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Richter sieht gute Chancen für Klägerin

Arbeitsgericht Richter sieht gute Chancen für Klägerin

Die langjährige Mitarbeiterin einer Zahnarztpraxis in Stadtallendorf kämpft gegen ihre Entlassung. Auch das Arbeitsgericht sieht bislang keine rechtmäßige Begründung für eine Kündigung.

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Eine Zahnarzthelferin klagt gegen ihre „treuewidrige“ Entlassung. Der Arbeitgeber erschien nicht zum Gütetermin.

Quelle: Tobias Hirsch

Gießen. Nachdem die Zahnarzthelferin von ihrem neuen Chef eine ihrer Meinung nach treuewidrige Kündigung erhielt, verklagte sie ihn. Da der Arbeitgeber nicht vor Gericht erschien, muss das Verfahren vorerst ruhen. Bereits seit 1975 soll die Klägerin nach eigenen Angaben bei der Zahnarztpraxis in Stadtallendorf beschäftigt sein. Genaue schriftliche Aufzeichnungen über ihre Arbeitsdauer liegen dem Gericht bislang nicht vor.

Im Jahr 2013 hatte der neue Inhaber die Praxis übernommen. Ende September 2014 sprach er der langjährigen Mitarbeiterin schließlich die Kündigung für Ende April 2015 aus. Dagegen klagte die Angestellte vor dem Arbeitsgericht Gießen.

Sie halte die Kündigung für treuewidrig, erklärte die Zahnarzthelferin während der Güteverhandlung im Dezember. Darüber hinaus habe ihr neuer Arbeitgeber gegen seine Fürsorgepflicht verstoßen, indem er sie als langjährige Mitarbeiterin anstelle einer weiteren, erst seit einem halben Jahr beschäftigten Kollegin kündigte. Diese sei sogar als Ersatz für sie eingestellt worden, ärgerte sich die Klägerin. Zudem habe der Chef gegen eine betriebliche Vereinbarung verstoßen:

In Absprache mit dem Beklagten hätten die Mitarbeiter der Praxis aufgrund finanzieller Engpässe auf ihr Weihnachtsgeld verzichtet. Im Gegenzug versprach der Arbeitgeber, keine Kündigungen auszusprechen.
Diese Übereinkunft bestätigte die Beklagtenseite, jedoch gelte diese nicht unbegrenzt, war ausschließlich auf die Jahre 2013 sowie 2014 bezogen. Da sich die Kündigung auf das folgende Jahr beziehe, gelte die betriebliche Absprache in diesem Fall nicht.

Rühle: Solche Deals stehen auf wackligen Beinen

Dies sieht die Klägerseite anders, signalisierte jedoch den Wunsch nach einer gütlichen Einigung. Sie halte alle Optionen, ob eine Weiterführung des Arbeitsverhältnisses oder auch eine angemessene Abfindung, für möglich.

Das interne Arrangement des Arbeitgebers mit seinen Angestellten verwunderte Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle. Betriebliche Vereinbarungen dieser Art kämen nicht selten vor und „stehen auf sehr wackeligen Beinen“, betonte der Richter. Bis zu diesem Zeitpunkt der Verhandlung sah er keine ausreichende Rechtfertigung für die langjährige, arbeitswillige Angestellte einen Ersatz einzustellen.

Da der beklagte Arbeitgeber trotz Ladung nicht vor Gericht erschien, konnte das Verfahren nicht fortgesetzt werden. „Es wird schwer, mit dieser Kündigung durchzukommen“, prophezeite Richter Rühle und riet der Beklagtenseite, die Entlassung zurück zu nehmen. Das Verfahren ruht vorerst.

von Ina Tannert

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