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Schoeller entlässt 40 Angestellte

Schock für Mitarbeiter Schoeller entlässt 40 Angestellte

Das Unternehmen Schoeller Electronics wird zum 1. März rund 40 Mitarbeiter entlassen. Als Grund gibt die Firmenleitung starke Umsatzeinbrüche in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld an.

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300 Meter, dann rechts: Vielen Mitarbeitern der Firma Schoeller Electronics hat dieses Schild den Weg zur Arbeit gezeigt. Zum 1. März wurden 40 Mitarbeiter des Unternehmens gekündigt.

Quelle: Andreas Schmidt

Wetter. „Schoeller Electronics hat sich im oberen Segment der Leiterplattenherstellung positioniert“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Winkelmann. Diese Nische sei zwar weniger umkämpft als der breite Massenmarkt. Dennoch habe das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr Umsatzeinbußen in Höhe von etwa 10 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das liege auch daran, dass Hersteller, die bisher eher in der Masse produziert hätten, nun in die Fertigung hochkomplexer Produkte einstiegen.

„Die Großserienproduktion verschiebt sich zunehmend nach Asien“, so Winkelmann. Und da könne der europäische Markt nicht mithalten. Winkelmann verdeutlicht: „Schoeller Electronics hat die Anpassung an die Marktgegebenheiten bereits vor einigen Jahren vorgenommen und setzt die Ausrichtung als Nischenanbieter konsequent weiter um.“ So habe das Unternehmen alleine in den vergangenen beiden Jahren 3,6 Millionen Euro in moderne Produktionsanlagen und Automatisierung investiert.

Der Hersteller ist nach eigenen Angaben Technologieführer im Bereich der starrflexiblen Leiterplatten sowie im Wärme­management. Zahlreiche Patente besitzt das Unternehmen in diesem Sektor, bedient mit seinen Produkten hauptsächlich die Medizintechnik, die Luftfahrt, die Industrieelektronik und die Telekommunikationsindustrie.

Gerüchte über möglichenVerkauf des Unternehmens

„Vor allem in der Industrieelektronik und der Telekommunikationsindustrie wurden die geplanten Absatzzahlen jedoch nicht erreicht“, so Winkelmann. Dies sei der Wirtschaftskrise geschuldet - und bleibe nicht ohne Wirkung auf den Leiterplattenhersteller. Daher sei der Abbau von Arbeitsplätzen unumgänglich.

Gemeinsam mit Betriebsrat und IG Metall sei ein Sozialplan erarbeitet worden, „nach einem Punktesystem, das die Kriterien der Mitarbeiter genau erfasst“, erläutert Winkelmann. Die Mitarbeiter würden in eine Transfergesellschaft der PEAG aus Dortmund wechseln, um sie dort für mindestens sechs und maximal zwölf Monate weiter zu qualifizieren. Dieser Zeitraum entspreche der doppelten Kündigungsfrist. „Die Mitarbeiter durchlaufen ganz individuell nicht nur eine Qualifizierung, sondern bekommen auch etwa Bewerbungstraining.“

Große Kritik gibt es hingegen von Seiten der IG Metall und des Betriebsrats. „Die Menschen sind verunsichert und verärgert, weil sie schon in der Vergangenheit auf viel verzichtet haben“, sagt Heinz Schütte-Schrage von der IG Metall Mittelhessen. Aufgrund der eingesehenen Zahlen wisse er, dass der Finanz-Investor Nord-Holding jährlich acht bis zehn Prozent aus dem Unternehmen ziehe.

Betriebsrat kann Sozialplan nicht durchsetzen

„Daher kann Schoeller keinen soliden Grundsockel bilden.“ Man habe die Befürchtung, dass sich das Unternehmen sukzessiv aus der Produktion zurückziehe. Dafür spräche auch, dass vor allem Mitarbeiter aus der Produktion entlassen wurden. „Da liegt der Verdacht nahe, dass eventuell ein Verkauf vorbereitet wird“, so Schütte-Schrage. Zähneknirschend habe man als Gewerkschaft in den „bescheidenen Sozialplan“ eingewilligt. „Die Alternative war die Insolvenz“, formuliert er drastisch.

Ähnlich harsch fällt auch die Kritik des Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Pez aus. „Wir haben einen Sozialplan nach Punktesystem getroffen. Über dieses System hat sich die Geschäftsleitung jedoch hinweggesetzt: Es wurde eine Auswahl querbeet getroffen“, sagt er. So seien auch Personen betroffen, „die schon gut 40 Jahre im Unternehmen arbeiten und nach einer Entlassung keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“.

Die Auswahl der Mitarbeiter passe ins Bild: „Wir gehen davon aus, dass es bereits einen Kaufinteressenten gibt, der gewisse Vorgaben gemacht hat. Und nach diesen wurde das Unternehmen jetzt verschlankt.“

von Andreas Schmidt

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