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Schrotthändler prellt Finanzamt um 160.000 Euro

Aus dem Schöffengericht Schrotthändler prellt Finanzamt um 160.000 Euro

Das Schöffengericht hatte viele Zahlen vorzulegen: Der angeklagte Ex-Geschäftsmann räumte den Betrug in großem Stil ein.

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Ein Ex-Unternehmer legte vor Gericht ein Geständnis ab und bekam eine Bewährungsstrafe sowie Arbeitsstunden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Über Jahre hinweg manipulierte ein ehemaliger Metallhändler seine tatsächlichen Umsätze, fälschte Dokumente und hinterzog Steuern im sechsstelligen Bereich.

Die Quittung für die Zahlendreherei erhielt er vor Gericht. Dieses stellte fest, dass der damals in Marburg lebende Geschäftsmann Steuerverkürzungen von insgesamt rund 160.000 Euro zu verantworten hatte.

Im Jahr 2011 legte der Selbstständige die längst überfällige Umsatzsteuererklärung für die Jahre 2008 bis 2010 dem Finanzamt vor. Wie eine Prüfung seiner Bücher ergab, stimmten die steuerrelevanten Umsatzangaben seines Unternehmens jedoch bei Weitem nicht mit den tatsächlichen Verdiensten überein. Darüber hinaus reichte er fingierte Rechnungen ein, um sich weitere Steuererleichterungen zu sichern.

Unternehmer gab nur zehn Prozent des Umsatzes an

Vor Gericht legte der mittlerweile hoch verschuldete Ex-Unternehmer ein volles Geständnis ab, berichtete von einer erst steilen Karriere und dem anschließenden Absturz. Er machte sich erst im Jahr 2007 selbstständig, führte im Marburger Raum einen Großhandel für Altmaterialien und Reststoffe. In die Metallbranche sei er „so hineingerutscht“.

Er sammelte, kaufte und verkaufte unter anderem Altmetall, erzielte scheinbar schnell üppige Gewinne, wunderte sich Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel: Gerade beim florierenden Kupferhandel fiel so einiges ab, „da hatten Sie ja wohl meistens Glück“, fragte der Anklagevertreter genauer nach.

Dem stimmte der Beschuldigte zu, anfangs machte er sehr gute Geschäfte, „und dann kam die Wirtschaftskrise“. Seine alljährlichen Umsätze verschwieg er gegenüber dem Finanzamt, „wohl mit das Blödeste, was man machen kann“, kommentierte sein Verteidiger.

Zum Teil gab er lediglich zehn Prozent des tatsächlichen Jahresumsatzes an. So bestand sein tatsächlicher Umsatz aus dem Jahr 2009 aus rund 250.000 Euro, davon tauchten lediglich etwa 48.000 Euro in der Steuererklärung auf.

Parallel dazu verkürzte er die anfallende Einkommenssteuer. Für das folgende Jahr prellte er den Fiskus gar um ganze 85.000 Euro – „ein dicker Brocken“, fasste der Staatsanwalt diesen besonders schweren Fall zusammen.

Staatsanwalt stellt positive Sozialprognose

Mittlerweile sitzt der ehemalige Geschäftsmann auf einem großen Schuldenberg, wurde vor einigen Jahren endgültig zahlungsunfähig und gab sein Unternehmen auf. Das Insolvenzverfahren läuft bis heute.

Sein restliches Vermögen von rund 8000 Euro gab er damals noch für die Rückzahlung der üppigen Steuerschuld aus, bevor seine Finanzen eingezogen wurden, hob der Verteidiger hervor. Heute lebt der Arbeitslose in Bayern, habe nicht vor, sich erneut selbständig zu machen, beteuerte der Mandant.

Er stand indes nicht zum ersten Mal vor Gericht, musste sich bereits wegen Brandstiftung und Unterschlagung, zuletzt 2013 wegen dem Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Unfallflucht verantworten.

Seitdem sei jedoch „nichts Gravierendes passiert“, der Mann zudem sehr geständig, bescheinigte Sippel dem Steuersünder eine positive Sozialprognose und sprach sich für eine zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung aus. Als spürbaren Denkzettel setzte er noch 250 Stunden gemeinnützige Arbeit obendrauf.

Dem schlossen sich Verteidigung und Schöffengericht an. Eine Geldstrafe mache für den hoch verschuldeten Mann keinen Sinn, „damit soll es dann auch sein Bewenden haben“, schloss der Vorsitzende Richter Dominik Best. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

von Ina Tannert

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