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Sechs Prozent mehr in der „Lohntüte“

UKGM Sechs Prozent mehr in der „Lohntüte“

Nach einem 13-stündigen Verhandlungsmarathon einigten sich das Universitätsklinikum und Verdi auf eine Anhebung der Löhne in zwei Schritten sowie eine Einmalzahlung von 200 Euro.

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Vor zwei Wochen streikten Beschäftigte am UKGM in Marburg für mehr Lohn. Laut Verdi bekommt nun nach der Tarifeinigung künftig keiner weniger als 9,83 Euro pro Stunde.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Tarifvereinbarungen sind immer Kompromisse, sagt Georg Schulze-Ziehaus. Der Verhandlungsführer der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi berichtet daher weder euphorisch noch enttäuscht über das Ergebnis, dem die Tarifkommission am Montag „mit großer Mehrheit“ zugestimmt habe. Er sei aber zufrieden, weil sich das Ergebnis im Vergleich zum Niveau anderer Kliniken sehen lassen könne.
„Trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage des UKGM konnte ein branchenüblicher Abschluss erzielt werden“, so Schulze-Ziehaus. Der Mindestlohn für einen Beschäftigten ohne Ausbildung oder weitere Qualifikation liegt zum Beispiel künftig bei 9,83 Euro pro Stunde. Eine Krankenschwester mit 15-jähriger Berufserfahrung bekomme ein Monatsgehalt von 3000 Euro brutto.

  • Mit Anhebungen um gestufte Festbeträge ab Mai dieses Jahres und weitere 2,5 Prozent ab Januar 2014 steigen die Entgelte der rund 6500 nichtärztlichen Beschäftigten im Universitätsklinikum Gießen-Marburg und der UKGM Service-Gesellschaft um durchschnittlich knapp sechs Prozent.
  • Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung von 200 Euro für jeden nichtärztlichen Mitarbeiter.
  • Beschäftigte mit befristeten Verträgen im Pflege- und Funktionsdienst erhalten unbefristete Arbeitsverträge, wenn sie zum Zeitpunkt des Tarifabschlusses länger als drei Jahre im Uniklinikum arbeiteten.
  • n Weitere 236 Mitarbeiter am Klinikum, die in nicht an den UKGM-Tarif gebundenen Gesellschaften beschäftigt sind, werden in tarifliche Beschäftigungsverhältnisse übernommen. Dies betrifft alle Servicebereiche mit Ausnahme der Reinigung, für die Verdi und UKGM keine Einigung erzielen konnten.
  • Die Zahlungen des UKGM in die zusätzliche Altersversorgung des Klinikums werden auf Grundlage einer Sonderreglung der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) befristet reduziert. Nach OP-Informationen zahlt das UKGM in den nächsten 32 Monaten nur die Hälfte in die VBL-Kasse ein. Um diese Änderung zu bewirken, bedarf es laut VBL-Satzung einer wirtschaftlichen Notlage, die von unabhängigen Wirtschaftsprüfern als solche festgestellt werden muss. Nach OP-Informationen ist dies der Fall gewesen. Das UKGM darf nun weniger Geld für die betriebliche Altersversorgung der Mitarbeiter in Pflege, Technik oder Verwaltung ausgeben.

Sozialversicherungs- und Steuerbeträge werden gesenkt. Der Arbeitnehmer hat dadurch am Monatsende netto sogar mehr auf dem Konto. Und das UKGM kann das eingesparte Geld für die Tarifsteigerung nutzen. Nach Informationen der OP war die betriebliche Altersversorgung eines der umstrittensten Themen bei den Verhandlungen. Es geht für das UKGM um Millionenbeträge, für die Mitarbeiter um die Versicherung im Rentenalter.

Eine Einigung konnte erzielt werden, weil die UKGM-Beschäftigten nun einen Ausgleich erhalten. Das Niveau der betrieblichen Altersversorgung wird erhalten, erklärt Verdi. Der Arbeitgeber zahlt nämlich 1,4 Prozent mehr in eine zusätzliche Altersversorgung – in eine kapitalgedeckte Lebensversicherung, die seit 2008 besteht. Unterm Strich: „Das Geld geht von der linken Tasche in die rechte“, sagt Marita Kruckewitt von Verdi Mittelhessen.

  •  Die Laufzeit des Vergütungstarifvertrags soll zwei Jahre betragen und endet am 31. Dezember 2014. Danach muss neu verhandelt werden.
  •  Dem ausgehandelten Kompromiss müssen nun noch die Gremien auf Seiten der Arbeitgeber und der Gewerkschaft zustimmen. Verdi wird seine Mitglieder im Mai befragen, ob sie dem Ergebnis zustimmen. Beide Tarifparteien haben bis zum 24. Mai Zeit, ihr endgültiges Votum abzugeben. Die UKGM-Geschäftsführung hatte am Freitag erklärt, das Gesamtergebnis biete Planungssicherheit für den Weg der notwendigen Konsolidierung des UKGM.

von Anna Ntemiris

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