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Schneiders Technologie in nah und fern

Intelligente Maschinen Schneiders Technologie in nah und fern

Eine neue Produktionsstätte für Brillengläser eröffnete kürzlich in Litauen - mit Förderung durch die EU und mit Maschinen und Know-how der Firma Schneider aus Fronhausen.

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Gunter Schneider vor einer der intelligenten Maschinen – die vollautomatisiert Brillengläser herstellen.

Quelle: Anna Ntemiris

Fronhausen. Die tonnenschweren Maschinen fliegen um die Welt - zur Ausstellung nach Mailand, zur Schau in die USA, zum Verkauf nach Asien: In der Brillenoptik-Branche zählt die Firma Schneider aus Fronhausen seit Jahren zu den weltweit führenden Unternehmen. „Industrie 4.0 ist für uns Wirklichkeit“, sagt Gunter Schneider. Sein Unternehmen entwickelt und stellt Spezialmaschinen her, die Gläser, unter anderem für Brillen oder Teleskope, produzieren.

Die Firma Schneider mit Hauptsitz in Fronhausen im Südkreis hat jetzt für 4,2 Millionen Euro ein Produktionssystem nach Litauen verkauft: Schneider bietet sogenannte intelligente Maschinen für das Schleifen, Polieren und Zentrieren von Gläsern an. Die Produktion läuft vollautomatisiert ab. Einsatzfelder sind Brillen, Mikroskopie, die Endoskopie, Weltraumtechnik und viele mehr. Ein Litauer Unternehmen will nun mit Fronhäuser Know-how 4000 Brillengläser pro Tag herstellen und mindestens 85 Prozent davon ins Baltikum, nach Skandinavien und Polen exportieren. Das Projekt wurde von der EU gefördert.

Internationaler Durchbruch im Jahr 1998

Mit neuen Produktionsstätten wie jetzt in Litauen wirke man dem Trend entgegen, dass Fabrikstandorte in fernöstliche Länder verlagert werden, erklärte Gunter Schneider, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens, das er 1986 als Familienbetrieb in Steffenberg gründete. Im Gespräch mit der OP erklärte Schneider, dass noch weitere Großprojekte im Ausland anstehen. Der Chef von weltweit 400 Mitarbeitern setzt in der optischen Industrie auf stetige Innovation.

1998 gelang der Firma, damals mit Hauptsitz in Steffenberg, der internationale Durchbruch mit der Entwicklung der so genannten Freiform-Technologie zur Bearbeitung von 3D-Oberflächen progressiver Linsen. Seither gilt das inhabergeführte Unternehmen als Pionier der Freiformtechnologie. Die jüngste Entwicklung von Schneider ist die Modulo-Linie, eine vollautomatische Technologie für die Brillenglasfertigung - eine „Komplettlösung“, sagt Schneider.

Diesen Maschinentyp hat das heimische Unternehmen nun nach Litauen verkauft und von dort aus sollen Gläser in ganz Europa verkauft werden. Die Firma „Baltic Optical Dimensions“ (BOD) will mit Fronhäuser Knowhow und Maschinen zu einem bedeutenden Marktakteur in Europa und über Europas Grenzen hinaus werden und hat kürzlich eine neue Produktionsstätte für Freiform-Gleitsicht-Brillengläser eröffnet. „Wir freuen uns, dass wir mit unserer Modulo-Technologie den Grundstein für dieses außergewöhnliche Projekt legen konnten“, erklärte Gunter Schneider.

Litauens Regierungschef lobt Schneider-Technologie

Die BOD-Gruppe ist der ­größte baltische Hersteller für industriell bespielte DVDs, CDs und Blu-ray-Discs. Nach der Investition in erneuerbare Energien entschied sich das Unternehmen im vergangenen Jahr dazu, ins Geschäft mit der automatisierten Produktion von Brillengläsern einzusteigen.

