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Rhön-Konzern erwartet Einbußen

Bilanz Rhön-Konzern erwartet Einbußen

Der Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum rechnet für das laufende Jahr mit einem weiteren Gewinnrückgang. Der Vorstand geht davon aus, dass das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr „deutlich niedriger“ ausfallen wird.

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Die Rhön-Klinikum AG legte am Freitag ihre Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vor.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Am Freitag veröffentlichte der Konzern seine Geschäftsdaten für das vergangene Jahr. Demnach sind an den fünf Standorten, zu denen auch die Uni-Kliniken Marburg und Gießen gehören, 813747 Patienten behandelt worden.

Laut Geschäftsbericht konnte die Rhön-Klinikum AG binnen Jahresfrist den Umsatz von 1,11 Milliarden Euro auf 1,18 Milliarden Euro steigern. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) beläuft sich demnach auf 156,9 Millionen Euro.

Nach Abzug aufgelöster Rückstellungen liege das EBITDA indes bei lediglich 114,9 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Der Konzerngewinn betrage 58,6 Millionen Euro - er sank deutlich. Denn im Vorjahr hatte Rhön noch einen Gewinn in Höhe von 87,4 Millionen Euro verbuchen können.

Der neue Vorstandsvorsitzende Stephan Holzinger schreibt in seinem Brief an die Aktionäre, dass die Entwicklung des operativen Geschäfts unbefriedigend sei. „In nahezu allen wesentlichen Parametern liegen wir teilweise deutlich hinter dem Wettbewerb zurück, und dies trotz der wirklich guten Voraussetzungen und Chancen, die sich aus der Transaktion für uns ergeben haben.“ Damit bezieht er sich auf den Verkauf von 43 Kliniken. Holzinger lasse das Argument, dass das regulatorische Umfeld „schwierig und dafür verantwortlich sei“ nicht gelten - denn dieses Umfeld gelte auch für die Wettbewerber. „Wir müssen somit feststellen, dass es in den vergangenen Jahren unternehmerische Versäumnisse gegeben hat“, folgert er. Festes Ziel sei es, die Profitabilität wieder zu steigern. Erste Schritte seien dafür schon eingeleitet, etwa durch „die standortübergreifende Vereinheitlichung in der Beschaffung sowie klare Arbeitsaufträge an die jeweiligen Kliniken, die sich aus meinen Standortbesuchen unmittelbar ergeben haben“, so Holzinger.

Campus-Konzept soll später regionalisiert werden

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 1,20 und 1,23 Milliarden Euro. Das EBITDA werde negativ beeinflusst, der Konzern rechnet damit, dass bestimmte Leistungen weiterhin weniger Geld von den Krankenkassen einbringen werden. Eine konkrete Prognose für 2017 will der Vorstand bis zum Sommer vorlegen. An die Aktionäre sollen 0,35 Euro pro Aktie ausgeschüttet werden.

Derzeit konzentriere man sich auf die Finalisierung des Campus-Projekts in Bad Neustadt „als Prototypen für eine höchst moderne, neu gedachte medizinische Versorgung der Bevölkerung im ländlichen Raum“. Denn durch die demographische Entwicklung würden sich ländlich geprägte Regionen künftig eine leistungsfähige und wohnortnahe Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten können - „Das ist unsere Wachstumschance.“

Die Campus-Planungen für den UKGM-Standort Marburg liegen derzeit zunächst auf Eis, wie Konzernsprecher Achim Struchholz auf Anfrage der OP erläutert. „Für Marburg gab es zunächst Gedankenskizzen“, sagte Struchholz. Prinzipiell „haben wir natürlich die Campus-Strategie, die wir in Bad Neustadt mit Priorität umsetzen, vor zwei Wochen wurde dort Richtfest gefeiert“, so der Sprecher. Das Konzept wolle man dann „gegebenenfalls auch ganz neu an anderen Standorten umsetzen - da gehört Marburg auch dazu, allerdings steht dies derzeit nicht im Fokus“.

