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„Schön, wenn der Horror ein Ende hat“

Talkline-Ärger „Schön, wenn der Horror ein Ende hat“

Verzweiflung pur: Sandra Honecker aus Stadtallendorf hat vor einem guten halben Jahr ihren Vertrag beim Telefonanbieter Talkline gekündigt. Doch den kümmert das trotz Bestätigung wenig - er bucht immer weiter ab.

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Sandra Honecker scheint den Kampf mit Telefonanbieter Talkline endlich gewonnen zu haben: Das Unternehmen buchte trotz Kündigung monatlich Gebühren ab. Erst auf Anfrage der OP lenkte das Unternehmen endlich ein.

Quelle: Andreas Schmidt

Stadtallendorf. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, heißt es im Schiller-Gedicht „Das Lied von der Glocke“. Geprüft hat auch Sandra Honecker aus Stadtallendorf - und zwar ihren Handy-Vertrag beim Telefonanbieter Talkline. Die junge Mutter war nach vielen Jahren mit den Leistungen des Anbieters unzufrieden und kündigte demnach den Kontrakt. Fristgerecht, wie es so schön heißt.

Und das wurde von Talkline auch bestätigt: Am 3. Juni vergangenen Jahres erhielt Sandra Honecker ein Schreiben des Anbieters, in dem ihr bestätigt wurde, dass der Vertrag zum 30. September 2013 ende. Auch die erteilte Einzugsermächtigung laufe dann aus. Lediglich Gebühren, die vom Netzbetreiber nachträglich in Rechnung gestellt würden, müssten noch gezahlt werden. So weit, so gut, dachte sich Sandra Honecker.

Doch dann begann für die 42-Jährige „ein echter Psycho-Terror“, wie sie sagt. Denn: jeden Monat bucht das Unternehmen seither Beträge vom Konto der Stadtallendorferin ab.

Erste Abbuchung weckte noch keinen Argwohn

Die erste Kontobelastung fand am 28. Oktober statt: 9,97 Euro flossen an Talkline. „Da habe ich mir noch nichts gedacht, denn das konnten ja die nachträglich gemeldeten Gebühren gewesen sein“, sagt Honecker.

Doch am 26. November kam die nächste Abbuchung: Erneut 9,97 Euro. Diesen Betrag konnte die Frau nicht nachvollziehen - also ließ sie das Geld von der Bank zurückbuchen. Prompt reagierte Talkline mit einem Schreiben: Die Lastschrift habe nicht eingelöst werden können, man werde den Betrag mit der nächsten Rechnung erneut einziehen.

Sandra Honecker hatte indes bereits im Internet recherchiert und in verschiedenen Diskussionsforen erfahren, dass man seine Sim-Karte an den Anbieter zurücksenden müsste, da diese nur gemietet sei. Davon konnte sie zwar in ihrem Vertrag auch im Kleindgedruckten nichts finden, doch sie schickte die Karte via Einschreiben an das Unternehmen.

Doch die nächste Abbuchung erfolgte am 20. Dezember: zu den „üblichen“ 9,97 kamen 7,45 Euro Bearbeitungsgebühr wegen der zurückgebuchten Lastschrift - macht 17,42 Euro. Zehn Tage später landete jedoch eine Gutschrift über 9,97 Euro auf dem Konto - und Sandra Honecker dachte, dass nun endlich alles erledigt sei.

Dennoch schrieb sie an Talk-line und forderte auch die Bearbeitungsgebühr zurück. Denn: „Ich will doch nicht für deren Fehler bezahlen“, sagt sie. Telefonisch sei eine Kontaktaufnahme mit dem Anbieter unmöglich gewesen: „Dazu muss man seine Handynummer angeben. Und die hatte ich ja nicht mehr, ich bekam immer die Ansage, die Nummer sei ungültig.“ Es kam, wie es kommen musste: Im Januar buchte Talkline wieder ab, Honecker ließ den Betrag zurückbuchen und ging zur Verbraucherzentrale. „Dort hat man mir geraten, auf keinen Fall zu zahlen“, erzählt sie. Doch im Februar schrieb das Unternehmen sie an, dass das Konto nach Rücksendung der Sim-Karte durch die Rücklastschriften mit 13,40 Euro weiter im Soll sei. „Der Druck war zu hoch, ich habe wieder bezahlt“, erklärt sie - wieder in der Hoffnung, nun endlich in Ruhe gelassen zu werden.

Beschwerde führt nur scheinbar zum Erfolg

Am 24. Februar kam jedoch die nächste Abbuchung - diesmal über 7,45 Euro. Es folgte ein Beschwerde-Fax mit erneuter Kündigung der Einzugsermächtigung - dieses beantwortete das Unternehmen mit einem erneuten Bestätigungsschreiben am 17. März. Darin heißt es: „Ihre bei uns hinterlegte Bankverbindung haben wir bereits deaktiviert, weitere Abbuchungen werden nicht erfolgen.“ Sandra Honecker: „Ich habe gejubelt: Endlich hatte der Horror ein Ende.“

Dachte sie. Denn genau eine Woche später, am 24. März, kam die nächste Abbuchung. Diesmal „genehmigte“ sich der Telekommunikationsanbieter gleich 14,90 Euro, die Sandra Honecker prompt wieder zurückbuchen ließ.

In ihrer Verzweiflung wandte sich die Frau an die OP. Auf Nachfrage garantierte das Unternehmen, man werde „den Fall so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Da ist ja wohl was grundlegend schief gelaufen“, sagte Pressesprecher Rüdiger Kubald.

Detaillierte Auskünfte dürfe er uns aus Datenschutzgründen nicht erteilen. Er versprach aber, dass man sich mit Sandra Honecker nach Prüfung des Falls schriftlich in Verbindung setzen werde. Das Schreiben ist am Montag bei der Stadtallendorferin eingegangen. Darin heißt es, dass Talkline den Fall geprüft habe und man die Abbuchung vom 24. März nach dem jüngsten Brief bedaure.

Es habe sich „um automatische Prozesse“ gehandelt, die man nicht mehr habe stoppen können. Die zu viel belasteten Beträge habe das Unternehmen „intern ausgebucht“, das Konto der Kundin weise nun ein Guthaben von 13,40 Euro auf, die man überweisen werde. Danach seien alle gegenseitigen Ansprüche abgegolten, versichert Talk-line.

„Am Montag war das Geld tatsächlich auf dem Konto“, sagte Sandra Honecker gestern auf Nachfrage der OP. Prinzipiell höre sich die Sache „gut an, es wäre schön, wenn der Horror wirklich ein Ende hätte“, sagt sie. Doch dem Frieden traut sie noch nicht, denn: „Es wurde uns ja schon mehrfach mitgeteilt, dass alles erledigt sei.“ Aber wenn im Mai wirklich nichts abgebucht werde, „dann habe ich es wohl endlich geschafft“.

von Andreas Schmidt

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