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Dem „Marburg-Code“ auf der Spur

Schülerfirma entwickelt Kartenspiel Dem „Marburg-Code“ auf der Spur

Wie funktioniert Wirtschaft? Das erleben gerade 13 Schüler des Philippinums – sie haben die Schülerfirma „Code ­Games“ gegründet und wollen so ihr selbst entwickeltes Kartenspiel auf den Markt bringen.

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Die Schülerfirma „Code Games“ des Philippinums mit dem Vorstand Anna Habermann (vorne, ab Zweite von links), Tobias Höpp und Lorenzo Crepaz. Auf dem Monitor zeigen die Schüler Vorder- und Rückseite einer der selbst gestalteten Karten.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Nein, reich werden sie wohl nicht. Aber einen Gewinn wollen die Schüler mit „Code Games“ schon erwirtschaften: Zu Beginn des Schuljahres gründeten sie mit Projektlehrer Steffen Meier und unter den Auflagen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ihre Schülerfirma.

Das Projekt des IW lautet „Junior advanced“ und richtet sich an Schüler der Klassen 7 bis zehn. Neben einer beruflichen Orientierung soll „Junior advanced“ den Erwerb von Schlüsselqualifikationen wie selbstständiges, selbstverantwortliches Arbeiten und Teamwork fördern – und natürlich einen Einblick in die Wirtschaft ermöglichen.

„Wir stehen im ständigen Austausch mit dem IW, müssen Verträge oder Lohnzettel an sie schicken und bekommen dann immer Rückmeldung“, sagt Lorenzo Crepaz, Mitglied im dreiköpfigen „Vorstand“ der Firma. Auch die Buchführung wird von dem Institut kontrolliert – kommt es zu Problemen oder Verzögerungen, fallen, wie im richtigen Leben Mahngebühren an. Das Institut schickte im Vorfeld an „Code Games“ 90 Förderscheine – diese werden für einen Preis von jeweils 5 bis 10 Euro verkauft und bilden so das Startkapital.

Sehenswürdigkeiten 
und Kuriositäten vereint

Und dieses ist nötig, denn die Schüler haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie haben ein Kartenspiel entwickelt, das eine Art Schnitzeljagd durch Marburg ist. „Auf der Vorderseite ist ein Gebäude oder eine Sehenswürdigkeit zu sehen – mit einem Rätsel“, erklärt Vorstandsmitglied Tobias Höpp.

Auf der Rückseite findet sich ein erklärender Text. „Wenn man alle Rätsel gelöst hat, kann man ein Lösungswort auf der Homepage zum Spiel eingeben und bekommt ein Zertifikat als inoffizieller Stadtführer von Marburg“, so Höpp.

„Wir haben bewusst darauf geachtet, nicht nur bekannte Stationen wie die Elisabethkirche oder das Schloss abzudrucken, sondern etwa auch das erste Graffiti von Marburg“, ergänzt Anna Habermann. Dieses befinde sich auf einer Häuserwand am Marktplatz und lautet „Wählt Tillmann“, haben die Schüler herausgefunden – der Politiker der KPD starb ein einem Konzentrationslager, „der Schriftzug stammt also wohl aus den 30er-Jahren“, sagt Habermann.

Das Spiel soll sich in erster Linie an Touristen oder Studierende richten, doch auch Marburger würden bestimmt Neues entdecken, ist man sich bei „Code Games“ sicher. Verkauft werden sollen die 32 Karten mit 27 Stationen „für unter 10 Euro“, wie der Vorstand erläutert – wer einen Förderschein gekauft habe, solle einen Euro Rabatt erhalten.

Firma sucht noch Sponsoren

Der Druck der geplanten 200 Kartenspiele kostet um die 1000 Euro, außerdem bekommen die 13 „Mitarbeiter“ einen symbolischen Stundenlohn in Höhe von 25 Cent ausgezahlt. Also benötigt „Code Games“ Sponsoren oder Werbepartner, denn Spenden darf die Firma nicht an- und Kredite nicht aufnehmen. „Wir müssen also immer eine schwarze Null auf dem Konto haben“, sagt Höpp. Das Problem: Bisher wurde erst rund die Hälfte der Anteilscheine verkauft – die Firma braucht also Sponsoren. Drei haben die Schüler bereits gefunden: Die Druckerei L & W in Hartenrod, Optima Pharma in Mornshausen und den Ehemaligen-Verein der Schule.

„Wir suchen also noch weitere Sponsoren, die sich bei uns melden können“, sagt Lorenzo Crepaz. Außerdem wolle man beispielsweise in Geschäften via Aufstellern für das Kartenspiel werben. Und auch die Tourist-Info habe an einem möglichen Verkauf bereits Interesse signalisiert. „Auch beim Marburger Frühling wollen wir für das Spiel werben und informieren“, so Crepaz.

Ziel sei es, am Ende der Schülerfirma einen Gewinn zu erwirtschaften. Mit diesem wolle man gegebenenfalls den Stundenlohn geringfügig auf 50 Cent erhöhen und den Rest an den Förderverein oder den Ehemaligenverein spenden.

Zum Ende des Schuljahres muss die Firma wieder liquidiert werden. „Allerdings überlegen wir bereits, das Projekt im kommenden Schuljahr ohne den IW Köln weiterzuführen“, erläutert Lehrer Steffen Meier. „Dann könnte auch die Produktpalette erweitert werden.“

von Andreas Schmidt

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