Das Konzept solle sich zunächst in Bad Neustadt bewähren, dann folge die regionale Ausgestaltung. „Für Marburg bräuchte man vielleicht nur ein Ärztehaus, denn jede Uni-Klinik hat ja schon mit den Hochschul-Ambulanzen viele Bestandteile, die in der Campus-Konzeption vorgesehen sind“, verdeutlichte Struchholz. „Das heißt aber nicht, dass Marburg vernachlässigt wird - im Gegenteil: Dort wird weiter investiert.“

Prinzipiell hätten sich beide UKGM-Standorte „positiv entwickelt“, genaue Zahlen nannte Struchholz nicht. Im Hintergrund schwelt aber immer noch der Streit zum Thema Trennungsrechnung: Bei dem seit Jahren andauernden Streit um das Geld für Lehre und Forschung hatte der Konzern dem Land vergangenes Jahr mit einer Klage gedroht - die Universität erwartet indes eine genau aufgeschlüsselte Rechnung. „Es gibt aber mittlerweile konstruktive Gespräche zwischen Stephan Holzinger und der Landesregierung“, sagte Struchholz.

Und was macht der Umbau des Haupteingangsbereichs am Marburger Klinikum, der eigentlich schon im Dezember abgeschlossen sein sollte? Dazu teilt Frank Steibli, Pressesprecher des UKGM, mit: „Die Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen im ersten Bauabschnitt des Universitätsklinikums Marburg begannen im vergangenen Jahr etwas später als geplant und dauern aufgrund der komplexen Herausforderungen einer Sanierung im Bestand auch etwas länger als ursprünglich prognostiziert. Wir gehen heute davon aus, dass wir Ende Mai, spätestens aber Anfang Juni den neuen Haupteingang und die anschließende Empfangshalle wieder in Betrieb nehmen können.“

von Andreas Schmidt

Vielen Krankenhäusern fehlt Geld für Investitionen. Die Finanznöte spielen privaten Betreibern in die Karten. Doch die Ökonomisierung der Gesundheit wirft ethische Fragen auf.

Frankfurt. Knapp 2 000 Krankenhäuser, mehr als 39 Millionen Patienten und ambulante Behandlungen im Jahr, 1,2 Millionen Mitarbeiter: Krankenhäuser sind unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung in Deutschland – und eine Branche, die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck steht. Wie lange sollten Patienten nach einer Operation im Krankenhaus bleiben, was darf die Verwaltung kosten, wie viel Zeit haben Ärzte für Kranke? Viele Krankenhäuser müssen so hart kalkulieren wie Unternehmen.

Private Betreiber machen aus der Heilung von Menschen ein Geschäft. Gut 5,8 Milliarden Euro Umsatz und 543 Millionen Euro Gewinn erzielte allein Marktführer Helios 2016. Die Tochter des Dax-Konzerns Fresenius betreibt bundesweit 112 Krankenhäuser. Dazu kommen Konkurrenten wie Asklepios, Sana, Schön und die Rhön-Klinikum AG, die auch die Universitätskrankenhäuser Marburg und Gießen lenkt. „Etwa 30 Prozent aller Kliniken sind in privater Hand“, sagt Zun-Gon Kim, Partner bei der Beratungsfirma Boston Consulting Group.

Die Privaten haben in den vergangenen Jahren von den Finanznöten vieler kommunaler und kirchlicher Betreiber profitiert. Gab es 2005 2 139 Krankenhäuser hierzulande, waren es 2015 nur noch 1 956. „Gerade kleine, wenig profilierte Häuser haben es schwer“, sagt Kim. Denn die Gruppe der Patienten über 65 Jahren wächst – und mit ihnen die Zahl von Altersdiabetes, Lungen- und Darmkrebs oder Gefäßverkalkungen. Die Kosten für Krankenhäuser steigen so schneller als die Einnahmen.

