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Schlange „reicht fast auf die Straße“

Marburger Hauptpost Schlange „reicht fast auf die Straße“

Zu Stoßzeiten staut es sich in der „Hauptpost“ in der Marburger Bahnhofstraße. Der Vorwurf der Kunden: Es gibt nicht genügend Personal. Das sieht die Post jedoch anders.

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Das Postbank-Finanzcenter in der Marburger Bahnhofstraße steht erneut in der Kritik: Zu wenig Personal führt zu langen Warte­zeiten, lautet die Meinung der Kunden.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Ein Kunde, der anonym bleiben möchte, wendet sich mit seinen Erfahrungen an die OP. „Beim Abholen einer Sendung heute ging die Warteschlange fast raus bis auf die Straße“, berichtet er.

Es war Samstag – und vor allem an Samstagen und zu den Stoßzeiten in der Mittagszeit und nach Feierabend machen viele Kunden ähnliche Erfahrungen im „Postbank-Finanzcenter“, als das die Filiale in der Bahnhofstraße geführt wird.

Der Marburger berichtet weiter: „Auf Nachfrage bei den offensichtlich überforderten zwei Mitarbeitern, an wen ich mich wenden kann, damit sie Unterstützung bekommen hieß es: ,Das ist eine neue Richtlinie – es dürfen nur zwei Schalter am Freitag und am Samstag besetzt sein‘. Jeder, der sich das Treiben da mal anschaut, sieht, dass hier bewusst ein künstlicher Flaschenhals geschaffen wird“, so der Kunde. Er sei dennoch überrascht gewesen, „wie freundlich die Mitarbeiter“ trotz der langen Schlangen gewesen seien.

Die Situation in der Filiale kann Iris Laduch-Reichelt, Sprecherin bei der Postbank, indes nicht nachvollziehen. „Die Filiale ist normal besetzt. In der Regel sind drei Schalter geöffnet. Wir haben keine krankheitsbedingten Personalausfälle. Die Wartezeiten bewegen sich im normalen Bereich“, teilt sie der OP auf Anfrage mit. Eine entsprechende Regelung, dass freitags und samstags nur zwei Personen an den Schaltern arbeiten dürften, bezeichnet sie als „völligen Unsinn“.

Postbank will „Wartezeiten weiter beobachten“

Ihr Kollege Ralf Palm ergänzt, man setze das Personal „entsprechend der Kundenströme“ ein. „Hier gibt es auf den Tag verteilt immer wieder sogenannte Stoßzeiten. Diese sind in der Regel am frühen Morgen, um die Mittagszeit und kurz vor Filialschließung am Abend“, so Palm. Auf den Monat bezogen, verzeichne man am Monatsanfang und -ende sowie zur Monatsmitte verstärkte Kundenzahlen. „Aufs Jahr gesehen gehören besonders die Monate November, Dezember und Januar zu den Monaten mit deutlich stärkerem Kundenaufkommen“, erläutert er.

Komme es zu unvorhergesehenen Personalausfällen, „so versuchen wir, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Filialen heranzuziehen. Auf die unterschiedlichen Kundenströme reagieren wir durch den Einsatz von Teilzeitmitarbeitern, die Spitzenzeiten mit abdecken können“. Während der Vorweihnachtszeit seien Aushilfskräfte und Kollegen aus den Verwaltungseinheiten in den bundesweit mehr als 1000 Filialen im Einsatz.

Palm verspricht: „Die von Ihnen festgestellten Wartezeiten in unserem Marburger Finanzcenter lassen wir in den kommenden Monaten weiter beobachten und prüfen. Fakt ist: Kundenströme und Kundenzahlen werden in allen Filialen erfasst und dokumentiert. Dies gilt auch für die Wartezeiten. Daraus abgeleitet wird dann das entsprechende Personal vor Ort eingesetzt.“

Personal-Engpass 
auch in Gladenbach

Ärger hatte die Post indes auch in Gladenbach: Dort seien in der vergangenen Woche vermehrt Briefe oder Zeitschriften nicht zugestellt worden, so der Vorwurf. Der „gelbe Riese“ gestand Probleme ein – wegen Personalmangels. Bereits im Oktober beschwerten sich Postkunden im Gladenbacher Stadtgebiet. Damals waren gleich fünf Zusteller krankheitsbedingt ausgefallen. Die Folge: Mehrere Tage hatten Bürger vergeblich auf Post gewartet.

