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Schlachthof treibt Metzger weiter um

Fleischerinnung Schlachthof treibt Metzger weiter um

Die Marburger Fleischerinnung kritisiert die Schließung des Marburger Schlachthofs. Notgedrungen werden die meisten Metzger der Region auf den Schlachthof in Bad Wildungen ausweichen.

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Die Schließung des Schlachthofs (oben) ist weiterhin Thema bei den Metzgern.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Die Fleischerinnung Marburg konnte das vergangene Jahr mit einem ausgeglichenen Jahresabschluss beenden, erläuterte Hermann Rhiel, Obermeister der Marburger Fleischer-Innung, während der Jahreshauptversammlung des Verbands.

Das Niveau der Produktqualität sei unverändert hoch, die Innung von Pferdefleischskandalen und Co. nicht betroffen, lobte Rhiel.

Qualitätsmerkmal wird wohl verschwinden

Auch die Herkunftssicherung und der starke regionale Bezug der Fleischwaren seien bisher erfreulich groß. Dieses Qualitätsmerkmal dürfte durch die kürzliche Schließung des Marburger Schlachthofs demnächst schwinden.

Der Wegfall des letzten, gut erreichbaren Schlachtbetriebes und die daraus resultierenden Probleme sind nach wie vor ein wichtiges Thema der Innung. Die Kritik ist unvermindert hoch. Nicht nur die Fleischer, auch Landwirte und Verbraucher seien verärgert, betonten die Mitglieder. Durch die Schließung sinke der regionale Bezug der Fleischprodukte. Darunter leideten Transparenz und Herkunftskontrolle.

Eine der wenigen Alternativen der Branche ist der nordhessische Schlachthof in Bad Wildungen. Und auf diesen werden die heimischen Fleischer nun notgedrungen ausweichen müssen. Von Marburg aus beträgt die Strecke alleine rund 60 Kilometer, aus dem Südkreis oder Hinterland noch bedeutend mehr. Dadurch kommen gerade auf kleinere Betriebe hohe, schwer zu stemmende Transportkosten zu.

Als Vertreter der Genossenschaft Vieh- und Fleischvermarktung Marburg informierte Vorstandsmitglied Ulrich Zick die Versammlung über die aktuelle Situation.

Die Genossenschaft hatte ihr Tochterunternehmen, die Schlachthof Marburg GmbH, aus finanziellen Gründen Ende Januar geschlossen: „Der Schlachthof war nicht mehr tragbar, die Auslastung zu gering, der notwendige Sanierungsplan nicht zu stemmen“, so Zick.

Der angeschlossene Fleischmarkt läuft momentan noch weiter, die Genossenschaft beobachtet derzeit, ob sich dieser weiterhin rentiert. Die Schlachthallen stünden jedoch leer, würden nicht genutzt. Was mit diesen geschehen solle, sei noch ungewiss. „Es muss eine Alternative geben“, gibt Obermeister Rhiel noch nicht auf. Das Marburger Vieh durch die Lande fahren zu müssen bedeute großen Stress für die Tiere. „Und Lange Wege bedeuten geringere Fleischqualität“.

Lösung läge zwischen Marburg und Gießen

Idealer wäre ein Schlachtbetrieb zwischen Marburg und Gießen als Lösung des Problems. Die Städte seien daran auch interessiert, fänden aber keine Betreiber, so Zick: Die wirtschaftliche Lage am Fleischmarkt werde durch Dumpingpreise und Billigfleisch weiter verschlimmert, mit dem hiesigen, regionalen Bedarf alleine könne ein Schlachthof daher nicht rentabel arbeiten. „Da darf man sich keinen Illusionen hingeben.“

Neben Dillenburg und Treysa ist der Schlachthof in Bad Wildungen die einzige Alternative für viele Fleischer. Ein kleiner Lichtblick: einige Innungsmitglieder haben sich jedoch mit den verbliebenen Metzgern, die noch selbst schlachten, zusammengeschlossen, um die Transportwege kurz und die Qualität hoch zu halten. „Wir wollen größtmögliche Nähe“, betonte Rhiel.

von Ina Tannert

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