Zentrale Verwaltungen, ausgelagerte Dienste

Krankenhäuser in öffentlicher Hand seien unterfinanziert, klagt der Dachverband DKG, ein Viertel schreibe Verluste. Er fordert mehr Geld von den Ländern. Von den jährlich für Investitionen benötigten sechs Milliarden Euro zahlten sie nur etwa die Hälfte. „Investitionen sowohl im baulichen Bereich als auch bei der Digitalisierung sind dringend erforderlich“, erklärt der Verband. Doch die Länder haben oft leere Kassen. Daher herrscht in vielen Krankenhäusern Personalmangel. Laut Verdi fehlen bundesweit 162 000 Stellen.

Private Betreiber reagieren auf die Geldnot der Kliniken, indem sie Verwaltungen zentralisieren, Dienste auslagern und ihre Größe nutzen, um etwa beim Einkauf günstigere Konditionen zu erzielen. Sie kaufen Kommunen etwa Krankenhäuser ab, wenn diese defizitäre Häuser loswerden wollen und sanieren sie mit harten Renditevorgaben. Sana kaufte etwa 2013 in Hessen das Klinikum Offenbach und garantierte im Gegenzug, eine Insolvenz abzuwenden. 2015 gab es wieder Gewinne.

Die Klinikkonzerne, die aus Privatisierungen Ende der Neunzigerjahre entstanden, sind heute teils an der Börse notiert. Rhön oder Helios sind damit nicht nur ihren Patienten und Mitarbeitern verpflichtet, sondern auch den Aktionären. Und sie fordern steigende Gewinne und Dividenden.

Doch dies wirft heikle Fragen auf. Steht in den Kliniken noch die Patientenversorgung an erster Stelle oder das finanzielle Interesse? Spezialisieren sich gerade private Kliniken auf besonders lukrative Behandlungen? Und leiden Patienten unterm Zwang zur Ökonomisierung?

Der Verband der Privatkliniken (BDPK) widerspricht. Private Betreiber investierten stärker in Infrastruktur und Medizintechnik als andere Träger und setzen ebenso viele Ärzte und Pfleger ein. Gespart werde abseits etwa in der Verwaltung, aber nicht in der Versorgung.

Druck zur Effizienz ist „politisch gewollt“

Private Kliniken würden zwar „ein höheres Maß an Wirtschaftlichkeit aufweisen“ als etwa öffentliche Häuser, stellt der Deutsche Ethikrat in einer Studie fest. Der Vorwurf, sie pickten sich die lukrativen Fälle heraus, sei nicht belegbar. Private behandelten ebenso viele schwer kranke und alte Patienten wie andere Träger. Und laut Berater Kim sind Private bei Parametern wie dem Erfolg von Operationen oder der Rate von Infektionen keinesfalls schlechter als andere Betreiber.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund sieht ein größeres Problem. Der Druck zur Effizienz sei politisch gewollt. Die Vergütung der Krankenhäuser über genau kalkulierte Fallpauschalen solle die Kosten im Gesundheitssystem drücken, schade aber den Patienten.

„Humanität und Qualität der Patientenversorgung kommen unter die Räder.“ Kostendruck sei daher kein Merkmal von Privaten allein, es gebe nur Einzelfälle von Privatkliniken mit übersteigerten Renditevorgaben.
Eine Welle von Klinik-Privatisierungen, wie noch vor Jahren prophezeit, erwartet Berater Kim indes nicht. „Es sind schon viele Sparpotenziale ausgeschöpft.“ Zwar wüchsen Private zulasten der öffentlichen und kirchlichen Träger weiter, aber nur noch langsam. Ein Grund sei der Zeitgeist. „Kaum ein Landrat möchte sein Krankenhaus wirklich verkaufen.“

Milliarden-Konzerne wie Fresenius richten den Blick daher ins Ausland – dort gibt es noch große Kaufziele. Die Tochter Helios übernahm 2016 die spanische Kette Quirónsalud mit 82 Kliniken und ambulanten Gesundheitszentren. Und Chef Stephan Sturm fasst bereits neue Länder ins Auge. Der Krankenhausmarkt in Deutschland ist schon zu klein.

von Alexander Sturm

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