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Scheinfirmen zocken Anleger um Millionen ab

Aus dem Amtsgericht Scheinfirmen zocken Anleger um Millionen ab

Weil er gegen Provision nicht existente Aktien verkaufte, wurde ein Mann vor dem Amtsgericht 
wegen Betrugs verurteilt.

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Mit nicht existierenden Aktien betrogen Scheinfirmen Anleger um rund drei Millionen Euro.

Quelle: Andreas Arnold

Marburg. Eigentlich sollte jedem Investor klar sein, dass seriöse Finanzberater oder Investitionsfirmen ihre Kunden nicht einfach aus dem Nichts heraus per Telefon kontaktieren. Trotzdem scheinen auch heute noch viele Menschen bereit zu sein, wildfremden Personen teilweise enorme Summen anzuvertrauen, so lange nur ausreichend hohe Gewinne am Aktienmarkt locken.

Was ist aber, wenn die Aktien nicht einfach nur überteuert oder wertlos sind, sondern gar nicht existieren? Ein solcher besonders dreister Fall von Betrug wurde durch Richter Dominik Best am Amtsgericht verurteilt. Von Beginn an hatte der 58 Jahre alte Angeklagte aus Krefeld seine Beteiligung an dem von mehreren Personen organisierten Abzockmodell eingeräumt.

„Unsere Verkäufer haben aus teilweise gekauften Daten Personen angerufen, bei denen davon auszugehen war, dass sie sich auf risikoreiche Investments einlassen“, sagte der Angeklagte aus. Denen seien dann hochkarätige Aktien, etwa von VW, zu einem konkurrenzlos niedrigen Preis angeboten worden. „Wir gaben vor, sehr günstig drangekommen zu sein. Allerdings wurde den Leuten erzählt, dass der Verkauf nur unter der Auflage einer Sperrfrist möglich sei, sodass sie die Zertifikate erst nach sechs Monaten erhalten würden und erst dann mit ihren Aktien handeln könnten“, erläuterte der Krefelder die Masche.

Anleger gaben bis zu 100.000 Euro

Nachdem diese Fristen abliefen, war die Firma dann aber schon aufgelöst – ohne Möglichkeit für die Kunden, noch Kontakt aufnehmen zu können. „Die Aktien gab es natürlich nie, also bekamen sie natürlich auch nie ihre Zertifikate,“ erklärte der gelernte Fernmeldetechniker.

Auf diese Weise kassierten mehrere dieser Scheinfirmen mit teilweise wohlklingenden Namen wie „Duval Capital Assets Schweiz“ in den Jahren 2014 und 2015 enorme Summen. Einzelne Betrugsopfer hätten bis zu 100.000 Euro angelegt. „Insgesamt hatten die Firmen, an denen sie beteiligt waren in fast 300 Fällen Geld erhalten, der Schaden beläuft sich auf insgesamt knapp über drei Millionen Euro, wobei kurioserweise einzelne Anleger trotz schlechter Erfahrung offensichtlich bei mehreren dieser Firmen ihr Geld anlegten“, stellte die Staatsanwaltschaft fest.

„Ich selbst gehe davon aus, dass vielen unserer Anleger das Geld recht egal war, Beschwerden innerhalb der Sperrfristen gab es beispielsweise nie, das war in Ordnung so für die“, entgegnete der Angeklagte. Als dann einige Firmengründer angeklagt wurden und man nervöser wurde, „meinten Kollegen auch, dass das oft Schwarzgeld sei und da würde eh keiner zur Polizei gehen,“ ergänzte der Angeklagte, der mittlerweile mit seinem Bruder von bescheidenen Mieteinnahmen lebt.

Angeklagter kam per 
Zufall zur Scheinfirma

Der zuvor lange arbeitslose Mann sei eher zufällig zu seinem Job als Bürokraft in der ersten Scheinfirma gekommen. „Ich habe einen der Gründer bei einem Eishockeyspiel kennengelernt und war aufgrund meines Alters froh um jeden Job. Mir war dabei schnell klar, dass das alles nicht rechtens sein kann, zumal ich ja von dem ganzen Geld dann Gold kaufen sollte, da es bei einer Abhebung bei diesen Summen Ärger gegeben hätte.“

Reich wurde er damit auch nicht, bei der ersten Firma erhielt er 1000, bei der zweiten 1500 Euro im Monat, später kam auch eine kleine Provision dazu, aus der er allerdings auch nur etwa 30.000 Euro für das letzte halbe Jahr erhielt, bis auch er 
wie die Verkäufer und Firmengründer in U-Haft landeten.

Dementsprechend fiel das Abschlussplädoyer der Staatsanwaltschaft eher milde aus: „Nach unseren Unterlagen ist in der Tat davon auszugehen, dass Sie in diesem ganzen Komplex, der noch einige Verfahren nach sich ziehen wird, am untersten Ende der Nahrungskette standen. Sie haben lediglich administrative Tätigkeiten ausgeführt und waren als bisher einziger Beteiligter von Beginn an geständig“, so die Staatsanwaltschaft.

Zudem habe der Angeklagte auch gleich eingeräumt, dass er wusste, dass etwas faul sei. Zudem hätte er den Behörden zwei wichtige Namen genannt, was die weitere Strafverfolgung überhaupt erst ermöglicht habe. Aus diesen Gründen forderte die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung und 360 Tagessätze à 20 Euro.

Richter Dominik Best folgte dem weitestgehend, reduzierte die Geldstrafe allerdings auf 360 Tagessätze zu jeweils 10 Euro.

von Marcus Hergenhan

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