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Schwacher Rubel belastet Geschäfte

Moskauer Helaba-Chef Schwacher Rubel belastet Geschäfte

Nicht die EU-Sanktionen, sondern die Abwertung des Rubels, die Inflation, ist das Problem: Produkte aus Deutschland sind in Russland teurer geworden.

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Russische Rubel-Banknoten und Euro-Geldscheine: Die EU-Sanktionen gegen Russland sorgen für Exporteinbrüche, treffen die Wirtschaft aber weniger stark als die Inflation in Russland, sagte der Bank-Experte aus Moskau.

Quelle: Jens Büttner

Marburg. „Viele Menschen neigen in Freund-Feind-Bildern zu denken“, sagt Heinrich Steinhauer, Leiter der Repräsentanz der Helaba (Landesbank Hessen) in Moskau. Für einen ist der russische Präsident Wladimir Putin die „Inkarnation des Bösen“, für die anderen eine sympathische Polit-Größe.

„Das starre Festhalten an Freund-Feind-Bildern führt dazu, dass man unzuverlässige Risikoeinschätzungen hat“, sagte Steinhauer. Er lebt und arbeitet seit 17 Jahren in Moskau und schätzt regelmäßig Risiken ein – Risiken von potenziellen Geschäftsabschlüssen und Vertragspartnern.

In der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf sprach Steinhauer am Mittwochabend vor Kunden, die auch im Ausland tätig sind, zum Thema „Russland: Chance oder Risiko“. Zunächst gab Steinhauer seine Einschätzung über die Perspektive der Russen auf deutsche Firmen. „Deutsche Unternehmen genießen einen hervorragenden Ruf“, sagte er.

Geschäfte mit Deutschland bleiben gefragt

Die Kritik an Deutschland fokussiere sich hauptsächlich auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Politik, berichtete er. Er persönlich wolle kein Freund-Feind-Bild zerstören, sagte er diplomatisch und augenzwinkernd. Ungeachtet der politischen Spannungen und der EU-Sanktionen sei die deutsche Business-Community die mit Abstand größte in Russland. Geschäfte mit Deutschland seien gefragt.

Und um den guten Ruf der deutschen Firmen zu belegen, nannte er eine Zahl: Zweidrittel aller Klagen von deutschen Unternehmen gegen den Staat Russland gewinnen die Firmen. Hauptproblem in den deutsch-russischen Handelsbeziehungen seien nicht die Sanktionen, sondern die Abwertung des Rubels, erklärte der Helaba-Chef aus Moskau.

Die Einfuhr von EU-Gütern hat sich für die Russen massiv verteuert. Steinhauer rechnet weiterhin mit einem schwachen Rubel und niedrigen Erdölpreisen. Während sich deutsche Exporte nach Russland in etwa halbiert haben, habe sich die Anzahl der Anfragen bei der Helaba in Moskau fast verdoppelt, berichtet Steinhauer.

Der Grund: Russische Unternehmer seien zunehmend auf eine Finanzierung angewiesen, um ein Geschäft zu tätigen. Die Helaba hat mit deutschen Exporteuren, aber auch russischen Importeuren zu tun. Ihr direkter Vertragspartner sind aber meist russische Banken. „Diese können uns eine Einschätzung über den russischen Kunden geben“, so Steinhauer ( Foto: Ntemiris).

Stärken sieht Steinhauer in den „stabilen politischen Verhältnissen“, die in Russland vorherrschen. Denn trotz Krise ist das politische System seit Jahren konstant, die Infrastruktur sei entwickelt und die Staatsfinanzen seien solide. Zahlungsausfälle russischer Firmen seien selten zu erwarten, denn zuvor würde die russische Bank ein Risiko aussprechen.

Durch die Krise sei auch eine Reformbereitschaft gestiegen, die Steinhauer als Chance wertet. Rohstoffreichtum und ein hoher Bildungsgrad sind weitere Indikatoren, die als gute Grundlagen für Handelsbeziehungen gelten. Als Schwächen nannte der Experte einen geringen Diversifizierungsgrad der russischen Wirtschaft, Protektionismus, einen hohen staatlichen Einfluss auf die Ökonomie, Korruption und Probleme bei der Rechtsanwendung.

Er warnte aber auch vor Stigmatisierungen. „Russland hat nicht die Korruption erfunden.“ Die Entwicklung Russlands werde sehr stark von geopolitischen Themen – wie die Beziehungen zu Syrien, Türkei oder USA – beeinflusst, sagte der Experte in seinem Ausblick.

von Anna Ntemiris

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