auch deutlich, dass sein Projekt auch eine wirtschaftspolitische Bedeutung hat. Denn bisher sind in erster Linie die Chinesen erfolgreich mit der Herstellung solcher LED-Lampen. „Als jemand, der die Chinesen angreift, wird man streckenweise für verrückt erklärt“, sagte Ritzenhoff. Doch „wir glauben, dass wir damit erfolgreich sind“. Mit den Seidel-Leuchten kommen Produkte

„Made in Germany“ auf den deutschen und europäischen Markt, Erfolg verspricht das Geschäft mit den Schweden. Denn Ikea wird die Birnen in sein Sortiment aufnehmen und somit kommen weitere Seidel-Produkte in die Haushalte vieler EU-Bürger, die sich für 4 bis 5 Euro je Stück eine solche Birne kaufen. Der Großabnehmer Ikea wird nach Informationen der OP die Leuchten in den nächsten Tagen in sein Sortiment aufnehmen. Der Laie wird nicht bemerken, ob es eine Seidel-Birne ist oder nicht. Die Treiber kommen allerdings aus Asien, ganz ohne chinesische Elektronik-Teile geht es nicht. Die neuen Lampen sind zirka 60 Prozent leichter als herkömmliche. Damit können jährlich Einsparungen von 260 Tonnen Aluminium, 20 Tonnen Zinn, 40 Tonnen Kupfer und 10 Tonnen Kunst- und Klebstoffen erreicht werden, erklärt das Unternehmen. Das Bundesumweltministerium fördert daher das Neun-Millionen-Euro-Projekt der Marburger Firma mit fünf Millionen Euro.  

Statt der klassischen 40- oder 60-Watt-Birne rentiere sich heute eine 8,6-Watt-LED-Lampe als Leuchtmittel. Der Stromverbrauch liege bei fast 15 Prozent der alten Birne. Da Wege aus Asien vermieden werden, könnten durch eine schnelle Verbreitung der sparsamen Produkte jährlich 550 000 Ton-nen Kohlenstoffdioxid-Emissionen bei den Endkonsumenten vermieden werden, heißt es. Insgesamt hat das Unternehmen 650 Arbeitsplätze, mit dem zweiten Standbein entstehen zunächst 50 neue Stellen. Weitere sollen ab dem nächsten Jahr folgen.

von Anna Ntemiris

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