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Schüco sorgt bei Start-up für Auftrieb

Marburger Unternehmen „Aludo“ Schüco sorgt bei Start-up für Auftrieb

Das Marburger Unter­nehmen „Aludo“, das 
in ­Elnhausen Luftreiniger herstellt, hat nun in ­Zusammenarbeit mit 
dem Fensterproduzenten ­Schüco ein neues Lüftungssystem entwickelt.

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Diplom-Ingenieur Lothar Schneider, Geschäftsführer der Aludo GmbH, mit zwei Luftreinigern und der Neuentwicklung, die in Kooperation mit Schüco entstand.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Gegründet wurde „Aludo“ im Jahr 2015, damals noch unter dem Namen „CL.AIR“ von Lothar Schneider ( die OP berichtete). Der Diplom-­Ingenieur beschäftigt sich bereits seit gut 20 Jahren intensiv mit Lüftungstechnik und war unter anderem maßgeblich an der Entwicklung von Passivhäusern beteiligt.

Mit seinem Start-up ging Schneider einen spannenden Weg: In Elnhausen produziert das Unternehmen kompakte, hochwertige Luftreinigungssysteme – und die wurden hauptsächlich für den chinesischen Markt entwickelt. Denn dort überschreiten mehr als 90 Prozent der 190 Städte, die ihre Luftwerte registrieren, die nationalen Grenzwerte für Feinstaub. Die Messwerte übersteigen die zulässige Höchstgrenze der Weltgesundheitsorganisation zum Teil um das 34-fache.

Im vergangenen Jahr ist nun viel passiert, wie Schneider berichtet. Deutlichstes Signal ist die Umfirmierung. „Die war nötig, weil es bereits in Schweden einen Online-Shop gibt, der ,clair‘ heißt – und in Korea einen Luftreinigerhersteller mit demselben Namen“, sagt Schneider.

Auch die Zusammensetzung des Unternehmens hat sich geändert: Michael Schwarz ist in das Unternehmen eingetreten. Er ist gemeinsam mit Schneider Gesellschafter und hat auch Prokura.

Aludo hält an Produktion 
in Elnhausen fest

Auch die Produktpalette hat das Unternehmen überarbeitet: So gibt es nun auch eine kleinere und günstigere Variante, es wurde ein Web-Shop aufgebaut, und Aludo hat nun auch einen Plasmareiniger entwickelt. „Bei diesem werden beispielsweise Viren und Bakterien oder der Kot von Hausstaubmilben sowie Pollen per Plasma auf molekularer Ebene zerstört“, erläutert Lothar Schneider. Auch Gerüche würden durch den Reiniger neutralisiert – und das zu nahezu 100 Prozent.

Zudem hat das Unternehmen ein dezentrales Lüftungssystem als „Push-Pull-System“ entwickelt, das durch die Kombination von Hepa-Filtern und einem keramischen Wärmespeicher die Wärmerückgewinnung ermöglicht.

„Unsere Aktivitäten in China haben wir ausgeweitet, außerdem wollen wir unsere Kontakte nach Korea und Indien ausweiten“, sagt der Geschäftsführer. Gleichwohl halte man an der Produktion in Elnhausen fest.

Spannendste Entwicklung im Unternehmen ist jedoch ein Auftrag des renommierten Fenster-Herstellers Schüco: „Mit dem Unternehmen haben wir nun gemeinsam ein Lüftungsgerät entwickelt, das in die Fenster eingebaut werden kann“, verdeutlicht Schneider. Die Anforderungen seien recht hoch gewesen – höher als bei einer dezentralen Lüftungsanlage: „Das Gerät muss den Belastungen standhalten, die auch ein Fenster aushalten muss“, sagt der Geschäftsführer.

Ampelsystem zeigt Verschmutzungsgrad an

Das heißt: Die Anlage muss Schlagregen aushalten können oder winddicht bis zu 600 Pascal Außendruck sein – das entspreche in etwa Windstärke elf. Zum Vergleich: Eine normale dezentrale Lüftungsanlage müsse lediglich 50 Pascal aushalten. Von außen sieht das Lüftungs-Element aus wie ein normales Fenster. Im ­Inneren hat es eine ­Zugangsklappe, um die Hepa-Filter wechseln zu können.

„Außerdem gibt es ein Display, das in einem Ampelsystem die Partikelbelastung im Raum anzeigt“, verdeutlicht Schneider. Sollte die Luftqualität außen zu schlecht sein, saugt das Gerät diese nicht mehr an, reinigt also nur noch die Luft im Innenraum. Ist die Luft innen zu schlecht, führt die Anlage Frischluft zu, „die ebenfalls gereinigt wird“.

Das System hält Energieverbrauch, Raumklima und Luftqualität so „auf einem optimalen Level“, wie Schneider betont – und das, wie bei allen Aludo-Geräten, mit einer geringen Lautstärke. Ein weiterer Vorteil der Neuentwicklung: „Durch die Druckfestigkeit lässt sich das System auch problemlos im 20. Stock einbauen.“ Ein Jahr lang habe die Entwicklung gedauert. „Die Zusammenarbeit mit Schüco ist eine tolle Referenz für uns, außerdem ist die Zusammenarbeit über Jahre angelegt – das gibt Sicherheit.“

Der Chef legt schon mal selbst Hand an

Insgesamt sieht Lothar Schneider das Unternehmen weiter auf einem guten Weg. „Die Verhandlungen in China laufen mitunter sehr zäh“, weiß er. Der Verkauf ließe sich mit günstigeren Preisen bestimmt ankurbeln, „aber wir wollen keine Abstriche bei der Qualität machen“, sagt Schneider. Man setze weiterhin auf hochwertige Produkte, die mit ihrer Langlebigkeit bestächen, darum gebe man auch fünf Jahre Garantie. „Wenn sich die Aufträge jedoch weiter so entwickeln, dann werden wir bald zusätzliche Leute einstellen“, hofft er.

So setze Aludo derzeit in der Produktion in Elnhausen hauptsächlich geringfügig Beschäftigte ein, „denn wenn die Produktion nicht ausgelastet ist, wollen wir auf keinen Fall Leute entlassen müssen“, sagt er. Schneider verdeutlicht: „Wir machen keinen Mitarbeitern Versprechen und entlassen diese wieder nach der Probezeit. Wenn wir Mitarbeiter einstellen, gehen wir eine soziale Verantwortung ein, die wir erfüllen möchten“.

Das führe auch dazu, dass die Geschäftsführer selbst Hand an den Akkuschrauber legen, „im Winter haben wir alle mitgebaut. Das ist eben Start-up – aber es ist auch schön“, lacht Lothar Schneider.

von Andreas Schmidt

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