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Rhön-Chef will eine Milliarde Euro investieren

UKGM "Wachstumsprogramm" Rhön-Chef will eine Milliarde Euro investieren

Auf der Hauptversammlung des Rhön-Klinikums sollen Konsequenzen aus dem gescheiterten Verkauf des UKGM-Eigners an Fresenius gezogen werden. Ein "Wachstumsprogramm" hat Rhön-Chef Dr. Martin-Siebert gestern angekündigt - weitere Stellenkürzungen nicht ausgeschlossen.

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Das Logo des Uniklinikums Gießen und Marburg: Der Betriebsrat beklagt Stellenabbau, die Konzernführung setzt auf Investitionen und Wachstum.Archivfoto

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Frage, ob die Hauptversammlung eine Regelung kippt, die eine Mehrheit von 90 Prozent des vertretenen Kapitals vorsieht. Diese Regelung hatte vor fast einem Jahr den Verkauf an Fresenius verhindert, weil der Rhön-Konkurrent nicht 90 Prozent der Aktienanteile zusammenbekam.

Der langjährige Großaktionär Alecta, Rhön-Gründer und Aufsichtsrats-Chef Eugen München, Fresenius und der US-Investor John Paulson unterstützen die geplante Reform, die auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger befürwortet.

Investitionsvolumen: Eine Milliarde.

 Rhön-Vorstandschef Martin Siebert kündigte gestern unterdessen den Umbau des Konzerns an. Er stellte Investitionen von einer Milliarde Euro in den nächsten fünf Jahren in Aussicht, außerdem Effizienzsteigerungen und eine Zusammenarbeit mit Helios bei dem Versuch, durch eine Zusatzversicherung Patienten stärker an die Gruppe zu binden: Sie sollen in Kliniken von Helios – und künftig auch von Rhön, wenn der Plan aufgeht – wie Privatpatienten behandelt werden.

Der UKGM-Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi beklagten gestern erneut den „kalten Stellenabbau“: Im Verlauf der letzten 12 Monate seien 220 Vollzeitkräfte abgebaut worden, wobei auf Gießen 155 Vollzeitkräfte und auf Marburg 65 VK entfallen seien. Unter anderem sollen die Kliniken regional besser verdrahtet, die Produktivität der einzelnen Standorte verbessert und die Zahl der Leiharbeitskräfte gesenkt werden.

„Wir rechnen in den kommenden zwei bis drei Jahren mit einer Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um einen zwei- bis dreistelligen Millionen-Euro-Betrag“, sagte der Rhön-Chef Martin Siebert gestern. Zuvor waren die Mitarbeiter des Konzerns in einem Rundschreiben über die neue Strategie informiert worden.

Kern ist ein Investitionsprogramm, aus dem in den nächsten fünf Jahren insgesamt eine Milliarde Euro in den Bau und die Sanierung von Kliniken sowie in die Medizintechnik fließen soll. Es soll unter anderem aus staatlichen Fördergeldern finanziert werden.

UKGM-Betriebsrat fordert Verhandlungen

Die Restrukturierung am UKGM laufe nach Plan, sagte Siebert weiter. Bis Ende 2014 soll die Uniklinik ein ausgeglichenes Ergebnis ausweisen. Das gleiche Ziel formulierte auch UKGM-Chef Martin Menger gestern in einer Reaktion auf Vorwürfe des Betriebsrats und der Gewerkschaft Verdi, die den „kalten“ Stellenabbau von 225 Stellen in den vergangenen 12 Monaten beklagen.

Das UKGM steuere, wie andere Kliniken auch, auf einen eklatanten ärztlichen- und Pflegenotstand zu, fürchten Betriebsräte und Verdi. Eine Anpassung der Soll-Stellenpläne nach oben sei unbedingt notwendig, „damit gute Arbeit geleistet werden kann und die Berufe im Gesundheitswesen attraktiv bleiben“, sagen Betriebsrat und Verdi. Sie sprachen von weiteren, krankmachenden Belastungen für die Mitarbeiter in allen Bereichen und forderten von der Geschäftsleitung „umgehend“ die Aufnahme von Tarifverhandlungen zu personellen Mindeststandards und Gesundheitsschutz.

Menger irritiert durch Forderung

Menger zeigte sich irritiert von der Forderung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer befänden sich bereits seit Langem in Gesprächen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz der Klinikbeschäftigten. Ferner fänden regelmäßig Gespräche zur Stellenplanentwicklung statt, unter anderem vor dem Hintergrund der Restrukturierungen im Verwaltungsbereich des Universitätsklinikums, sagte der UKGM-Chef.

Sein oberster Chef, Rhön-Vorstandsboss Martin Siebert, schloss dagegen gestern weitere Stellenstreichungen im Konzern nicht aus. „Wenn wir die Ziele nicht erreichen, können wir beim Thema Personalabbau auch nicht die weiße Flagge der Entwarnung heben“, sagte Siebert. Die Rhön-AG hält außerdem an dem Konzept einer Netzwerkmedizin mit einer flächendeckenden Patientenversorgung fest, sagte der Rhön-Chef. Das heißt, dass weitere Medizinische Versorgungszentren unter Führung der Rhön-AG, von niedergelassenen Ärzten auch in Marburg teils scharf kritisiert, aufgebaut werden sollen. Auch in der Frage einer Zusammenarbeit mit der Fresenius-Tochter Helios bei Zusatzleistungen für Patienten liefen Gespräche. Der Plan, eine private Zusatzversicherung für gesetzlich krankenversicherte Patienten einzuführen, war eine der Triebfedern hinter der von Rhön-Gründer Eugen Münch befürworteten Übernahme durch Fresenius.

Viel hängt aber von dem Ergebnis der morgigen Hauptversammlung ab. Der Rhön-Vorstand und wichtige Investorengruppen wollen das 90-Prozent-Quorum für wichtige Entscheidungen kippen und so eine Übernahme des Konzerns erleichtern. Sollte die Hauptversammlung zustimmen, wäre der Weg frei für eine engere Zusammenarbeit zwischen Rhön und Helios. Vor einem erneuten Übernahmeversuch müsste aber die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zustimmen.

von Till Conrad

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