BOD schloss nach einer europaweiten Ausschreibung mit Schneider einen Vertrag über die Komplettausstattung der neuen Produktionsstätte ab. „Bis auf die Produktionshalle und die Grundversorgung kommt das gesamte Produktionssystem aus Fronhausen“, so Schneider. Schneider übernahm die komplette Leitung des Projektes und den Aufbau der Anlage: von der Planung, über die Ausgestaltung der Prozesse und Fertigung der Maschinen bis hin zur Schulung der Mitarbeiter vor Ort. Das Projekt wird von der EU gefördert.

Während der Eröffnungsfeier der „Baltic Optical Dimensions“ würdigte Litauens Premierminister Algirdas Butkevicius die hochentwickelte Schneider-Technologie.

Da die litauische Firma mehr Gläser produzieren möchte, als sie im eigenen Land verkaufen kann, sollen mindestens 85 Prozent der Produkte in ­andere baltische Länder, Skandinavien und Polen exportiert werden. Bis zum Jahr 2017 werden ­dazu 56 neue Arbeitnehmer eingestellt, habe BOD erklärt.

von Anna Ntemiris

 

Blickpunkt

Einst Erfinder aus Steffenberg, dessen Ideen die Branche auf Messen schon mal ­belächelte. Heute erfolgreicher Unternehmer, der in der ganzen Welt unterwegs ist, um seine Ideen vorzustellen und umzusetzen. Verträge mit großen Optikfirmen kündigte Gunter Schneider (56) auf, weil seine unternehmerische Freiheit, sein Erfindergeist ihm mehr wert waren als das Geld.
Die Schneider GmbH & Co. KG, die Gunter Schneider 1986 gründete, ist heute eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung und Entwicklung von Maschinen für die Brillen- und Präzisionsoptik-Industrie.
Brillengläser, Präzisionsoptiken für die Endoskopie, Gläser für Teleskope, ­Mikroskope, Mikrolithographie, Lasermaterialbearbeitung sowie für Weltraumanwendungen werden auf Schneider-Maschinen gefertigt.
Das Unternehmen mit Hauptsitz in Fronhausen verfügt über Standorte in den USA, Brasilien, Hongkong, Thailand und China – insgesamt arbeiten rund 400 Menschen für Schneider. „Fronhausen ist nach wie vor der ideale Standort für uns“, sagt Schneider, der in Marburg lebt.
Im vergangenen Jahr ­machte die Firma laut Schneider 80 Millionen Euro Umsatz.

 

Intelligente Maschinen , die ganz schnell möglichst ­viele passgenaue Brillengläser herstellen – mit der im eigenen Unternehmen erfundenen Technologie namens Modulo-­Linie. „Die besondere ringförmige Anordnung der Maschinen erlaubt einen äußerst flexiblen Aufbau, frei von festen Strukturen und Vorgaben“, sagt Gunter Schneider. „Die intelligenten Maschinen sind dabei in der Lage, den Produktionsfluss voll und ganz selbstständig zu steuern“, erklärt er.

Die Rohteile durchlaufen eine vollständige Prozesskette, angefangen mit der Verbindung der Linsen mit einem Blockstück über das Hochgeschwindigkeits-Drehen und Fräsen, computergesteuertes Polieren, einer Qualitätsmessung noch im Produktionsablauf, bis hin zum Laser-Markieren.

Im Anschluss werden die Gläser gereinigt, bevor sie danach mit einer Härte- und Anti-­Reflex-Beschichtung veredelt und für den Brillenrahmen in die individuelle Form geschliffen werden.

„Auch bei stark variierenden Produktionsbedingungen und -zeiten der Maschinen optimiert sich das System automatisch“, so der Firmenchef. „So können hohe Durchsatzleistungen sowie erhebliche Kosteneinsparungen erreicht werden.“

Alle Maschinen und Prozesse werden kontinuierlich von einem Leitstand-Kontrollcenter überwacht.

 
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