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Mitarbeiter „nur sporadisch“ bezahlt

Aus dem Schöffengericht Mitarbeiter „nur sporadisch“ bezahlt

Knapp zwei Jahre lang soll der Chef einer Sicherheitsfirma seine Mitarbeiter schwarz beschäftigt und sich über 23.000 Euro an Sozialabgaben gespart haben.

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Der Chef eines Unternehmens für Sicherheitsdienste soll zahlreiche Mitarbeiter schwarz bezahlt haben, außerdem habe er zu wenig Umsatzsteuer gezahlt.

Quelle: Clemens Bilan

Marburg. Über wen waren welche Mitarbeiter überhaupt ­angestellt und welcher Arbeitgeber stand in der Versicherungspflicht? Das prüft derzeit das Marburger Schöffengericht, vor dem sich ein Unternehmer wegen Vorenthaltens von Sozialabgaben in 50 Fällen zu verantworten hat.

Der Beschuldigte betreibt ein Unternehmen für Sicherheitsberatung samt Hausmeisterservice im Ostkreis. Laut Anklage meldete der Chef zwischen Anfang 2012 bis Ende­ 2013 mehrere Mitarbeiter zu spät zur Sozialversicherung oder entrichtete zu wenig Abgaben. Darüber hinaus wird dem Geschäftsmann vorgeworfen, zwischen den Jahren 2010 bis 2012 zu wenig Umsatzsteuer gezahlt zu haben.

Chef warf Mitarbeiter 
aus der Mietwohnung

Einen Teil der Vorwürfe der Hauptanklage räumte der Unternehmer ein und erklärte das Versäumnis mit einer teils schwankenden finanziellen ­Situation der Firma. Er meldete­ zwischenzeitlich Insolvenz an. 
Andere Punkte bestritt der 49-Jährige. So seien einige seiner früheren Mitarbeiter nicht durch seine eigene Firma, sondern über Subunternehmen angestellt gewesen. Dass für diese nur unzureichend Sozialabgaben gezahlt wurde, dafür könne er nichts, „dabei trifft ihn keine Schuld“, befand Verteidigerin Katja Huster.

Das Verhältnis zwischen dem Ex-Chef und früheren Angestellten scheint dabei auch früher nicht allzu rosig gewesen zu sein. Zwei damalige Mitarbeiter berichteten vor Gericht von einem mangelhaften Zahlungswillen des Angeklagten.

Ein Zeuge kündigte nach nur wenigen Monaten als Sicherheitskraft, da er „nur sporadisch bezahlt wurde – mal 50 Euro hier, mal 100 Euro da“, teilte der Mann mit. Nachdem er dem Chef drohte, dessen Bücher den Behörden vorzulegen, soll dieser ihn aus einer angemieteten Wohnung geworfen haben, „es gab Diskrepanzen zwischen uns“.

Zeugen sollen Licht 
ins Dunkel bringen

Die gab es anscheinend auch zwischen dem Chef und einer Mitarbeiterin, die im Security-Bereich tätig war. Gearbeitet habe sie anfangs einige Wochen freiwillig „auf Probe“ und ohne Vertrag, bezahlt wurde sie dafür nicht, „es war abgesprochen, dass eine Anstellung folgen sollte, aber das lief nicht so wie geplant“, berichtete die Zeugin. Immer wieder habe der Chef ihr langfristig Geld versprochen, sie dabei immer wieder „vertröstet“. Ob sie eventuell für einen Subunternehmer arbeiten sollte, davon wusste die Frau nichts, „so sollte das nicht laufen“, erinnerte sie sich an entsprechende mündliche Absprachen.

Mehrere ehemalige Geschäftspartner des Angeklagten konnten bislang nur wenig Angaben zu den Vorwürfen machen. Wie die Liquidität der Firma zum Tatzeitpunkt aussah, wussten sie nicht, „ich habe mit Kunden nicht über Geld gesprochen“, so ein Dienstleister, der damals mit dem Angeklagten zusammenarbeitete. Zeitweise solle­ das Unternehmen jedoch in den Händen der Tochter des ­Beschuldigten gelegen haben. Diese sagte nichts vor Gericht und machte von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Welcher Teil der Belegschaft tatsächlich über den Angeklagten angestellt war und welche Mitarbeiter er zeitweise schwarz beschäftigt haben soll, muss das Gericht aufklären. Weitere Zeugen sollen am Folgetermin mehr Licht ins Dunkel bringen.

  • Der Prozess wird am 23. Juni und 17. Juli fortgesetzt.

von Ina Tannert

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