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Rewe in Wetter öffnet jetzt 18 Stunden lang

Supermarkt hofft auf mehr Umsatz Rewe in Wetter öffnet jetzt 18 Stunden lang

Immer längere Öffnungszeiten, immer mehr Umsatz? Rewe Kranich in Wetter öffnet ab diesem Mittwoch von montags bis samstags zwischen 6 und 24 Uhr. Die Konkurrenz reagiert verhalten.

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Der Rewe-Markt in Wetter hat ab diesem Mittwoch täglich  außer sonntags von 6 bis 24 Uhr geöffnet. Die Geschäftsleitung erhofft sich neben dem Service am Kunden auch einen wirtschaftlichen Vorteil.

Quelle: Thorsten Richter

Wetter. Für den Kunden ist es praktisch. Ob früh am Morgen oder spät am Abend – spontan einkaufen ist immer möglich. Bei einer Ladenöffnungszeit von 18 Stunden kann jeder, unabhängig von seiner eigenen Arbeitszeit, seine Besorgungen erledigen. So begründet auch Rewe die Regelung, die ab diesem Mittwoch im Markt in Wetter gilt. Statt bis 22 Uhr ist nun von 6 bis 24 Uhr geöffnet.

„Es ist natürlich ein Service am Kunden“, sagt Unternehmenssprecherin Anja Krauskopf. „So können dort auch noch Menschen einkaufen gehen, die spät von der Arbeit kommen“, begründet sie. Davon, dass dies nicht nur auf wenige Wetteraner zutrifft, ist sie überzeugt. So habe es schon im Vorfeld „viel positive Resonanz von den Kunden gegeben“.

Daher gehe Rewe „davon aus, dass es sich rechnen wird“, sagt Krauskopf. Bei den verlängerten Öffnungszeiten handele es sich ausdrücklich „nicht um einen Test“. Das Konzept sei dauerhaft angelegt. Man nehme ohnehin an, dass „es erst ein bisschen braucht, bis sich das Ganze eingependelt hat“. Anfangs sei demnach keine hohe Frequenz in den Abendstunden zu erwarten. Langfristig aber „erhoffen wir uns natürlich einen wirtschaftlichen Effekt“.

Aldi plant derzeit keine längere Ladenöffnung

Dass die Konkurrenz dieser Hoffnung einen Strich durch die Rechnung machen könnte, erwartet sie nicht. Auch zuvor sei Rewe schon der am längsten geöffnete Markt in der Umgebung gewesen. „Nur wenige Wettbewerber haben bisher nachgezogen.“ In der Tat scheint eine Reaktion auf die Öffnungszeiten-Offensive auszubleiben. Aldi, der direkte Konkurrent in Wetter öffnet von 8 bis 20 Uhr.

„Daran halten wir so lange wie möglich fest“, sagt Matthias Giese, Geschäftsführer der Aldi-Regionaldirektion in Bad Laasphe. Darauf beharre er „auch im Interesse unserer Mitarbeiter“. Zwar solle man niemals nie sagen, „aber wir ändern das nur, wenn der Wettbewerb es absolut erfordert“. Schließlich, so sein Argument, „können die Leute das Geld nur einmal ausgeben – unabhängig von den Öffnungszeiten“.

Sicher gebe es einzelne Kunden, die auch nach 22 Uhr gerne einkaufen wollen, meint Giese, doch bei der 9000 Einwohner-Gemeinde Wetter „reden wir nicht von einer Großstadt“, gibt er zu bedenken. Eine „richtige Wirtschaftlichkeit“ sei bei einer derartigen Ausdehnung der Ladenöffnung aus seiner Sicht nicht gegeben.

Rewe-Sprecherin: „Mit 24 Uhr ist Grenze erreicht“

Auch bei der Supermarkt-Kette Tegut sieht man das ähnlich. „Öffnungszeiten sind immer standortabhängig“, so Tegut-Sprecherin Stella Kircher. „Ein Händler lebt davon, sich auf die Bedürfnisse der Leute einzustellen. Und die haben sich gewandelt, in Märkten, wo viele Pendler vorbeifahren – zum Beispiel in Cappel – haben wir daher inzwischen auch schon ab 7 Uhr geöffnet“, sagt sie.

Am Frankfurter Flughafen sei sogar sonntags geöffnet, in ländlichen Regionen eher kürzer. Eine generelle Aussage zum Nutzen der Öffnungszeiten einzelner Konkurrenz-Märkte könne sie daher nicht machen. Der allgemeine Trend in den vergangenen Jahren sei aber deutlich hin zu längerer Öffnung gegangen.

„Mit 24 Uhr ist schon eine Grenze erreicht“, sagt auch Rewe-Sprecherin Krauskopf. Eine weitere Verschiebung in die Nacht hinein sei in naher Zukunft nicht zu erwarten. Noch spätere Arbeitszeiten für die Mitarbeiter bleiben somit auch aus. Bis 24 Uhr wird die ein oder andere Schicht nun aber gehen. Aufgrund der Verlängerung um zwei Stunden werde Rewe neues Personal einstellen, kündigt Krauskopf an. Wie viel, sei bisher aber noch nicht klar.

Verdi sieht Entwicklung kritisch

Kritik kommt dazu von den Gewerkschaften. „Wir lehnen eine solche Verlängerung von Öffnungszeiten ab. Sie führt in der Regel nur dazu, dass mehr Minijobs geschaffen werden und die Arbeitsbedingungen schlechter werden“, sagt Ulf Immelt vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Marburg. „Es ist ja auch nicht so, dass die Leute dann mehr einkaufen“, ergänzt er. „Der einzige Effekt ist, dass die Arbeitszeiten nach hinten verschoben werden.“

Joachim Hauke, bei Verdi Mittelhessen zuständig für den Handel, stimmt dem zu. „Das Ladenschlussgesetz lässt das zu, leider gibt es für Supermärkte keine Arbeitsschutzgesetze“, sagt er. Als Gewerkschaft setze sich Verdi im Rahmen der „Allianz für den Sonntag“ dafür ein, „dass Öffnungszeiten in Zukunft wieder begrenzt werden“.

Veränderungen für den Rewe-Markt am Erlenringcenter in Marburg soll es trotz der Entscheidung in Wetter demnächst nicht geben. Dort ist sechs Tage die Woche von 7 bis 24 Uhr geöffnet. Geschäftsführer Uwe Kranich ist für beide Märkte zuständig. „Sollte es irgendwann einmal Hinweise darauf geben, dass sich auch dort eine Öffnung ab 6 Uhr rechnet, dann ist Herr Kranich sicherlich jemand, der sehr innovativ ist“, so Krauskopf.

von Peter Gassner

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