Komplett beheben konnte der Logistiker seinen personellen Engpass in der Stadt bisher nicht. Auch in den folgenden Wochen waren nicht alle Postboten an Bord. „In 14 Bezirken läuft es, in zwei leider nicht“, gestand Post-Sprecher Alexander Böhm vergangene Woche auf Nachfrage ein.

Das Unternehmen versuchte, für das vorhandene Personal die Zustellbezirke neu zuzuschneiden. Doch spätestens nach 10 Stunden und 45 Minuten ist eine Tagesschicht beendet. Sind dann nicht alle Briefe verteilt, müssen sie am nächsten Tag zugestellt werden. Das funktionierte in Gladenbach 
 anscheinend nicht überall.

Diese Erfahrung machte unter anderem auch die Stadtverwaltung. Die verschickte Sitzungsunterlagen an die Parlamentarier. Einige Politiker erhielten den großen Briefumschlag allerdings erst nach sieben Tagen.

Es sei eine große Ausnahme, wenn Briefe nicht innerhalb von zwei Tagen zugestellt werden, erklärte Böhm. Als Faustregel gelte: Kann eine Tour nicht komplett beendet werden, wird sie am nächsten Tag dort fortgesetzt, wo es die Unterbrechung gab. Mittlerweile sollte es keine Schwierigkeiten mehr geben. Denn seit vergangenem Mittwoch seien alle Zustellbezirke wieder besetzt, so der Post-Sprecher.

von Andreas Schmidt

Feedback

 Verpflegung mitnehmen
„Wenn man ein Paket abholen möchte, mit Abholschein, weil der Zusteller einen leider nicht angetroffen hat, sollte man sich Brote schmieren und genug Wasser und Verpflegung mitnehmen, gegebenenfalls sind auch Isomatte und Schlafsack nötig, falls man in der Warteschlange aufgrund der Öffnungszeiten doch übernachten muss. Man hat das Gefühl, die Uhren laufen dort rückwärts! Ganz furchtbar!!“ - Andreas Platt

Unzumutbar
„Die Wartezeiten sind wirklich unzumutbar. Man kommt selten unter einer halben Stunde da wieder raus. Besonders anstrengend ist es, wenn man mit den Kindern hin muss. Das Personal ist aber meistens sehr bemüht und freundlich. Die können für die Situation am wenigsten.“- Jana Marie

Auch Paket-Zusteller wartet
„Ich bin Paket-Zusteller und versuche immer, die Pakete bei Nachbarn abzugeben, weil ich weiß, wie schrecklich es dort ist. Habe selber auch schon 1,5 Stunden angestanden.“ - Kai Hartung

Beste Lösung: Drei Kassen
„Die beste Lösung wäre immer noch drei Kassen mit jeweils unterschiedlichen Bereichen, etwa Kasse 1 nur Pakete abholen, Kasse 2 nur Pakete hinbringen und Kasse 3 Geld hinbringen oder abholen und Konto eröffnen... Das geht dann viel schneller.“ - Jasmin Redenius

Seit Jahrhunderten bekannt
„Operettenfreunde kennen das! Wie singt die ,Christel von der Post‘ in der Operette: Der Vogelhändler: ,Nur nicht sofort, nicht auf der Stell‘, denn bei der Post – gehts nicht so schnell!‘ Und diese Operette stammt aus dem letzten Jahrtausend (1891 uraufgeführt!) Manche Dinge ändern sich halt nie!“ - Günter Köller

(alle via Facebook)

 
 

 

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