Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
„Ruhestand müssen wir erst lernen“

Auktionshaus Hahn geschlossen „Ruhestand müssen wir erst lernen“

Jetzt ist eine Marburger Institution Geschichte: Das Auktionshaus Hahn hat nach mehr als 50 Jahren geschlossen.

Voriger Artikel
Notrufnummern fallen für Stunden aus
Nächster Artikel
Teka-Team feiert Jubiläum

Das Auktionshaus Hahn hat geschlossen: Uschi und Horst Hahn gehen nach 48 gemeinsamen
Arbeitsjahren in den Ruhestand.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Am vergangenen Freitag gaben sich die Kunden im Auktionshaus Hahn am Krekel noch einmal die Klinke in die Hand: Es war der letzte Tag des Räumungsverkaufs. Seitdem kommen nur noch vereinzelt Besucher vorbei: Meist sind es Kunden, die in den vergangenen Tagen noch vorbestellte Ware abholen. Doch hauptsächlich regieren Akkuschrauber und Besen. Denn Uschi und Horst Hahn, Inhaber des Auktionshauses, sind am Großreinemachen.

1963 eröffnete das ursprüngliche Auktionshaus am Pilgrimstein, Horst Hahn stieg 1975 in das Geschäft seines Vaters ein. „Und 1976 sind wir dann in den Neubau am Krekel gezogen“, erzählt Uschi Hahn. Dabei streicht sie gedankenverloren über den Tresen, über den in den vergangenen Jahren unzählige Artikel gewandert sind. Die Glasplatte ist stumpf und verkratzt und könnte wohl tausende Geschichten erzählen.

Doch diese kennen nur die Besitzer. Und möchten aus Respekt keine Anekdoten erzählen. „Aber glauben Sie mir, unsere Kunden bilden einen Querschnitt der gesamten Marburger Gesellschaft“, sagt Uschi Hahn.

Stammkunden sind eng mit dem Haus verbunden

„Wir haben zum Teil Jahrzehnte lange Stammkundschaft, einige sind schon am Pilgrimstein zu uns gekommen und sind mit uns älter geworden.“ So hätten Kunden beispielsweise Fotos mitgebracht um zu zeigen, wo sie Dinge aus dem Auktionshaus in ihrer Wohnung platziert haben.

Für viele Kunden sei die Ankündigung der Schließung eine Überraschung gewesen, „und von einigen fiel der Abschied auch schwer“, sagt Hahn.

Manch rührende Briefe hätten die Kunden geschrieben, „aber das heißt auch für uns, dass wir nicht alles falsch gemacht haben können“, sagt Uschi Hahn lachend.

Doch warum schließt das Auktionshaus nach so langer Zeit? „Nunja, wir haben beide das Alter erreicht, aufzuhören“, sagt Uschi Hahn. 48 Jahre hätten sie und ihr Mann unentwegt gearbeitet, „das Auktionshaus war unser Leben“, sagt die 63-Jährige. Und Horst Hahn feiert in Kürze seinen 64. Geburtstag. „Alles hat seine Zeit - und für uns ist jetzt die richtige Zeit, aufzuhören“, so Hahn.

Wirtschaftliche Gründe seien allerdings nicht ausschlaggebend gewesen, versichert sie. Obwohl sie auch weiß: „Die Zeiten haben sich schon geändert.“

Internet habe dem Geschäft nicht geschadet

Viele Studenten, die früher regelmäßig etwa ihre Möbel im Auktionshaus gekauft hätten, „sind jetzt schon eher Ikea-Fans“. Auch die Sammelleidenschaft sei zurückgegangen, „und auch das Internet und Ebay haben die Welt verändert. Das hat uns aber nicht geschadet. Denn im Internet können Sie gerade Sammlerstücke nicht in die Hand nehmen“, so Uschi Hahn.

Jetzt haben die Hahns also einen Schlussstrich gezogen: Haus und Grundstück sind verkauft, bis Ende Oktober soll die 550 Quadratmeter große Halle ausgeräumt sein. Es sei noch einiges zu tun, dann sei endgültig Schluss. „Ruhestand müssen wir erst lernen“, sagt Uschi Hahn. Doch dass das gelingt, daran hat sie keine Zweifel. „Wir hoffen, dass wir mehr Zeit zum Segeln haben“, sagt Uschi Hahn. „Am liebsten auf der Ostsee - oder in der dänischen Südsee, das wäre ein Traum.“

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr