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Schüler packen ihre Zukunft an

Aktionswoche Handwerk Schüler packen ihre Zukunft an

Holz sägen, Teig kneten, Haare schneiden: Vom 9. bis 13. September können Jugendliche Handwerksberufe in Theorie und Praxis kennenlernen. Die 14 Marburger Innungen informieren über Ausbildungsstellen.

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Bei der Aktionswoche Handwerk zeigen Profis aus der Region wie sie arbeiten und welche Maschinen sie bedienen. Die Jugendlichen dürfen dabei auch „mitarbeiten“. Archivfoto

Marburg. Das Smartphone können Jugendliche aus der Hand legen und dafür zu Hammer, Schere oder Säge greifen. Unter dem diesjährigen Motto „Nimm die Zukunft in deine Hände“ veranstaltet die Kreishandwerkerschaft Marburg vom 9. bis 13. September die „Aktionswoche Handwerk“. Auf dem Gelände der Kreishandwerkerschaft und des Berufsbildungszentrums in der Umgehungsstraße 1 können Jugendliche, aber auch interessierte Erwachsene, einen Einblick in 13 verschiedene Branchen bekommen.

Das Besondere dabei: Das Gelände wird zu einem großen Handwerksbetrieb mit allerlei Arbeitsgeräten. Ob mit Landmaschinen, Holzbauten, Puppenköpfen oder Farbtöpfen: Die Teilnehmer können ihre Fähigkeiten ausprobieren und sich von erfahrenen Meistern das Handwerk und den Umgang mit einfachen und schwierigen Werkzeugen zeigen lassen.

Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher rechnet mit bis zu tausend Teilnehmern. Dass sich ein Großteil von ihnen später für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet, wünschen sich die Innungen in Marburg. 908 Auszubildende waren im vergangenen Lehrjahr im heimischen Handwerk angestellt. 116 brachen ihre Ausbildung allerdings im Laufe des Jahres ab - aus unterschiedlichen Gründen. „Vielleicht weil auch einige nicht ausreichend informiert waren über den Berufsalltag. Daher ist es umso wichtiger, dass sich Jugendliche und ihre Eltern im Vorfeld beraten lassen“, so Limbacher. Derzeit gibt es noch fast ein Dutzend offener Lehrstellen bei Betrieben, die noch nicht über die Agentur für Arbeit Nachwuchskräfte gesucht hatten, so Limbacher.

„Angst vor der Wirklichkeit“

Die Aktionswoche findet zum zwölften Mal in Marburg statt und ist wie in den Vorjahren eine Herausforderung für die Innungen. Limbacher wies darauf hin, dass die Betriebe, die an der Aktion teilnehmen, ehrenamtlich arbeiten. „Der Begriff Ausbildungsbörse wird leider fast inflationär benutzt. Bei vielen so genannten Ausbildungsmessen können Interessierte sich oft nur über das Thema Bewerbung beraten lassen, mehr findet nicht statt. Die Aktionswoche ist dagegen eine zentrale Veranstaltung im Landkreis, bei der sich Jugendliche umfassend informieren können“, sagt Limbacher. Die Agentur für Arbeit, das Kreisjobcenter des Landkreises und das Staatliche Schulamt Marburg-Biedenkopf unterstützen die Aktion, wie deren Vertreter gestern bei einer Pressekonferenz deutlich machten.

Der Leiter der Agentur für Arbeit, Volker Breustedt, und der stellvertretende Schulamtschef Bernhard Drude, erklärten, dass längere „Schulkarrieren“ nicht unbedingt die Chancen auf einen guten Job erhöhen, sondern eine „solide und abgeschlossene Ausbildung“ eher von Vorteil seien. „Es gibt Jugendliche, die eine gewisse Angst haben, in die Wirklichkeit zu gehen und lieber im kuschligen Raum der Schule bleiben wollen“, so Drude, der vor seiner Beamtenlaufbahn eine Lehrstelle als Feinmechaniker absolviert hatte. Er kritisierte aber auch die Betriebe, die sehr hohe Anforderungen in ihren Stellenprofilen festlegen. Er betonte, dass die Schulen künftig die Jugendlichen besser auf die Berufswelt vorbereiten werden. „Sie müssen es, seit vergangenem Jahr ist dies per Verordnung verpflichtend“. Bernd Mönnich vom Marburger Stadtelternbeirat forderte auch Gymnasien auf, ihren Schülern mehr Berufsorientierung zu bieten und Praktika besser im Unterricht zu verankern. „Das Schnuppern in die Berufe allein reicht nicht aus, konkrete Erfahrungen sind wichtig“, so der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern.

„So ganz ist der Wandel des Handwerks bei vielen Jugendlichen noch nicht angekommen. Auch viele Eltern wissen nicht, dass man mittlerweile viele Karrieremöglichkeiten im Handwerk hat, dass man über den Meister hinaus noch mehr erreichen kann oder studieren kann. Daher ist es wichtig, mit solchen Aktionstagen auch Eltern zu informieren“, sagte Andrea Martin, Leiterin des KJC. Die Vorteile des Handwerks will auch Hartmut Pfeiffer, Obermeister der Zimmer-Innung, mehr als bisher betonen. „Im Gegensatz zu vielen Stellen in der Industrie hat das Handwerk meist geregelte Arbeitszeiten zu bieten. Wer ein Hobby hat oder sich ehrenamtlich engagiert, hat bei uns in der Regel abends oder am Wochenende dafür Zeit. Das ist nicht selbstverständlich“.

von Anna Ntemiris

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