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„Schwer nachzuvollziehen, was da läuft“

Fusionspläne von Peugeot und Opel „Schwer nachzuvollziehen, was da läuft“

Die mögliche Übernahme des deutschen Autoherstellers Opel durch den Französischen PSA-Konzern sorgt für Aufregung in Wirtschaft und Politik. Die heimischen Autohändler sehen das mit gemischten Gefühlen.

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Peupel? Ogeot? So  könnte es jedenfalls aussehen, wenn Peugeot und Opel zu einem verschmelzen. Lokale Autohändler sind ob der Fusionspläne skeptisch:

Quelle: Collage: Ricarda Schick

Marburg. „Ich fände es erst einmal schade, wenn so eine Traditionsmarke wie Opel verschwinden würde“, sagt Engelbert Schwitalla. Er ist Geschäftsführer vom Autohaus Schwitalla in Marburg, das Autos von Peugeot und Citroen, also den Marken des französischen PSA-Konzerns verkauft.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass das französische Automobilunternehmen die Übernahme von Opel plant, das derzeit zum amerikanischen Autobauer General Motors (GM) gehört. Nach Informationen des „Handelsblatt“ sind die Verhandlungen schon sehr weit fortgeschritten und könnten innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen sein.

Doch was passiere, wenn es so käme, sei derzeit überhaupt noch nicht abzusehen, erklärt Schwitalla. „Ich kann nicht beurteilen, was dann mit der Marke Opel geschehen würde, ob sie so wie jetzt weiterbestehen oder vielleicht für eine Nische missbraucht würde. Es gibt bereits Spekulationen, nach denen sie dann etwa nur noch für Elektroautos existieren würde. Für uns Händler“, so Schwitalla, „ist das im Moment nur schwer nachzuvollziehen, was da läuft.“

So oder so sei ein potenzieller Opel-Kauf aus seiner Sicht „ein bisschen unverständlich“. Als Händler bekomme man für „Dinge, die wir an den Konzern rantragen“, kein Geld – Beispielsweise für die Außenreklame, die im Vertrag mit Peugeot und Citroen festgelegt ist. Früher sei das vom Fahrzeughersteller bezahlt worden, „heute ist das eine Kostenstelle bei uns“. Zudem habe man „vor zwei Jahren noch Angst gehabt, dass Peugeot selbst nach China verkauft wird“. Nun aber „fühlt sich derKonzern offenbar stark genug, Opel zu übernehmen“.

Kein Opel bei Schwitalla

Sollte es zu einem Abschluss des Deals kommen, werde er wohl aber trotzdem keine Opel-Fahrzeuge zum Verkauf anbieten. „Das wäre nicht meine Philosophie“, sagt Schwitalla. „Mit mehr als zwei Marken ist man meiner Meinung nach nicht mehr wirklich loyal. Für mich gehört aber auch eine gewisse Verbundenheit zu der Marke dazu, die man verkauft.“

Bereits jetzt kooperieren Peugeot und Opel bei einigen Modellen (etwa beim Opel Mokka X und dem Peugeot 3008). Da dort bereits Synergien bestünden, könne er Vorteile bei der Produktion nicht auf Anhieb erkennen. „Vielleicht kann man aber zusammen stärker auf dem Markt auftreten“, sagt Schwitalla. Peter Jung, Geschäftsführer des Autohauses Nau mit Filialen unter anderem in Marburg und Stadtallendorf, sieht das ähnlich. Er teilt daher auch nicht die Befürchtungen über einen möglichen Stellenabbau bei Opel.

Die derzeitige GM-Tochter hat in den Ländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen Werke mit zusammen rund 19 000 Mitarbeitern – die meisten davon in Rüsselsheim. Nach dem Bekanntwerden des Peugeot-Interesses hatte sich aus diesem Grund auch eine Vielzahl deutscher Politiker aus Bund und Ländern in die Debatte eingebracht und Stellengarantien für die Arbeitnehmer gefordert. Gestern einigte sich die deutsche Politik darauf, dass Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) Gespräche mit General Motors, den Gewerkschaften, dem Bieter PSA und dem französischen Staat (hält 14 Prozent an Peugeot-Citroen) koordinieren soll.

Aus Jungs Sicht eine unnötige Hysterie. „Es stört mich gewaltig, wie viele sogenannte Experten da schon negative Folgen heraufbeschworen haben“, sagt er. Dafür sei es „definitiv noch zu früh“. Ohnehin habe Opel sich bereits in den vergangenen Jahren „schlank aufgestellt“, sodass Stellenstreichungen nicht zu befürchtenseien – und falls doch, „dann eher bei Peugeot“, so Jung. „Die haben dreimal so viele Mitarbeiter, verkaufen aber nur doppelt so viele Autos“, rechnet er vor.

Besitzer „ist zweitrangig“

Aus Sicht des Opel-Händlers sei es „wichtig, dass wir gute Produkte zu guten Preisen anbieten können. Wem die Firma gehört, ist dabei zweitrangig“, erklärt er. „Ob der Besitzer amerikanisch oder französisch ist, kann uns ziemlich egal sein.“

Die Marke Opel sei derzeit auf einem guten Kurs, der Absatz in den vergangenen Jahren gewachsen. Zudem seien noch in 2017 neue Modelle angekündigt, „daher gehen wir davon aus, dass der Trend auch anhält“. Sollte es zu einer Loslösung von GM kommen, habe das möglicherweise sogar einen positiven Effekt, da Opel zum Teil sogar Teile fertige, die in Amerika unter der Marke Chevrolet verkauft würden.

Aus diesen Gründen „gefällt uns der Hype überhaupt nicht“, so Jung, denn der führe bei einigen Kunden zur Verunsicherung. „Im Verkaufsgespräch kann ich die dann natürlich ausräumen, aber zum ein oder anderen Gespräch kommt es vielleicht gar nicht.“

Falls der Verkauf an PSA eintrete, sei es denkbar, dass Nau auch Peugeot- oder Citroen-Autos anbiete. „Das war damals auch so, als GM Chevrolet in Europa verbreiten wollte. Da hat man uns gefragt, ob wir die Marke mit aufnehmen und wir haben das gemacht. Da sind wir aber komplett frei in der Entscheidung.“

von Peter Gassner

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